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Goldschildfliege wird Insekt des Jahres 2014 in Deutschland/Österreich/Schweiz

04.12.2013
Die Goldschildfliege (Phasia aurigera) ist das Insekt des Jahres 2014. Sie ist mit 1 cm Körperlänge ziemlich groß und auffallend bunt gefärbt. Das Männchen hat rote Augen und orangefarbene Flügel, sein Rücken ist goldgelb. Daher der Name.

Die Goldschildfliegen-Weibchen sind dagegen nicht so farbenfroh. Ihre Flügel sind durchsichtig gläsern. Sie haben zwar auch rote Augen, ansonsten ist ihr Körper dunkel schwarzbraun oder schwarz. Sie legen ihre Eier in die Larven von großen Wanzen, die an Pflanzen saugen. Die Fliegen selbst besuchen Blüten und ernähren sich von deren Nektar.


Goldschildfliegen-Männchen
Foto: Joachim Ziegler/Museum für Naturkunde Berlin

Die Goldschildfliege ist nicht sehr häufig, eigentlich sogar recht selten. Sie fällt aufgrund der schönen Färbung auf, zumindest die Männchen, zumal sie mit ihren 10 mm langen Flügeln und mehr als 2 cm Flügelspannbreite auch beim Fliegen noch zu erkennen ist. Das Insekt des Jahre 2014 ist sozusagen ein goldiger Brummer. Aber er lebt nur wenige Wochen.

Dennoch kann man die Goldschildfliege von Ende Mai bis in den Oktober sehen, weil sie zwei Generationen pro Jahr entwickelt. Im Gegensatz zum südlichen Europa sind die Fliegen in Mittel- und Nordeuropa im Frühjahr und Sommer allerdings selten und eher im Herbst aktiv. Man kann sie in Waldgebieten finden, vor allem am Waldrand. Am häufigsten ist sie auf blühenden Hochstaudenfluren und Halbtrockenrasen bei der Nektaraufnahme zu beobachten.

Nach der Paarung suchen die Fliegenweibchen nach geeigneten Wirten an blütenreichen Waldrändern, wo sich die Wirtstiere für die Larven gerne aufhalten. Als Wirte sind vor allem Baumwanzen (Pentatomidae) wie die Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) und die Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) bekannt. Die Weibchen durchdringen die feste Hülle der Wanzen mit einem speziellen, spitzen Legeapparat und legen ein Ei in deren Körper. Die daraus schlüpfende Fliegenlarve lebt als Innenparasit erst von der Körperflüssigkeit, der Hämolymphe, und von Fettzellen, ohne den Wirtsorganismus schwer zu belasten. Später greift sie auch die lebenswichtigen Organe des Wirtes an und tötet ihn dadurch. Die Larve verpuppt sich dann und der Zyklus beginnt von vorne. Wo sie sich verpuppt und überwintert, ist nicht bekannt. Wie bei vielen Insekten ist der Lebenszyklus noch nicht völlig erforscht.

Die Goldschildfliege, auf lateinisch Phasia aurigera, hat ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet von Spanien bis zum Iran und ein zweites Teilareal auch im Fernen Osten Russlands und in China. Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts kam sie in Mitteleuropa nur bis zum Harz und bei Berlin vor. Aber sie hat sich jetzt weiter nach Norden verbreitet. Nicht nur in Norddeutschland, auch in den Niederlanden und in Dänemark ist sie in den letzten Jahren gefunden worden, in Schweden und Groß-Britannien allerdings noch nicht.

Die Goldschildfliege gehört zu den 10.000 Fliegenarten, die in Mitteleuropa leben. Fliegen sind die artenreichste Ordnung aller Lebewesen in unserem Umfeld. Sie alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur ein Flügelpaar haben. Das zweite Paar ist zu Schwingkölbchen umgewandelt, das ihrem Flug Stabilität gibt. Die Goldschildfliege gehört zu den Tachiniden. Das sind Fliegen, die sich häufig auf eine Insektengattung spezialisiert haben und nur die parasitieren. 511 Arten gibt es davon in Deutschland. In der Schweiz sind 557 Tachinidenarten gezählt worden, in Österreich werden ähnlich viele vorkommen. (Wohlert Wohlers)

Fotos der Tiere sowie die Verbreitungskarte dürfen im Zusammenhang mit Texten über das Insekt das Jahres kostenfrei genutzt werden unter Angabe der Quelle: Joachim Ziegler/Museum für Naturkunde Berlin. Um Belegexemplar wird gebeten. Weitere Motive können auf den Archivseiten, die auf den Presseseiten des Julius Kühn-Instituts eingestellt sind, heruntergeldaden werden.

Kontakt zum Kuratoriumssprecher:
Dr. Wohlert Wohlers
c/o Julius-Kühn-Institut (Braunschweig)
Tel. 0531 299 33 96
wohlert.wohlers@jki.bund.de

Dr. Wohlert Wohlers | Julius Kühn-Institut
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de/index.php?id=789

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