Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spuren von Leben unter extremsten Bedingungen

07.01.2005


Bakterien-DNA in hochkonzentrierter Salzlake aus der Tiefsee entdeckt

... mehr zu:
»Bakterium »Brine-Becken »DNA »Meerwasser

Wo eigentlich nichts leben und wachsen dürfte, haben Forscher jetzt Hinweise auf eine komplexe Gemeinschaft verschiedenster Bakterienarten entdeckt. Ein Wissenschaftler-Team aus sechs europäischen Ländern hat DNA-Moleküle von Mikroorganismen in Wasserproben gefunden, die aus einem so genannten "Brine-Becken" des Mittelmeers stammen. Brine-Becken sind Senken in 3000 bis 4000 Metern Tiefe, in denen hoher Druck und eine extreme Salzkonzentration herrschen, während Sauerstoff vollständig fehlt. Ihre Ergebnisse beschreiben die Forscher in der jüngsten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science.

"Bakterien können unter vielen Umweltbedingungen leben, auch äußerst ungewöhnlichen", erklärt der Mikrobiologe Professor Kenneth Nigel Timmis, Bereichsleiter der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig und Mitautor des Fachartikels. "Aber an dem untersuchten Standort, einem Brine-Becken namens Discovery westlich von Kreta, hätten wir sie dennoch nicht vermutet. Es gehört sicher zu den extremsten Umgebungen, die wir kennen." Dort herrscht eine derartige Überkonzentration von Magnesiumchlorid, dass das Meerwasser mit diesem Salz fast gesättigt ist. "Das müsste eigentlich für jede Form von Leben tödlich sein", sagt Timmis. In gesättigter Magnesiumchlorid-Lösung kann kein bislang bekannter Organismus existieren.


Vermutlich gibt es jedoch Bakterien im untersuchten Brine-Becken, die damit kein Problem haben. Dafür spricht jedenfalls die Analyse von Proben und Sedimenten, die die Forscher mittels spezieller Sonden aus der Tiefsee ans Tageslicht geholt haben. Dabei fanden sie die DNA verschiedenster Kleinstlebewesen - einige davon waren bislang unbekannt, andere zeigen Verwandtschaft mit schon länger bekannten Organismen-Gruppen wie Proteobacteria, Sphingobacteria und Halobacteria. "Die Zusammensetzung dieser Bakterien-Flora ist eine ganz andere als die, die man in gewöhnlichem Meerwasser findet", betont Timmis. Die Atmung, die in extremen Lebensräumen wie den Brine-Becken mangels Sauerstoff nicht möglich ist, ersetzen die Bakterien wahrscheinlich durch Stoffwechsel-Prozesse, bei denen Methangas oder Schwefelverbindungen entstehen.

"Die Brine-Becken im östlichen Mittelmeer sind aus unterirdischen Salzlagerstätten entstanden, die irgendwann überflutet wurden und mit Wasser in Berührung kamen", erklärt Timmis. Die hochkonzentrierte Salzlake, die dabei entstand, hat eine viel höhere Dichte als normales Meerwasser - deshalb vermischt sie sich nicht mit diesem, sondern bleibt als davon getrennte Flüssigkeitsschicht ganz unten auf dem Meeresgrund liegen.

Jetzt wollen Forscher an der GBF versuchen, die neu entdeckten Bakterien, die ihre Existenz bislang nur durch Spuren ihrer DNA verraten, in Kultur zu züchten und näher zu untersuchen. Timmis: "Wir hoffen, dass diese Organismen Wirkstoffe produzieren, die man bis jetzt noch nicht kennt - vielleicht sogar solche, die man für medizinische Zwecke einsetzen kann."

Hinweis

Ausführliche Informationen bietet der Originalartikel: van der Wielen, P., Bolhuis, H., Borin, S., Daffonchio, D., Corselli, C., Giuliano, L., D’Auria, G., de Lange, G., Huebner, A.,Varnavas, S., Thomson,, J., Tamburini, C., Marty, D., McGenity, T., Timmis, K., BioDeep Scientific Party: The Enigma of Prokaryotic Life in Deep Hypersaline Anoxic Basins. Science, Vol. 307, 2005 January 7, pp 121-123.

Die Autoren forschen an Instituten in England, Frankreich, Italien, Deutschland, den Niederlanden und Griechenland.

Manfred Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de

Weitere Berichte zu: Bakterium Brine-Becken DNA Meerwasser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bisher unbekannter Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke entdeckt
25.09.2018 | Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

nachricht Kupfer-Aluminium-Superatom
25.09.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kupfer-Aluminium-Superatom

Äußerlich sieht der Cluster aus 55 Kupfer- und Aluminiumatomen aus wie ein Kristall, chemisch hat er jedoch die Eigenschaften eines Atoms. Das hetero-metallische Superatom, das Chemikerinnen und Chemiker der Technischen Universität München (TUM) hergestellt haben, schafft die Voraussetzung für die Entwicklung neuer, kostengünstiger Katalysatoren.

Chemie kann teuer sein. Zum Reinigen von Abgasen beispielsweise benutzt man Platin. Das Edelmetall dient als Katalysator, der chemische Reaktionen...

Im Focus: Hygiene im Handumdrehen – mit neuem Netzwerk „CleanHand“

Das Fraunhofer FEP beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Prozessen und Anlagen zur Reinigung, Sterilisation und Oberflächenmodifizierung. Zur Bündelung der Kompetenzen vieler Partner wurde im Mai 2018 das Netzwerk „CleanHand“ zur Entwicklung von Systemen und Technologien für saubere Oberflächen, Materialien und Gegenstände ins Leben gerufen. Als Partner von „CleanHand“ präsentiert das Fraunhofer FEP im Rahmen der Messe parts2clean, vom 23.-25. Oktober 2018, in Stuttgart, am Stand der Fraunhofer-Allianz Reinigungstechnik (Halle 5, Stand C31), das Netzwerk sowie aktuelle Forschungsschwerpunkte des Institutes im Bereich Hygiene und Reinigung.

Besonders um die Hauptreisezeiten gehen vermehrt Testberichte und Studien über die Reinheit von europäischen Raststätten, Hotelbetten und Freibädern durch die...

Im Focus: Hygiene at your fingertips with the new CleanHand Network

The Fraunhofer FEP has been involved in developing processes and equipment for cleaning, sterilization, and surface modification for decades. The CleanHand Network for development of systems and technologies to clean surfaces, materials, and objects was established in May 2018 to bundle the expertise of many partnering organizations. As a partner in the CleanHand Network, Fraunhofer FEP will present the Network and current research topics of the Institute in the field of hygiene and cleaning at the parts2clean trade fair, October 23-25, 2018 in Stuttgart, at the booth of the Fraunhofer Cleaning Technology Alliance (Hall 5, Booth C31).

Test reports and studies on the cleanliness of European motorway rest areas, hotel beds, and outdoor pools increasingly appear in the press, especially during...

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fachkonferenz "Automatisiertes und autonomes Fahren"

25.09.2018 | Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bisher unbekannter Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke entdeckt

25.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Suche nach Grundwasser im Ozean - Neues deutsch-maltesisches Forschungsprojekt gestartet

25.09.2018 | Geowissenschaften

Auf dem Weg zur Prothese der Zukunft

25.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics