Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risiko der Zika-Übertragung durch Mücken in Deutschland analysiert

13.01.2017

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) haben in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Gesellschaft zur Förderung der Stechmückenbekämpfung (GFS) in Speyer in Laborexperimenten bestätigt, dass Exemplare der asiatischen Tigermücke Aedes albopictus, die nach Süddeutschland eingeschleppt wurden, bei Temperaturen von mindestens 27°C das Zika-Virus übertragen können. Demgegenüber scheinen die in Deutschland weit verbreitete gemeine Hausmücke Culex pipiens sowie verwandte Arten wie Culex torrentium nicht zu einer Übertragung fähig zu sein. Die Arbeiten wurden gerade in der Fachzeitschrift Eurosurveillance veröffentlicht.

„Die Gefahr einer Zika-Übertragung ist als sehr gering einzuschätzen, da die Tigermücke in Deutschland bislang nur sporadisch gefunden wurde“, beruhigt Prof. Egbert Tannich vom BNITM.


Aedes albopictus

©BNITM/Krüger

In einem speziellen Sicherheitslabor des BNITM wurden die Mücken durch Saugen an virushaltigem Blut infiziert, und nach zwei bis drei Wochen wurde ein kleiner Tropfen Speichel der Mücken aufgefangen und auf infektiöse Viruspartikel untersucht. Man sollte nicht vergessen, dass allein das Vorkommen der Mücken für eine Übertragung nicht ausreicht.

"Erstens muss eine Tigermücke einen der in Deutschland sehr seltenen Menschen stechen, die gerade Zika-Viren im Blut haben, und zweitens muss es über 10 bis 20 Tage mit mindestens 27°C sehr warm sein, damit die Mücke das Virus vermehren und übertragen kann," ergänzt Prof. Norbert Becker von der GFS.

Das Zika-Virus gehört zur Familie der Flaviviren und wurde ursprünglich 1947 in Uganda isoliert. Es wird durch Stechmücken, insbesondere durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, übertragen und verursacht in seltenen Fällen Fieber mit Gelenkscherzen. Bei den meisten Infizierten treten gar keine Symptome auf, und das Virus verschwindet schon nach wenigen Tagen aus dem Körper.

Bei Infektionen in der Schwangerschaft kann es allerdings zu schweren Schäden des ungeborenen Kindes kommen. Eine Impfung oder wirksame Behandlung steht bisher noch nicht zur Verfügung. Das Zika-Virus zirkuliert bereits seit einigen Jahrzehnten in Afrika und Asien, was durch seinen Nachweis bei heimkehrenden Touristen belegt wurde.

Seit 2007 fallen Ausbrüche in Mikronesien und Polynesien auf, 2015 wurden vom BNITM Infektionen erstmalig auch in Brasilien beschrieben, mit dem gleichen Virustyp wie in Polynesien. Mittlerweile sind Fälle auch in anderen lateinamerikanischen Ländern, der Karibik und im Süden der USA aufgetreten.

Veröffentlichung:
Anna Heitmann, Stephanie Jansen, Renke Lühken, Mayke Leggewie, Marlis Badusche, Björn Pluskota, Norbert Becker, Olli Vapalahti, Jonas Schmidt-Chanasit, Egbert Tannich. Experimental transmission of Zika virus by mosquitoes from central Europe; Eurosurveillance; Volume 22, Issue 2, 12 January 2017

Über das BNITM:
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Tuberkulose und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNITM umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger und das WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.

Rückfragen:
Prof. Dr. Egbert Tannich (Leiter Parasitologie, BNITM)
Tel.: +49 40 42818-270

Laura Zimmermann (Pressearbeit, BNITM)
Tel.: +49 40 42818-264
E-Mail: presse@bnitm.de

Weitere Informationen:

http://www.bnitm.de - Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22684 - Zugang zur Originalpublikation

Laura Zimmermann | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.bnitm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren
16.11.2018 | Universität Bayreuth

nachricht Günstiger Katalysator für das CO2-Recycling
16.11.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics