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Der Superorganismus der Ameisen: Zivilisation durch Instinkt

18.05.2010
Der Zoologe Prof. Bert Hölldobler von der Arizona State University in Tempe, USA, erhält die Lichtenberg-Medaille, die höchste Auszeichnung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Hölldoblers Spezialgebiet ist die Ameisenforschung. Auf der öffentlichen Sommersitzung der Göttinger Akademie am 28. Mai hält Hölldobler den Vortrag "Der Superorganismus der Ameisen: Zivilisation durch Instinkt".

Ameisen, Termiten sowie einige Bienen- und Wespenarten machen zwar zusammen nur wenige Prozent aller Tierarten aus, aber sie haben eine immense ökologische Bedeutung. Woran dies liegt und auf welch faszinierende Weise diese Insektenarten ihr Zusammenleben organisieren, wird einer der bekanntesten Naturforscher unserer Tage, Prof. Bert Hölldobler, auf der

öffentlichen Sommersitzung
der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
am Freitag, dem 28. Mai 2010 um 17 Uhr c.t.
in der Aula der Universität Göttingen, Wilhelmsplatz 1,
in seinem Vortrag
„Der Superorganismus der Ameisen – Zivilisation durch Instinkt“
erläutern. Der Zoologe von der Arizona State University in Tempe, USA, erhält auf der Veranstaltung die Lichtenberg-Medaille und damit die höchste Auszeichnung, die die Göttinger Akademie zu vergeben hat. Bisher wurden mit dem Preis folgende Professoren geehrt: der ehemalige Bundesverfassungs-richter Paul Kirchhoff, der Chemiker und Autor Carl Djerassi, der Philosoph und Schriftsteller Peter Bieri (alias Pascal Mercier), der Historiker Arnold Esch, der Nobelpreisträger für Chemie Roald Hoffmann und der Althistoriker Christian Meier. Überreichen wird die Medaille der Präsident der Göttinger Akademie, Prof. Christian Starck, die Laudatio hält Prof. Norbert Elsner, erster Vizepräsident der Göttinger Akademie. Auf der öffentlichen Sommersitzung wird der Akademiepräsident auch neugewählte Akademiemitglieder vorstellen und ihnen die Urkunden übergeben.

Zum Inhalt des Vortrags von Prof. Bert Hölldobler:

Im Laufe der Evolutionsgeschichte des Lebens fanden mehrere bedeutende evolutionäre Übergänge statt. Einer der erstaunlichsten evolutionären Übergänge ist die Entstehung von Insektensozietäten, die die komplexesten Tiergesellschaften überhaupt darstellen. In den hoch entwickelten Insektensozietäten pflanzen sich nur ein oder wenige Individuen fort, während die überwiegende Mehrheit der Gruppenmitglieder dauerhaft steril bleibt, um als Arbeiter für die Nahrungsbeschaffung, Verteidigung und Aufzucht der Brut zu sorgen. Den wohl erstaunlichsten Superorganismus bilden die Blattschneiderameisen in den Neuwelttropen. Durch Instinkt gesteuerte Selbstorganisation entstehen in diesen riesigen Sozietäten komplexe Nestarchitektur mit Belüftungssystemen, hoch spezialisierte Agrikultur mit chemischer Schädlingsbekämpfung, vielgestaltige Arbeitsteilung mit Hilfe von Arbeiterkasten, präzise Kommunikationssysteme, unterirdische Tunnelanlagen und oberirdische Straßensysteme, die sich hunderte von Metern erstrecken können, und viele weitere Errungenschaften, die man als Zivilisation durch Instinkt bezeichnen kann.

Zum Lichtenberg-Preisträger:

Prof. Bert Hölldobler ist einer der bekanntesten Naturforscher und lehrt als Zoologe an der Arizona State University in Tempe, USA. Sein Spezialgebiet ist die Ameisenforschung. In über 300 Publikationen von ihm findet man fast alles, was man heute über diese Tiergruppe weiß. Seine Erkenntnisse versteht er einer breiten Öffentlichkeit in atemberaubenden Bildern und Geschichten mit archetypischer Bedeutung zu vermitteln. Sein Buch „The Ants“ hat 1991 den Pulitzer-Preis für Sachbücher erhalten. In seinem 2008 erschienenen Buch „The Superorganism“ hält er unserer heutigen Gesellschaft einen soziobiologischen Spiegel vor. Bert Hölldobler wurde am 25. Juni 1936 in Erling-Andechs geboren.

Adrienne Lochte | idw
Weitere Informationen:
http://www.adw-goe.de

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