Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuen Methoden Nervenleiden heilen

05.11.2012
Die Technische Universität Ilmenau und das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT untersuchen in einem internationalen Forschungsprojekt die Funktionsweise und das Wachstum von menschlichen Nervenzellen.
Gelingt es den Forschern, Neuronen kontrolliert und gezielt zu kultivieren, könnte dies einen Durchbruch in der medizinischen Behandlung von geschädigtem Nervenzellgewebe bedeuten, unter anderem auch durch die Transplantation von Nervenzellen. Am 8. und 9. November kommen die an dem Forschungsverbund beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen an der TU Ilmenau zu einem Projektreffen zusammen, um die weiteren Forschungsarbeiten voranzutreiben.

Ziel des zweieinhalbjährigen Forschungsprojekts 3D-NeuroN („Biomimicking the brain – towards 3D neuronal network dynamics“) ist es, den Heilungsprozess von Nervenzellgewebe, das durch Krankheit oder Verletzung geschädigt ist, optimal zu unterstützen. Dazu entwickeln die Wissenschaftler dreidimensionale Nervenzellstrukturen aus biologischem Gewebe, die sie während des Wachstums mit 3D-Sensorarrays gezielt stimulieren, um neue Erkenntnisse über ihre Funktionsweise und ihre Informationsverarbeitung zu gewinnen (s. Foto). Die Forscher versprechen sich davon, Menschen mit Nervenschädigungen oder neuronalen Erkrankungen in Zukunft effektiver behandeln zu können.

An dem Forschungsprojekt, das von der Europäischen Union mit vier Millionen Euro gefördert wird, sind neben der TU Ilmenau und dem auf dem Universitätscampus angesiedelten Fraunhofer IDMT die renommierte schweizerische Universität ETH Zürich sowie die Tampere University of Technology und die University of Tampere in Finnland beteiligt. Im Institut für Mikro- und Nanotechnologien IMN MacroNano® der TU Ilmenau sind sechs Wissenschaftler mit der zentralen Projektaufgabe befasst, neuartige Sensoren zu entwickeln, mit denen gemessen wird, ob und wie die neuronalen Zellstrukturen wachsen, miteinander in Kontakt treten und Informationen austauschen. Dazu realisieren die Fachgebiete Nanobiosystemtechnik unter der Leitung von Prof. Andreas Schober und Biosignalverarbeitung unter der Leitung von Prof. Peter Husar neuartige Glas-Sensoren, die erstmals in der Lage sein werden, dreidimensionale neuronale Zellkulturen zu untersuchen. Aufgabe des Fraunhofer IDMT ist es, auf der Basis der gemessenen Signale ein Stimulationsmuster zu entwickeln, das das Wachstum der Zellen gezielt steuert.
Die Wissenschaftler glauben, dass die innovative 3D-Modellierung wesentlich detailliertere und umfassendere Informationen über die Funktionsweise von Neuronen und des menschlichen Gehirns liefern wird als herkömmliche Methoden. Die Forschungsarbeiten werden auch dazu beitragen, neue Medikamente gegen neuronale Erkrankungen effektiv und sicher zu entwickeln und zu testen. Ebenso sind vollkommen neuartige klinische Therapien denkbar, beispielsweise die Transplantation von Nervenzellen. Für die bevorstehenden Forschungsarbeiten verspricht sich Prof. Andreas Schober von dem bevorstehenden Projekttreffen in Ilmenau konkrete Impulse: „Wir diskutieren erste Ergebnisse unserer Messungen in Finnland mit den Funktionsmustern der neuen 3D-Sensorarrays der TU Ilmenau und erwarten von dem direkten wissenschaftlichen Austausch wichtige Anregungen für zukünftige Forschungen – um mit neuen Methoden Nervenleiden zu heilen.“

Kontakt:
Prof. Andreas Schober
Leiter Fachgebiet Nanobiosystemtechnik
Tel.: 03677 69-3387
E-Mail: andreas.schober@tu-ilmenau.de

Bettina Wegner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-ilmenau.de
http://www.3dneuron.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Struktur und Funktion von Lichtrezeptor bei Cyanobakterien aufgeklärt
29.01.2020 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Wenn Magic Mushrooms blau machen
29.01.2020 | Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnellster hochpräziser 3D-Drucker

3D-Drucker, die im Millimeterbereich und größer drucken, finden derzeit Eingang in die unterschiedlichsten industriellen Produktionsprozesse. Viele Anwendungen benötigen jedoch einen präzisen Druck im Mikrometermaßstab und eine deutlich höhere Druckgeschwindigkeit. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein System entwickelt, mit dem sich in bisher noch nicht erreichter Geschwindigkeit hochpräzise, zentimetergroße Objekte mit submikrometergroßen Details drucken lassen. Dieses System präsentieren sie in einem Sonderband der Zeitschrift Advanced Functional Materials. (DOI: 10.1002/adfm.201907795).

Um nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Zuverlässigkeit ihres Aufbaus zu demonstrieren, haben die Forscherinnen und Forscher eine 60 Kubikmillimeter...

Im Focus: Wie man ein Bild von einem Lichtpuls macht

Um die Form von Lichtpulsen zu messen, brauchte man bisher komplizierte Messanlagen. Ein Team von MPI Garching, LMU München und TU Wien schafft das nun viel einfacher.

Mit modernen Lasern lassen sich heute extrem kurze Lichtpulse erzeugen, mit denen man dann Materialien untersuchen oder sogar medizinische Diagnosen erstellen...

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zu viel Stickstoff bremst Waldwachstum in Europa

29.01.2020 | Agrar- Forstwissenschaften

Wenn Magic Mushrooms blau machen

29.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Vegetation der Berggebiete trocknet Alpenflüsse aus

29.01.2020 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics