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"Billigpflanzen" gefährden regionale Pflanzenvielfalt

08.04.2011
Die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz zeigt ab 15. April die Schönheit der Blütenvielfalt, gibt aber auch Anlass zur kritischen Betrachtung des Gärtnerns.

Verwilderte Zierpflanzen breiten sich aus und bestimmen immer mehr das Bild der Städte und Gemeinden. Die Folge ist ein Einheitsbrei in der Pflanzenwelt – vielerorts wächst dasselbe, regionale Unterschiede gehen verloren. Einige sorgen sogar für Gesundheitsprobleme.

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Halle und der TU Berlin beschäftigen sich mit dem Verlust regionaler biologischer Vielfalt durch die Ausbreitung von Zierpflanzen und werben für eine verstärkte Verwendung regionaltypischer Pflanzen in Gärten.

Wein in Koblenz, Bier in Bamberg, Eierschecke in Dresden - jede Region in Deutschland pflegt ihre Besonderheiten. Regionale Identität schafft Zugehörigkeit in einer globalisierten Welt. Ausgerechnet im heimischen Garten wird regionale Identität jedoch oft vernachlässigt.

Alte Zierpflanzen, darunter auch viele einheimische Arten, werden in Gärten immer seltener. Fingerhut, Mohn, Rittersporn, Ackerringelblume, die früher Bauerngärten zierten, finden sich kaum noch. Stattdessen bieten Gartencenter im ganzen Land die gleichen Pflanzen an, die dann in Gärten von den Alpen bis zur Küste zu finden sind. Einigen dieser Zierpflanzen gelingt der „Sprung über den Gartenzaun" - sie verwildern. Dabei haben preisgünstige Pflanzenarten besonders gute Verwilderungschancen, denn sie werden am häufigsten angebaut.

In Deutschland sind mehr als 200 verwilderte Zierpflanzenarten bekannt, darunter sind auch problematische Arten wie Drüsiges Springkraut, Japanknöterich oder Herkulesstaude. Auf den ersten Blick erscheinen Neuankömmlinge als Bereicherung, aber zumindest auf ausbreitungsstarke Risikopflanzen sollten wir verzichten.

Eine Alternative zur Einheitsbepflanzung sind regionaltypische Pflanzen. Einige Anbieter sind mit solchen Pflanzen und auch mit entsprechendem Saatgut auf dem Markt. Dieses regionale Pflanzgut ist genetisch vielfältig und daher oft widerstandsfähiger als importiertes Pflanzgut. Regionale Vermarktung und regionaltypisches Gärtnern kommen der Artenvielfalt zugute, fördern regionale Identität und machen Spaß bei der Gartenarbeit.

Ansprechpartner:

Dr. Sonja Knapp, Dipl. Geogr. André Schmiedel (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ Halle)
Tel: +49 345 558 5308
E-Mail: sonja.knapp@ufz.de
Prof. Dr. Ingo Kowarik (Technische Universität Berlin)
Tel.: (0 30) 31 47 13-72
E-Mail: kowarik@tu-berlin.de
Internet: http://www.tu-berlin.de/oekosys/
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Sebastian Tilch | idw
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