Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nervenstammzellen kontrollieren ihr eigenes Schicksal

19.08.2016

Bisher wurde angenommen, dass die Entwicklung von Stammzellen von der Umgebung abhängt, in die sie eingebettet sind. Ein Forscherteam der Universität Basel beschreibt erstmals einen Prozess, nach dem neuronale Stammzellen im Hippocampus ihr Schicksal selbst über das Protein Drosha regulieren. Die Zeitschrift Cell Stem Cell hat die Resultate veröffentlicht.

Stammzellen sind nicht spezialisierte Zellen, die das Potenzial haben, sich in alle Zelltypen des menschlichen Körpers auszudifferenzieren. Normalerweise entwickeln Stammzellen jedoch nur solche Zelltypen, die zum jeweiligen Organ passen, in dem sie angesiedelt sind.


Neuronale Stammzellen im ausgewachsenen Hippcampus einer Maus. Grün: Die Stammzellen und ihre Nachkommen exprimieren Protein. Magenta: Die Stammzellen des Hippocampus produzieren neue Neuronen.

Departement Biomedizin, Universität Basel

Derzeit wird angenommen, dass die Stammzellendifferenzierung von ihrem Umfeld, der sogenannten Nische, kontrolliert wird. Stammzellen erhalten und interpretieren demnach bestimmte Faktoren, welche in ihrer Nische vorhanden sind und die Ausdifferenzierung in bestimmte Zelltypen steuern.

Im menschlichen Gehirn ist der Hippocampus für spezifische Gedächtnisfunktionen verantwortlich, eine Hirnregion, die bei Erkrankungen wie Demenz, Depressionen oder Epilepsie betroffen ist. Grundlage für die Funktionen des Hippocampus sind verschiedene Zelltypen, die sich aus neuronalen Stammzellen entwickeln.

Grundsätzlich sind die neuronalen Stammzellen des ausgewachsenen Gehirns dazu in der Lage, drei Zelltypen zu entwickeln: Nervenzellen, Astrozyten und Oligodendrozyten. Im adulten Hippocampus werden allerdings keine Oligodendrozyten produziert – ein Umstand, für den es bisher keine Erklärung gab.

Intrinsischer Zellmechanismus

Forscher am Departement Biomedizin der Universität Basel haben nun herausgefunden, dass das Schicksal von Stammzellen im Hippocampus nicht von der lokalen Nische, sondern von einem intrinsischen Zellmechanismus kontrolliert wird. Ihre Studie beschreibt die zentrale Rolle, die das Enzym Drosha in diesem Mechanismus spielt. Dabei verhindert Drosha, dass das Protein NFIB exprimiert wird, welches für die Ausdifferenzierung von Oligodendrocyten notwendig ist, und blockiert so deren Entwicklung.

Das Team um Prof. Verdon Taylor konnte erstmals zeigen, dass ein Prozess innerhalb der Zelle über deren Schicksal entscheidet und nicht äussere Einflüsse dafür verantwortlich sind. «Unsere Forschungsresultate zum Protein Drosha verändern, wie wir bisher über das Zellschicksal nachgedacht haben», so der Zellbiologe Taylor. Seine Forschungsgruppe möchte nun untersuchen, ob und wie Stammzellen die Aktivität von Drosha selber regulieren, um das Zellschicksal der jeweiligen Nachfrage anzupassen.

Originalartikel

Chiara Rolando, Andrea Erni, Alice Grison, Robert Beattie, Anna Engler, Paul J. Gokhale, Marta Milo,Thomas Wegleiter, Sebastian Jessberger, and Verdon Taylor
Multipotency of Adult Hippocampal NSCs In Vivo Is Restricted by Drosha/NFIB
Cell Stem Cell (2016) | DOI: 10.1016/j.stem.2016.07.003

Weitere Auskünfte

Verdon Taylor, Universität Basel, Departement für Biomedizin, Tel. +41 61 207 30 91, E-Mail: verdon.taylor@unibas.ch

Weitere Informationen:

https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Nervenstammzellen-kontrollier...

Olivia Poisson | Universität Basel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Im Visier: die „kleinen Geschwister“ der Proteine
12.11.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Reparaturdefekt führt zu Chaos im Erbgut
12.11.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Im Focus: A Leap Into Quantum Technology

Faster and secure data communication: This is the goal of a new joint project involving physicists from the University of Würzburg. The German Federal Ministry of Education and Research funds the project with 14.8 million euro.

In our digital world data security and secure communication are becoming more and more important. Quantum communication is a promising approach to achieve...

Im Focus: Research icebreaker Polarstern begins the Antarctic season

What does it look like below the ice shelf of the calved massive iceberg A68?

On Saturday, 10 November 2018, the research icebreaker Polarstern will leave its homeport of Bremerhaven, bound for Cape Town, South Africa.

Im Focus: Forschungsschiff Polarstern startet Antarktissaison

Wie sieht es unter dem Schelfeis des abgebrochenen Riesen-Eisbergs A68 aus?

Am Samstag, den 10. November 2018 verlässt das Forschungsschiff Polarstern seinen Heimathafen Bremerhaven Richtung Kapstadt, Südafrika.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

Mehrwegbecher-System für Darmstadt: Prototyp-Präsentation am Freitag, 16. November, 11 Uhr

09.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein magnetisches Gedächtnis für den Computer

12.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Autonomes Parken wird erprobt

12.11.2018 | Informationstechnologie

Multicopter und Satelliten für den Rettungseinsatz

12.11.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics