Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kenne Deinen Fisch!

28.03.2018

Kieler Forschungsteam entwickelt neue Methode für die Bestimmung der Nahrungszusammensetzung von wildem und in Aquakultur gehaltenem Lachs

Mehr als die Hälfte der weltweiten Produkte aus Fisch und Meeresfrüchten stammt aus Aquakultur. Die steigende Nachfrage und das gleichzeitige Schwinden der natürlichen Bestände aufgrund von Überfischung sorgen für ein seit Jahrzehnten starkes Wachstum der Aquakulturbranche. Um Kosten und Auswirkungen auf die Wildfischbestände zu reduzieren, werden fleischfressende Fische in der Aquakultur zunehmend mit pflanzlichen Futtermitteln gefüttert.


Lachs in der Auslage eines Premium-Supermarktes in Shanghai/China. Kieler Forschende haben neue Methode entwickelt, um die Ernährung und Herkunft bestimmen zu können.

Foto: Thomas Larssen, Uni Kiel

Die veränderte Ernährung der Fische in Aquakultur hat bisher jedoch nicht zu einer Verbesserung von Methoden geführt, mit denen sich die Nahrungsmittelkette eindeutig nachvollziehen lässt. Ein internationales Team unter Leitung von Forschenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Kieler Exzellenzclusters "Future Ocean" hat nun mit dem „stable isotope fingerprinting“ eine neue Methode entwickelt, um Proteinquellen von Lachsen mit hoher Genauigkeit zu identifizieren. Diese lässt Rückschlüsse auf Herkunft und Ernährung von einzelnen Fischen zu. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift Food Chemistry veröffentlicht.

In den vergangenen Jahren haben sich die Futteranteile in der Fischzucht von nur einer Proteinquelle, dem Fischmehl, und nur einer Lipidquelle, dem Fischöl, zu mehreren Dutzend Bestandteilen aus Soja, Insekten, Makroalgen, Muscheln und Hefe gewandelt.

Zum Beispiel erhalten seit 2015 konventionell gezüchtete Atlantische Lachse (Salmo salar L.) nur zu 20 Prozent Nahrung aus dem Meer. Vor rund vierzig Jahren lag der Anteil noch bei 90 Prozent. Diese Diversifizierung an Futtermitteln beim Atlantischen Lachs hat dazu beigetragen, Produktionskosten zu senken und den Druck auf die Wildbestände zumindest teilweise zu verringern.

Dabei fehlten bisher aber entsprechende Analyseverfahren, die Rückschlüsse auf die gesamte Nahrungsmittelkette und die Herkunft von Lachsen in Aquakultur zulassen. Erstmals ist es nun Forschenden der Uni Kiel und des Exzellenzclusters „Future Ocean“ gelungen, eine neue, wirksame Methode der Authentifizierbarkeit zu entwickeln. Diese wird zunehmend auch von Verbraucherinnen und Verbrauchern gefordert, die stärker nachhaltig produzierte Lebensmittel nachfragen und Transparenz sowie Nachvollziehbarkeit bei der Produktion wünschen.

"Unsere Methode des stable isotope fingerprinting von Aminosäuren hat mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden. Zum ersten Mal können wir die Herkunft von nach biologischen Standards gehaltenem, von konventionellem und wildem Lachs eindeutig unterscheiden", erklärt Erstautor Dr. Yiming Wang vom Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung an der Universität Kiel.

"Wir sind auch in der Lage, Lachse, die mit alternativen Nahrungsbestandteilen wie Insektenmehl und Makroalgen gefüttert werden, von anderen zu unterscheiden", so Wang weiter. Die neue Methode wird zukünftig dazu beitragen können, dass nachhaltige Aquakulturprodukte in Übereinstimmung mit Standards wie dem EU-Umweltzeichen und anderen ökologischen Zertifizierungsprogrammen hergestellt werden. Das „isotope fingerprinting“ kann weiter unterstützen, die vom Verbraucher geforderte Lebensmittelsicherheit und Produktionstransparenz sicherzustellen.

"Wir freuen uns sehr über unsere Ergebnisse", sagt Co-Autor Dr. Thomas Larsen vom Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung an der Uni Kiel. "Unsere Methode kann sogar noch erweitert werden, um auch andere Meeresprodukte zu authentifizieren. Dies ist ein erster Schritt zur Förderung einer gesunden und umweltverträglichen Aquakultur."

Originalarbeit
Wang, Y. V., A. H. L. Wan, E.-J. Lock, N. Andersen, C. Winter-Schuh, and T. Larsen. 2018. Know your fish: A novel compound-specific isotope approach for tracing wild and farmed salmon. Food Chemistry 256:380-389. https://doi.org/10.1016/j.foodchem.2018.02.095

Kostenfreier download der Publikation ist noch bis zum 3. Mai 2018 unter diesem Link möglich:
https://authors.elsevier.com/a/1Wj3s16Ds1e1jV

Links
https://authors.elsevier.com/a/1Wj3s16Ds1e1jV
http://www.futureocean.org
http://www.leibniz.uni-kiel.de

Kontakt
Dr. Yiming Wang, Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung, Universität Kiel, ywang@leibniz.uni-kiel.de

Dr. Thomas Larssen, Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung, Universität Kiel, tl@leibniz.uni-kiel.de

Friederike Balzereit, Public Relations, Cluster of Excellence „The Future Ocean”, 0431-880-3032, fbalzereit@uv.uni-kiel.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2018-079-aquakultur

Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers
18.10.2019 | Universität zu Köln

nachricht Das Rezept für eine Fruchtfliege
18.10.2019 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics