Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genprofil als Entscheidungshilfe bei der Behandlung von Brustkrebs

18.04.2006
Bei 25 bis 30 Prozent aller Brustkrebspatientinnen bilden sich Tumoren unter einer Chemotherapie vollständig zurück. Für Betroffene wie für ihre Ärzte wäre es hilfreich, bereits vor der Behandlung Anhaltspunkte zu haben, wer von der oftmals belastenden Behandlung profitiert. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg identifizierten ein spezifisches Genaktivitätsprofil, das solche Tumoren charakterisiert, die auf ein bestimmtes Therapieschema mit vollständiger Rückbildung ansprechen.

Bei Brustkrebspatientinnen ist die vollständige Rückbildung des Tumors im Zuge einer Chemotherapie ein günstiger Prognosefaktor. Wird die Therapie vor der chirurgischen Entfernung des Tumors begonnen, können die Ärzte außerdem mitverfolgen, ob der Tumor mit der erhofften Rückbildung reagiert. Allerdings profitieren nicht alle Patientinnen gleichermaßen von den Zellgiften: Je nach Therapieschema findet man in der Gewebeuntersuchung bei 25 bis 30 Prozent der Behandelten nach den vorgeschriebenen Therapiezyklen keinerlei Tumorzellen mehr. Die übrigen Betroffenen sprechen nicht oder nur teilweise auf die Medikamente an.

Ein innovatives Therapieschema bei Brustkrebs ist die Kombination von Gemcitabine, Docetaxel und Doxorubicin. Ärzte und Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik haben einen Test entwickelt, der vorhersagt, bei welchen Patientinnen diese Medikamentenkombination zu einer vollständigen Vernichtung der Tumorzellen in der Brust führt. Der Test wird an Biopsiematerial aus Krebsknoten durchgeführt. In die Untersuchung waren hundert Brustkrebspatientinnen einbezogen, deren Tumoren noch keine Metastasen abgesiedelt hatten.

Mit einem Genchip, der 21.139 menschliche Gene repräsentiert, identifizierten die Forscher in den Krebszellen einer Gruppe von Patientinnen ein bestimmtes Muster an Genaktivitäten. Dieses Aktivitätsprofil kennzeichnet solche Tumoren, die durch die Dreifachtherapie komplett eliminiert werden. Bei einer zweiten Gruppe von erkrankten Frauen wurde anschließend gezeigt, dass anhand dieses Aktivitätsmusters der Erfolg der Dreifachtherapie vorhergesagt werden kann.

Das auch als "Signatur" bezeichnete Aktivitätsmuster der Chemotherapie-sensiblen Tumoren umfasst 512 verschiedene Gene. Die meisten davon tragen die Information für Proteine, die an der DNA-Reparatur oder am programmierten Zelltod, der Apoptose, beteiligt sind oder die ihrerseits die Aktivität anderer Gene regulieren.

"Entscheidend für den prognostischen Wert unseres Tests ist, dass wir nicht einfach das Ansprechen auf die Dreifachtherapie untersucht haben, sondern uns auf die vollständige Tumorrückbildung konzentrieren. Dadurch erhöhen wir die Aussagekraft des Tests", sagt Professor Peter Lichter aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. "Ob und wann der Test in der klinischen Routine eingesetzt werden kann, müssen nun Untersuchungen an größeren Gruppen von Patientinnen zeigen."

Mit 55.000 Neuerkrankungen ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Im Jahr 2003 verstarben 17.173 Frauen an der Erkrankung. Rund 79 Prozent aller Patientinnen überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

Publikation: Gene Expression Signature Predicting Pathologic Complete Response to Primary Systemic Chemotherapy With Gemcitabine, Epirubicin and Docetaxel in Primary Breast Cancer. Olaf Thuerigen, Andreas Schneeweiss, Grischa Toedt, Patrick Warnat, Meinhard Hahn, Heidi Kramer, Benedikt Brors, Christian Rudlowski, Axel Benner, Florian Schuetz, Bjoern Tews, Roland Eils, Hans-Peter Sinn, Christof Sohn und Peter Lichter Journal of Clinical Oncology, Band 24, Nummer 12, 20. April 2006

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bil-dung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bienen brauchen es bunt
20.08.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Künstliche Enzyme aus DNA
20.08.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung erstmals mit Licht von Quasaren bestätigt

20.08.2018 | Physik Astronomie

1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien

20.08.2018 | Förderungen Preise

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics