Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mutige Grillen leben kürzer

23.04.2015

Das Verhalten in risikoreichen Situationen ist ein individuell verschieden stark ausgeprägtes Persönlichkeitsmerkmal. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben nun erstmals in einer freilebenden Feldgrillen-Population Unterschiede in der Persönlichkeit gefunden. Risikofreudigere Tiere starben früher, denn sie hielten sich häufiger außerhalb ihrer Erdlöcher auf und wurden so leichter zur Beute. Andererseits könnten sich schüchterne Individuen dem Beobachter gar nicht erst zeigen, was die Ergebnisse beeinflusst. Dieses methodische Problem wurde in dieser Studie durch wiederholtes Beobachten von Tieren auf vergleichsweise kleinem Raum elegant gelöst.

Menschen besitzen eine eigene Persönlichkeit, die in frühester Kindheit ausgeprägt wird und sich immer weiter entwickelt. Das spiegelt sich unmittelbar im Verhalten wider. So gibt es ängstliche, kühne, vorsichtige oder abenteuerlustige Charaktere.


Grille vor ihrem Bau. Der Farbtupfer auf ihrem Rücken dient den Forschern zur Identifizierung.

Petri T. Niemelä

Dieselben Charaktereigenschaften finden sich auch bei Tieren. In der letzten Zeit wurden bei immer mehr Tierarten unterschiedliche Persönlichkeitsmuster von einzelnen Individuen einer Population entdeckt und mit wichtigen Faktoren wie Fortpflanzungserfolg oder Überlebenswahrscheinlichkeit in Beziehung gesetzt. Es ist wichtig, Persönlichkeitsstudien in der natürlichen Umgebung der Tiere und nicht im Labor durchzuführen, besonders wenn biologische Daten wie die Lebenserwartung erhoben werden sollen.

Die meisten Studien zu Zusammenhängen von Überlebenswahrscheinlichkeit und Persönlichkeit bei Tieren wurden an bereits etablierten, sogenannten Modelltierarten, wie bei Säugetieren und Singvögeln durchgeführt. Wirbellose Tiere wie Insekten hingegen sind noch kaum untersucht.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Niels Dingemanse vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat nun die Persönlichkeit von Feldgrillen untersucht. Die Forscher haben auf einer Wiese in einem eingezäunten Areal von 120 m² Grillen in einem fortgeschrittenen Larvenstadium in der Nähe ihres Erdbaus farbig mit einer Zahl markiert und deren Verhalten bis zur Geschlechtsreife beobachtet.

Zum Beispiel wurde die Fluchtauslösedistanz nach einer simulierten Störung gemessen, indem eine Person mit einem langen Rundholzstab auf den Boden klopfte und sich dabei in Richtung des Baues der Grille bewegte. Zusammen mit der Messung der größtmöglichen Distanz, die sich die Grille von ihrem Bau wegbewegte, diente dies zur Beurteilung von risikoreichem Verhalten und somit zur Abschätzung, ob ein Individuum eine draufgängerische Persönlichkeit besitzt.

Die Analyse ergab große Unterschiede im Risikoverhalten der Tiere, was auf das Vorhandensein von Persönlichkeiten hindeutete. Wagemutige Feldgrillen sterben früher als weniger draufgängerische Tiere, da Räuber wie Spitzmäuse und Vögel sie häufiger erbeuteten als scheuere Individuen. Sie wurden allerdings auch vom Beobachter leichter gesehen, so dass auch die Forscher viel öfter die mutigen Individuen zu Gesicht bekamen.

Um wirklich sicher zu sein, dass sie die schüchternen Individuen nicht einfach übersehen, zäunten die Forscher die Baue der Grillen ein und wiederholten mehrmals die Messungen. So konnte kein Tier entwischen, und die Wissenschaftler konnten sich sicher sein, dass sie nach vielen Messungen auch wirklich alle Individuen gesehen haben. “Diese Unterschiede in der Beobachtungshäufigkeit von mutigen und eher schüchternen Tieren sollte bei Studien der Persönlichkeit in natürlicher Umgebung stets in Betracht gezogen werden“, sagt Petri Niemelä, Erstautor der Studie. (SL/HR)

Weitere Informationen:

http://beheco.oxfordjournals.org/content/early/2015/04/15/beheco.arv036.full
http://www.mpg.de/9192433/grillen-persoenlichkeit

Dr. Sabine Spehn | Max-Planck-Institut für Ornithologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht KI-gesteuerte Klassifizierung einzelner Blutzellen: Neue Methode unterstützt Ärzte bei der Leukämiediagnostik
13.11.2019 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Darmbakterien könnten Entstehung von Multipler Sklerose beeinflussen
13.11.2019 | Exzellenzcluster Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New Pitt research finds carbon nanotubes show a love/hate relationship with water

Carbon nanotubes (CNTs) are valuable for a wide variety of applications. Made of graphene sheets rolled into tubes 10,000 times smaller than a human hair, CNTs have an exceptional strength-to-mass ratio and excellent thermal and electrical properties. These features make them ideal for a range of applications, including supercapacitors, interconnects, adhesives, particle trapping and structural color.

New research reveals even more potential for CNTs: as a coating, they can both repel and hold water in place, a useful property for applications like printing,...

Im Focus: Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

Magnetische Nanostrukturen maßgeschneidert herzustellen und nanomagnetische Materialeigenschaften gezielt zu beeinflussen, daran arbeiten Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit Kollegen des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden und der Universität Glasgow. Zum Einsatz kommt ein spezielles Mikroskop am Ionenstrahlzentrum des HZDR, dessen hauchdünner Strahl aus schnellen geladenen Atomen (Ionen) periodisch angeordnete und stabile Nanomagnete in einem Probenmaterial erzeugen kann. Es dient aber auch dazu, die magnetischen Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu optimieren.

„Materialien im Nanometerbereich magnetisch zu tunen birgt ein großes Potenzial für die Herstellung modernster elektronischer Bauteile. Für unsere magnetischen...

Im Focus: Magnets for the second dimension

If you've ever tried to put several really strong, small cube magnets right next to each other on a magnetic board, you'll know that you just can't do it. What happens is that the magnets always arrange themselves in a column sticking out vertically from the magnetic board. Moreover, it's almost impossible to join several rows of these magnets together to form a flat surface. That's because magnets are dipolar. Equal poles repel each other, with the north pole of one magnet always attaching itself to the south pole of another and vice versa. This explains why they form a column with all the magnets aligned the same way.

Now, scientists at ETH Zurich have managed to create magnetic building blocks in the shape of cubes that - for the first time ever - can be joined together to...

Im Focus: A new quantum data classification protocol brings us nearer to a future 'quantum internet'

The algorithm represents a first step in the automated learning of quantum information networks

Quantum-based communication and computation technologies promise unprecedented applications, such as unconditionally secure communications, ultra-precise...

Im Focus: REANIMA - für ein neues Paradigma der Herzregeneration

Endogene Mechanismen der Geweberegeneration sind ein innovativer Forschungsansatz, um Herzmuskelschäden zu begegnen. Ihnen widmet sich das internationale REANIMA-Projekt, an dem zwölf europäische Forschungszentren beteiligt sind. Das am CNIC (Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares) in Madrid koordinierte Projekt startet im Januar 2020 und wird von der Europäischen Kommission mit 8 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen weltweit die meisten Todesfälle. Herzinsuffizienz ist geradezu eine Epidemie, die neben der persönlichen Belastung mit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Mediation – Konflikte konstruktiv lösen

12.11.2019 | Veranstaltungen

Hochleistungsmaterialien mit neuen Eigenschaften im Fokus von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

11.11.2019 | Veranstaltungen

Weniger Lärm in Innenstädten durch neue Gebäudekonzepte

08.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

dormakaba mit 4 Architects' Darling in Gold ausgezeichnet

13.11.2019 | Förderungen Preise

Effiziente Motorenproduktion mit der neuesten Generation des LZH IBK

13.11.2019 | Maschinenbau

KI-gesteuerte Klassifizierung einzelner Blutzellen: Neue Methode unterstützt Ärzte bei der Leukämiediagnostik

13.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics