Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Symbiose entdeckt: Bakterien schützen den Bienenwolf gegen Pilzkrankheiten

08.03.2005


Wissenschaftler vom Biozentrum der Uni Würzburg haben eine verblüffende Symbiose entdeckt: Der Europäische Bienenwolf, eine im Boden brütende Wespenart, schützt seinen Nachwuchs gegen Pilzbefall, indem er die Brutzellen mit speziellen Bakterien ausstattet. Das berichten Martin Kaltenpoth, Wolfgang Göttler, Gudrun Herzner und Erhard Strohm in der heutigen Ausgabe der Fachzeitschrift "Current Biology".


Dieses Bienenwolf-Weibchen baut an einer Brutzelle. Aus seinen Antennen quillt reichlich die weiße Substanz, in der die symbiotischen Bakterien enthalten sind. Diese werden in der Zelle verteilt. Foto: Erhard Strohm


Bienenwolf-Weibchen im Flug mitsamt Beute, einer durch einen Stich gelähmten Honigbiene. Foto: Gudrun Herzner



Die Weibchen des Bienenwolfs (Philanthus triangulum) besitzen in ihren Antennen besondere Drüsen. Darin beherbergen sie eine bislang unbekannte Bakterienart, die zur Gattung Streptomyces gehört. Noch vor der Eiablage beschmieren sie die Wände der Brutzellen mit einem weißen Sekret, das die Mikroben enthält. Die Larven nehmen dann die Bakterien auf und spinnen sie später in den Kokon ein, mit dem sie sich zur Verpuppung umhüllen.

... mehr zu:
»Bakterium »Bienenwolf »Bienenwölfe »Pilze


Neun Monate lang dauert die Puppenruhe im Boden. Die geschlossene Brutzelle ist warm und feucht und damit ein idealer Lebensraum für Pilze, die das Leben der halb fertigen Bienenwölfe bedrohen könnten. Doch die symbiotischen Bakterien schützen die Brut - vermutlich produzieren sie Antibiotika, die den Feinden das Überleben unmöglich machen. Sobald die Würzburger Biologen die Brutzellen bakterienfrei hielten, wurden die Kinderstuben der Bienenwölfe verstärkt von Pilzen befallen. In der Folge sank die Überlebensrate der Larven drastisch: Von normalerweise über 80 auf nur noch rund sieben Prozent.

Aber nicht nur die unreifen Bienenwölfe sind von Mikroorganismen bedroht - auch ihr Nahrungsvorrat könnte Pilzen oder Bakterien zum Opfer fallen. Bevor nämlich die Mutter eine Brutzelle verschließt, deponiert sie darin für ihren Nachwuchs Proviant in Form einer Biene - die Immen sind die hauptsächliche Nahrung der Bienenwölfe, daher auch der ungewöhnliche Name dieser Wespen. Zum Schutz des Nahrungsvorrates beleckt das Bienenwolf-Weibchen die Bienen mit einem Sekret, dessen genaue Wirkungsweise die Würzburger Forscher momentan untersuchen.

Gerade Tiere, die im Boden leben, sind permanent von Kleinstlebewesen bedroht, deren natürliche Aufgabe der Abbau organischen Materials ist. Am besten lassen sich solche potenziell gefährlichen Bakterien und Pilze mit Antibiotika bekämpfen. "Für einen höher entwickelten Organismus ist es darum eine effektive und elegante Schutzmethode, wenn er sich mit Mikroorganismen verbündet, die Antibiotika produzieren", sagt Martin Kaltenpoth.

Bislang sind nur wenige Beispiele für derartige Symbiosen zwischen Bakterien und höheren Tieren bekannt. Unter anderem benutzen die tropischen Blattschneiderameisen spezielle Bakterien, um die Ausbreitung von Schädlingen in ihren unterirdischen Pilzgärten zu verhindern. Die Pilze, welche die Ameisen dort züchten, stellen die Nahrungsgrundlage für das gesamte Volk dar.

Weitere Informationen: Martin Kaltenpoth, T (0931) 888-4377, Fax (0931) 888-4352, E-Mail: martin.kaltenpoth@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Martin Kaltenpoth, Wolfgang Göttler, Gudrun Herzner und Erhard Strohm: "Symbiotic Bacteria Protect Wasp Larvae from Fungal Infestation", Current Biology Vol. 15 (5), 8. März 2005, Seiten 475 - 479

Hinweis für Redaktionen/Journalisten: Eine pdf-Datei mit der Originalarbeit können Sie bei der Uni-Pressestelle erhalten, E-Mail:
emmerich@zv.uni-wuerzburg.de

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen für die Fotos: Die Bilder dürfen kostenlos nur in Zusammenhang mit den Bienenwolf-Forschungen der Würzburger Biologen Martin Kaltenpoth, Wolfgang Göttler, Gudrun Herzner und Erhard Strohm verwendet werden. Bei Veröffentlichung ist deutlich sichtbar der Hinweis "Foto: (Name des jeweiligen Bildurhebers)" anzugeben. Veröffentlichungen in einem anderen Zusammenhang bedürfen der Genehmigung durch die Bildurheber.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Bakterium Bienenwolf Bienenwölfe Pilze

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hepatitis C-Viren erfolgreich ausschalten
25.03.2019 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Molekulares Doping
25.03.2019 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochdruckwasserstrahlen zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen erprobt

Beim Fräsen hochfester Werkstoffe wie Oxidkeramik oder Sondermetalle – und besonders bei der Schruppbearbeitung – verschleißen Werkzeuge schnell. Für Unternehmen ist die Bearbeitung dieser Werkstoffe deshalb mit hohen Kosten verbunden. Im Projekt »HydroMill« hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen mit seinen Projektpartnern nun gezeigt, dass sich der Hochdruckwasserstrahl zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen eignet. War der Einsatz von Wasserstrahlen bislang auf die Schneidbearbeitung beschränkt, zeigen die Projektergebnisse, wie sich hochfeste Werkstoffe kosten- und ressourcenschonender als bisher flächig abtragen lassen.

Diese neue und zur konventionellen Schruppbearbeitung alternative Anwendung der Wasserstrahlbearbeitung untersuchten die Aachener Ingenieure gemeinsam mit...

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nieten, schrauben, kleben im Flugzeugbau: Smarte Mensch-Roboter-Teams meistern agile Produktion

25.03.2019 | HANNOVER MESSE

Auf der Suche nach der verschwundenen Antimaterie: Messungen mit Belle II erfolgreich gestartet

25.03.2019 | Physik Astronomie

HEIDENHAIN auf der CONTROL 2019: Belastbare Systeme für mehr Genauigkeit und Zuverlässigkeit

25.03.2019 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics