Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemische Analytik belegt: Jeder Wein hat ein unverwechselbares Profil

25.06.2001


Mehr als 1.000 verschiedene Inhaltsstoffe sind im Wein enthalten. Der Jenaer Chemie-Professor Klaus Danzer vermag dank ausgefeilter Analyse-Apparatur anhand der unterschiedlichen Profile aus 60 organischen und 35 anorganischen Substanzen mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit Rebsorte und Herkunft sicher zu bestimmen. Für Qualitätsmanagement und Verbraucherschutz leistet seine Analytik, die selbst geringfügigste Verunreinigungen entdeckt, wichtige Dienste.

Experten, die Weine blind verkosten und deren Rebsorten und Anbaugebiete erkennen können, besitzen zumeist äußerst feine und trainierte Geschmacksknospen. Nicht so Klaus Danzer. Der 64-jährige Chemie-Professor macht Nachteile in der "Zungenfertigkeit" gegenüber gewieften Profi-Verkostern mit Hilfe apparativer Analytik und ausgefeilter Rechentechnik wett. Und hat dabei noch einen Vorsprung: Im Unterschied zu ihnen weiß er nur zu gut, was so ein Wein alles enthält. Indem er präzise misst, welche Spurenelemente in welchen Mengen eine Weinprobe enthält, bestimmt er Herkunft und Rebsorte.

Seit mehr als sieben Jahren befassen sich Klaus Danzer und sein Team aus Mitarbeitern und Studenten an der Universität Jena mit der Weinanalyse. "Wein als Substanzgemisch ist für einen Chemiker deshalb so interessant, weil er so komplex ist", meint der Professor trocken. Mehr als 1.000 verschiedene Inhaltsstoffe sind bekannt, "aber wir konzentrieren uns auf rund 60 organische und 35 anorganische Substanzen." Die organischen verraten die Rebsorte mit 97% Treffsicherheit, die anorganischen das Anbaugebiet mit 90% Wahrscheinlichkeit.

Dazu benutzt Danzer relativ aufwändige atom- und massenspektroskopische Verfahren. "Aber darin liegt nicht die eigentliche Kunst", verrät er, "viel schwieriger ist es, mit den riesigen Datenmengen umzugehen." Rechentechnisch löst er das Problem mit eigens entwickelten Programmen zur Mustererkennung: Jeder Wein hat sein spezifisches Profil an Inhaltsstoffen, und so lassen sich Silvaner von Riesling, Rheinhessen von Saale-Unstrut objektiv unterscheiden.

Verwundert wird sich der Weinkenner die Augen reiben, wenn er erfährt, was der geliebte Rebensaft so alles enthält: Barium, Eisen, Aluminium, Phosphor, Chrom, Magnesium, Blei, sogar Strontium und Uran sind nachweisbar. Aber alles natürlich nur in winzigsten Spuren von wenigen Nano- oder Mikrogramm pro Liter. "Das ist etwa so, als würde man einen Zuckerwürfel im Bodensee auflösen", schmunzelt Danzer, "davon schmeckt der See nicht süß." Für den Verbraucher sind die Inhaltsstoffe in diesen geringsten Mengen absolut ungefährlich.

Danzer: "Im Trinkwasser sind die Konzentrationen mitunter sogar höher. Noch nie war Wein so rein wie heute." Zum Beispiel in 100 Jahre alte Weinproben stellt man in der Regel deutlich höhere Bleikonzentrationen fest. Danzer: "Die sind dann meist immer noch ungefährlich, rühren aber von anderen Kelter- und Lagerverfahren her."

Interessanter für den Weinliebhaber sind da schon die so genannten Terpene. Darunter versteht der Chemiker eine ganze Gruppe organischer Kohlenwasserstoffe, die wesentlich das Geschmacksbild des gegorenen Kulturgetränks bestimmen. Fast alle dieser komplexen Kohlenstoff-Verbindungen sind relativ instabil und leicht flüchtig. Der erfahrene Chemiker wird deshalb seine Weinflasche niemals längere Zeit geöffnet stehen lassen. Ja selbst bei länger gelagerten Bouteillen zersetzen sich manche Terpene mit der Zeit - und das Bouquet wird "reifer", wie der Kenner meint.

Mit mehreren Weinforschungsinstituten und Winzergenossenschaften haben die Jenaer Chemiker in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet. Sogar im Auftrag des Bundesinstituts für Verbraucherschutz haben sie Daten von über 1.700 Weinproben analysiert. "Als Qualitätskontrolle ist unser Verfahren natürlich bestens geeignet, weil es objektive Ergebnisse liefert", weiß Prof. Danzer. "Man muss es sich nur leisten können." Unerlaubte Zusatzstoffe oder falsche Etikettierungen können mit hoher wissenschaftlicher Beweiskraft entlarvt werden.

Nur eine Frage haben er und seine Mitstreiter im Jenaer Labor nicht lösen können: Bei der präzisen Bestimmung des Jahrgangs hilft die chemische Analyse nicht entscheidend weiter. Danzer: "Das bleibt den Kennern vorbehalten. Und schließlich ist ein guter Wein ja auch zum Trinken da."

Ansprechpartner: Prof. Dr. Klaus Danzer Lehrstuhl für Analytische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena E-Mail: klaus.danzer@uni-jena.de

Friedrich-Schiller-Universität Dr. Wolfgang Hirsch Referat Öffentlichkeitsarbeit Fürstengraben 1 D-07743 Jena Telefon: 03641 · 931030 Telefax: 03641 · 931032 E-Mail: roe@uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

Weitere Berichte zu: Analytik Anbaugebiet Rebsorte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Regulation des Wurzelwachstums aus der Ferne
19.07.2019 | Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie

nachricht Vielfältiger einsetzbare Materialien
19.07.2019 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bessere Wärmeleitfähigkeit durch geänderte Atomanordnung

Die Anpassung der Wärmeleitfähigkeit von Materialien ist eine aktuelle Herausforderung in den Nanowissenschaften. Forschende der Universität Basel haben mit Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden und Spanien gezeigt, dass sich allein durch die Anordnung von Atomen in Nanodrähten atomare Vibrationen steuern lassen, welche die Wärmeleitfähigkeit bestimmen. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse kürzlich im Fachblatt «Nano Letters».

In der Elektronik- und Computerindustrie werden die Komponenten immer kleiner und leistungsfähiger. Problematisch ist dabei die Wärmeentwicklung, die durch...

Im Focus: Better thermal conductivity by adjusting the arrangement of atoms

Adjusting the thermal conductivity of materials is one of the challenges nanoscience is currently facing. Together with colleagues from the Netherlands and Spain, researchers from the University of Basel have shown that the atomic vibrations that determine heat generation in nanowires can be controlled through the arrangement of atoms alone. The scientists will publish the results shortly in the journal Nano Letters.

In the electronics and computer industry, components are becoming ever smaller and more powerful. However, there are problems with the heat generation. It is...

Im Focus: Nanopartikel mit neuartigen elektronischen Eigenschaften

Forscher der FAU haben Konzept zur Steuerung von Nanopartikeln entwickelt

Die optischen und elektronischen Eigenschaften von Aluminiumoxid-Nanopartikeln, die eigentlich elektronisch inert und optisch inaktiv sind, können gesteuert...

Im Focus: First-ever visualizations of electrical gating effects on electronic structure

Scientists have visualised the electronic structure in a microelectronic device for the first time, opening up opportunities for finely-tuned high performance electronic devices.

Physicists from the University of Warwick and the University of Washington have developed a technique to measure the energy and momentum of electrons in...

Im Focus: Neues Verfahren für den Kampf gegen Viren

Forschende der Fraunhofer-Gesellschaft in Sulzbach und Regensburg arbeiten im Projekt ViroSens gemeinsam mit Industriepartnern an einem neuartigen Analyseverfahren, um die Wirksamkeitsprüfung von Impfstoffen effizienter und kostengünstiger zu machen. Die Methode kombiniert elektrochemische Sensorik und Biotechnologie und ermöglicht erstmals eine komplett automatisierte Analyse des Infektionszustands von Testzellen.

Die Meisten sehen Impfungen als einen Segen der modernen Medizin, da sie vor gefährlichen Viruserkrankungen schützen. Doch bevor es ein Impfstoff in die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Testzone für die KI-gestützte Produktion

18.07.2019 | Veranstaltungen

„World Brain Day“ zum Thema Migräne: individualisierte Therapie statt Schmerzmittelübergebrauch

18.07.2019 | Veranstaltungen

Kosmos-Konferenz: Navigating the Sustainability Transformation in the 21st Century

17.07.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielfältiger einsetzbare Materialien

19.07.2019 | Biowissenschaften Chemie

Regulation des Wurzelwachstums aus der Ferne

19.07.2019 | Biowissenschaften Chemie

Bessere Wärmeleitfähigkeit durch geänderte Atomanordnung

19.07.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics