Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erforschung der Felsenspringer

20.11.2001


Ein Felsenspringer (Machilis germanica), der sich gerade aus der unten zu sehenden Chitinhülle herausgearbeitet hat. Auch erwachsene Machiliden häuten sich regelmäßig. Das charakteristische Rückenmuster wird durch verschiedenfarbige Schuppen erzeugt


Helmut Sturm erarbeitet mit Kollegen internationales Handbuch

Felsenspringer sind nicht etwa Bergsteiger, wie man zunächst vielleicht vermuten könnte. Nein, diesen Begriff verwenden Zoologen für 8 - 15 mm lange, flügellose Insekten. Sie sind blitzschnell und springen weg sobald man sie fangen will. Anzutreffen sind diese scheuen Tierchen meist in Steinansammlungen. Professor Sturm, Emeritus der Universität Hildesheim, hat sein erstes Felsentierchen vor 40 Jahren an einer Steinwand in Bingen am Rhein gefunden. Für den damaligen Biologiestudenten war dies eine Begegnung mit Folgen. Die Auskunft seines Professors Friedrich Schaller, dass diese Tiere kaum erforscht seien, motivierte Sturm, sich dieser Aufgabe anzunehmen. Der Biologe befasst sich seither mit der Erforschung dieser Insektengruppe, deren wissenschaftlicher Name Archaeognatha, Machiloidea oder einfach Machiliden ist. Im häuslichen Alltag begegnet man dann und wann den Mitgliedern ihrer ebenfalls flügellosen Schwestergruppe, den Silberfischchen.

Professor Sturm hat bis heute mehrere Dutzend neue Arten dieser weltweit verbreiteten Gruppe beschrieben und zählt international zu den wenigen Experten auf diesem Gebiet.

In Zusammenarbeit mit Kollegen aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal und Japan sowie mit dem Gruyter Verlag in Berlin legt Sturm nun einen Band aus dem Handbuch der Zoologie vor, in dem die Besonderheiten dieser für die Stammesentwicklung der Insekten hochinteressanten Gruppe umfassend dargestellt werden. Einzigartig ist das Paarungsverhalten der Tierchen. Dabei heftet das Männchen nach einem Vorspiel einen Sekretfaden auf dem Untergrund an, zieht in aus und scheidet etwa 3 - 5 Spermatropfen auf den Faden ab. Gleichzeitig krümmt er sich um den Vorderkörper des Weibchens herum und vibriert mit dem ganzen Körper. Dies veranlasst das Weibchen seinen Eilegestab (Ovipositor) herauszuklappen und die Spermatropfen abzutupfen. Eine solche Art der indirekten Spermaübertragung, bei der das Männchen den Faden mit dem Sperma ausgespannt hält und nicht am Untergrund befestigt, ist bis jetzt einmalig. Diese Beobachtung hat Sturm veranlasst, auch das Verhalten und speziell die Spermaübertragung bei anderen Gruppen von Gliederfüßlern zu untersuchen.


Sturm, Helmut, Uni Hildesheim & Machida, Ryuichiro, Uni Tsukuba/ Japan: Archaeognatha, Handbuch der Biologie Band 37/ IV, Berlin, New York, 2001; 213 Seiten (Englisch).

Dr. Iris Klaßen | idw

Weitere Berichte zu: Archaeognatha Männchen Spermaübertragung Tierchen Untergrund

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entstanden Nervenzellen, um mit Mikroben zu sprechen?
10.07.2020 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Forscher der Universität Bayreuth entdecken außergewöhnliche Regeneration von Nervenzellen
09.07.2020 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics