Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expertengruppe unter Beteiligung der Universität Stuttgart untersucht Einstellungen zu Gentechnik und Stammzellenforschung

23.06.2006
Mehr Zustimmung zu Gentechnik, Pragmatismus bei Stammzellenforschung

Gentechnik und insbesondere die Stammzellenforschung werden überall in Europa kontrovers diskutiert. Doch die Zustimmung steigt. Dies zeigen die Ergebnisse des aktuellen "Eurobarometers", die am 22. Juni in Brüssel vorgestellt wurden. In der bereits zum sechsten Mal durchgeführten Repräsentativerhebung zur Wahrnehmung der Gentechnik und ihrer Anwendungen wurden mehr als 25.000 Personen in allen Ländern der Europäischen Union befragt. Koordiniert wird die Untersuchung durch eine internationale Expertengruppe, der mit Dr. Jürgen Hampel von der Abteilung für Technik- und Umweltsoziologie (Prof. Ortwin Renn) auch ein Wissenschaftler der Universität Stuttgart angehört.

In den 1990er-Jahren ging die Zustimmung zu Biotechnologie und Gentechnik kontinuierlich zurück und erreichte 1999 einen Tiefstwert von 41 Prozent. Nach den Ergebnissen der aktuellen Befragungsrunde zeichnet sich nun eine Trendwende ab. So trauten im Jahr 2005 erstmals 52 Prozent der Befragten der Bio- und Gentechnologie positive Auswirkungen auf das eigene Leben zu. Gleichzeitig erwarten nur noch 13 Prozent negative Auswirkungen auf das eigene Leben. Dabei liegt der Anteil der Optimisten in Ländern wie Malta, Estland, Spanien, Zypern und Schweden bei über 70 Prozent. Deutschland rangiert mit 33 Prozent eher am unteren Ende der Skala.

Ethisches Dilemma

Pragmatisch zeigen sich die Europäer bei der Stammzellenforschung und hier insbesondere auch bei der sehr umstrittenen embryonalen Stammzellenforschung. 59 Prozent stimmen ihr grundsätzlich zu, nur neun Prozent lehnen diese Anwendung generell ab. Die Möglichkeit, die bei einem generellen Verbot der Stammzellenforschung Ausnahmen zulässt, befürworten 17 Prozent der Europäer. Die Zustimmung zur Forschung mit adulten Stammzellen ist nur unwesentlich größer. Dabei signalisieren die Zahlen ein ethisches Dilemma: Auf der einen Seite halten es 41 Prozent der Europäer für falsch, menschliche Embryos in der medizinischen Forschung zu verwenden. Andererseits stimmen 53 Prozent der Aussage zu, dass es eine Pflicht gibt, Forschung zu erlauben, wenn dies die Entwicklung bedeutender neuer Behandlungen ermöglicht.

Nach wie vor groß ist die Skepsis bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Nur ein Drittel der Europäer akzeptiert derartige Eingriffe in die Lebensmittelproduktion. Deutschland liegt mit einem Zustimmungsgrad von 21 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Dagegen ist Bereitschaft, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu konsumieren, gestiegen. Als Gründe für einen möglichen Konsum werden positive Gesundheitseffekte und weniger Pestizidrückstände akzeptiert. Auf der anderen Seite wird in Deutschland sowie auch in Österreich, Griechenland, Ungarn, Lettland und Polen der Konsum gentechnisch veränderter Lebensmittel von mehr als 40 Prozent der Befragten generell abgelehnt.

Weitere Informationen bei Dr. Jürgen Hampel, Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung Technik- und Umweltsoziologie, Tel: 0711/685-84293, e-mail juergen.hampel@sowi.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/research/press/2006/pdf/pr1906_exec-summary-final_en.pdf

Weitere Berichte zu: Gentechnik Konsum Stammzellenforschung Umweltsoziologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics