Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Delfinfamilie ist um eine Art reicher

29.10.2013
In den Gewässern Nordaustraliens lebt eine bis anhin unbekannte Delfinart. Es handelt sich um eine zusätzliche, noch unbenannte, Art der Gattung Sousa.

Dies belegt eine internationale Gruppe von Delfin-Verhaltensforschern, darunter Michael Krützen von der Universität Zürich mit einer Langzeitstudie. Die Wissenschaftler schlagen vor, dass neu vier Arten dieser Gattung Delfine offiziell anerkannt werden.


Aufgrund ihres buckelartigen Rückens werden Sousa häufig auch als Buckeldelfine bezeichnet.

Wie viele Arten der Delfingattung Sousa existieren, ist umstritten. Die wegen ihres charakteristischen Buckels unter der Rückenflosse auch als Buckeldelfine bezeichnete Gattung kommt sowohl in den Küstengewässern des Indopazifiks vor als auch im östlichen Atlantik.

Aufgrund ihrer unklaren Populationsstruktur ist es schwierig, diese von Lebensraumverlust und Fischerei bedrohten Delfine zu schützen. Nun hat Michael Krützen, Delfin-Verhaltensforscher der Universität Zürich gemeinsam mit internationalen Kollegen eine bisher völlig unbekannte Spezies im Norden Australiens entdeckt. Es handelt sich dabei um eine vierte Art der Sousa.

Mindestens vier Arten der Sousa existieren

Die Wissenschaftler haben über Jahre hinweg die Evolutionsgeschichte der Sousa erforscht. Dabei wurden sowohl die physischen Merkmale als auch die genetischen Daten dieser Meeressäugetiere untersucht, um die Anzahl existierender Arten zu ermitteln. «Gestützt auf unsere Analysen gehen wir davon aus, dass es mindestens vier Arten der Sousa gibt. Unsere Entdeckungen halfen uns, die Evolutionsgeschichte dieser Gattung besser zu begreifen, und es ist uns gelungen, wichtige Erkenntnisse für den Artenschutz gewinnen, um jede der einzelnen Arten gezielt schützen zu können», sagt Michael Krützen, Koautor der Studie.

Die Forscher schlagen nur vor, mindestens vier Arten der Sousa offiziell anzuerkennen: den Kamerunflussdelfin (Sousa teuszii) im östlichen Atlantik Westafrikas; den indopazifischen Buckeldelfin, der sich in zwei Gattungen aufteilt, den Sousa plumbea, der vom mittleren bis westlichen Indischen Ozean vorkommt, und den Sousa chinensis, der im östlichen Indischen Ozean und dem westlichen Pazifik vorkommt; sowie die neue, vierte und bisher noch unbenannte Sousa-Spezies nördlich von Australien.

Taxonomie der Sousa weiter klären

Zusätzlich zum Vorschlag, eine neue Art anzuerkennen, und um frühere Vorschläge, die anderen drei Arten als unterschiedliche Spezies anzuerkennen, zu unterstützen, erkennen die Forscher auch die Population der Sousa plumbea des mittleren Indischen Ozeans als evolutionär und ökologisch einzigartig an und schlagen dementsprechend eine weitere Speziesbestimmung dieses Gebiets vor. «Es empfiehlt sich, diese Populationen weiter zu untersuchen, um die Taxonomie der Sousa auf regionaler Ebene aufzuklären», so Michael Krützen.

Um klare taxonomische Erkenntnisse bezüglich dieser weitverbreiteten und dennoch kaum bekannten Delfingruppe zu erhalten, sammelten die Forscher eine grosse Menge an physischen Daten – vorwiegend anhand von gestrandeten Delfinen und Museumsexemplaren. Insbesondere untersuchten sie dabei die Merkmale von 180 Schädeln, deren Ursprung den Grossteil der Habitate dieser Delfine umfasste, um deren morphologischen Eigenschaften regionsübergreifend zu vergleichen. Ferner wurden 235 Gewebeproben von Tieren der gleichen Gebiete gesammelt – d. h. vom östlichen Atlantik bis zum westlichen Pazifik – und sowohl deren mitochondriale als auch die Zellkern-DNA auf wichtige Variationen zwischen den Delfinpopulationen untersucht.

Literatur:
Martin Mendez, Thomas J. Jefferson, Sergios-Orestis Kolokotronis, Michael Krützen, Guido J. Parra, Tim Collins, Giana Minton, Robert Baldwin, Per Berggren, Anna S. Arnblad, Omar A. Amir, Vic M. Peddemors, Leszek Karczmarski, Almeida Guissamulo, Brian Smith, Dipani Sutaria, George Amato and Howard C. Rosenbaum. Integrating multiple lines of evidence to better understand the evolutionary divergence of humpback dolphins along their entire distribution range: a new dolphin species in Australian waters? Molecular Ecology. October 29, 2013. Doi: 10.1111/mec.12535.
Kontakt:
Dr. Michael Krützen
Anthropologisches Institut
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 54 12
E-Mail: michael.kruetzen@aim.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch

Weitere Berichte zu: Buckeldelfin Delfin Delfinfamilie Evolutionsgeschichte Ozean Sousa Taxonomie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bedeutung des „Ozeanwetters“ für Ökosysteme
21.08.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht In Form gebracht
21.08.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zukünftige Informationstechnologien: Wärmetransport auf der Nanoskala unter die Lupe genommen

21.08.2018 | Physik Astronomie

Bedeutung des „Ozeanwetters“ für Ökosysteme

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Auf dem Weg zur personalisierten Medizin

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics