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Forschung zum Verhalten von Zwergziegen

04.07.2013
Blöde Ziege? Junge Forscherin widerlegt diese Hypothese

Blöde Ziege, dumme Gans, doofe Kuh: Der Mensch traut Nutztieren eher wenig Intelligenz zu. „Stellt man ihnen allerdings die richtigen Aufgaben, beweisen sie eine hohe Lernfähigkeit“, sagt die 27-jährige Wissenschaftlerin der Universität Rostock, Dr. Susann Meyer.


Zwergziege im Lernautomaten
(Foto: FBN Dummerstorf)

Am Beispiel von Zwergziegen hat die Forscherin am Institut für Verhaltensphysiologie des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf herausgefunden, dass Ziegen beachtenswerte kognitive Fähigkeiten haben. Einerseits sind Ziegen sehr scheu, andererseits ausgesprochen neugierig. Letztere Eigenschaft hat sich die Rostocker Wissenschaftlerin für ihre Forschungszwecke zunutze gemacht.

In den Ställen stand während der Versuche 24 Stunden am Tag ein Lernautomat zur Verfügung, sodass er von jedem einzelnen Tier nach eigenem Ermessen betreten werden konnte. „Um herauszubekommen, was Ziegen können, muss man sie bei den Hörnern packen, also etwas finden, was sie unbedingt haben wollen. In diesem Fall ist es Wasser, was auch nur am Lernautomaten für die Ziegen zur Verfügung stand. Da die Tiere sehr gute visuelle Fähigkeiten besitzen, werden ihnen im Lernautomaten auf einem Bildschirm Aufgaben in Form von vier verschiedenen Symbolen angeboten, deren Anordnung nach jeder Wahl verändert wird. Bei der Wahl des als richtig definierten Symbols bekommt die Ziege als Belohnung eine Portion Trinkwasser. Der Lernautomat ist von außen abgeschirmt, so dass keine Ziege von der anderen „abgucken“ kann.

„Die Ziegen lernen sehr schnell die Symbole zu unterscheiden und wissen, welches eine Belohnung verspricht“, sagt Susann Meyer. Bei der ersten Aufgabe einer solchen Art brauchen die Tiere etwa 10 Tage, um sich mit den Symbolen vertraut zu machen und wählen zwischen 150 und 250-mal am Tag am Lernautomaten. Nach mehreren Tagen bekommen die Tiere dann jeweils eine neue Aufgabe, die wieder aus vier anderen Symbolen besteht, angeboten. „Weil die Tiere gelernt haben, dass ein Symbol eine Belohnung verspricht, bekommen sie dann schneller heraus, welches das ist“. Nach nur wenigen Aufgaben wählen die Ziegen nur noch 30- bis 40-mal am Tag, und decken durch die hohe Anzahl an Richtigwahlen ihren täglichen Bedarf an Wasser. Die Ziegen können eine große Anzahl solcher unterschiedlicher Symbole auch über längere Zeiträume behalten.

Über solche visuellen Wahlaufgaben konnten wir beispielsweise nachweisen, dass Zwergziegen, genauso wie wir, in Kategorien denken können. Wir sehen auf einen Blick, dass es sich, egal mit welcher Farbe oder Größe, beispielsweise um einen Stuhl handelt. Zwergziegen können auf Grund einer bestimmten Gemeinsamkeit verschiedenste Symbole unterscheiden. Solche kognitiven Herausforderungen im Stallalltag dienen zudem der Beschäftigung der Tiere, die sich wiederum positiv auf das tierische Wohlbefinden auswirken können.

Langeweile und Beschäftigungslosigkeit der Tiere im Stall hingegen kann sich negativ auf das Verhalten und Wohlbefinden auswirken. Ob bei Ziegen durch solche kognitiven Beschäftigungen die Milchleistung und die Fleischqualität verbessert wird, ist aber noch nicht erforscht. Fest steht jedoch, dass Ziegen, die abwechslungsreich gehalten werden, neugieriger und offener mit neuen Situationen umgehen.

Anders bei Schweinen: Im Vergleich zu Ziegen verfügen die Borstentiere über bessere akustische, als visuelle Fähigkeiten. Wissenschaftler des Instituts für Verhaltensphysiologie am FBN Dummerstorf haben herausgefunden, dass die Tiere innerhalb weniger Tage einen individuellen Ton bzw. 3-silbigen Namen lernen, mit dem sie einzeln zum Futtertrog gerufen werden. „Selbst in Gruppen von 60 Tieren reagiert ein Schwein, wenn es mit seinem Namen aufgerufen wird“, sagt Susann Meyer. „Durch diese Form der Beschäftigung konnten die Fleischqualität und Wundheilung der Schweine verbessert werden, die Aggressivität flaute ab und die Tiere sind aktiver und aufmerksamer“. Die Langeweile im Stallalltag muss vertrieben werden, um das Wohl der Tiere positiv zu beeinflussen, regt die Forscherin an.

Für ihre Untersuchung an den Zwergziegen und deren Lernfähigkeiten erhält Dr. Susann Meyer im November den Forschungspreis der Internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN). Der wird in diesem Jahr zum elften Mal vergeben. Der Preis dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zeichnet insbesondere Diplom-, Master- und Doktorarbeiten sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen aus. Prämiert werden herausragende wissenschaftliche Leistungen, die der Weiterentwicklung der artgemäßen und verhaltensgerechten Tierhaltung dienen.

Kontakt:
Universität Rostock
Agrar-und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Dr. Susann Meyer
Fon: +49 381 498-3340
Mail: susann.meyer@uni-rostock.de

Dr. Kristin Nölting | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de/aktuelles

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