Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aminosäuren als Ursubstanzen des Lebens

21.06.2001


Seit fast einem halben Jahrhundert geht man in chemischen Labors der Frage nach, wie das Leben auf der Erde entstanden sein könnte. Wahrscheinlich spielten Aminosäuren dabei eine entscheidende Rolle. Dies legen Experimente der Arbeitsgruppe des Chemikers Prof. Dr. Henry Strasdeit (Universität Oldenburg) nahe. Kürzlich wurden die Ergebnisse in Chemistry, einer der weltweit renommiertesten Chemiezeitschriften veröffentlicht (Chemistry - A European Journal, Jahrgang 2001, Bd. 7, S. 1133-1142, und Titelbild).

Vermutlich waren schon auf der jungen Erde, d. h. vor ca. vier Milliarden Jahren, Aminosäuren vorhanden, und zwar noch bevor die ersten Organismen existierten. Möglicherweise stammen sie aus Meteoriten. In sehr alten Meteoriten sind wiederholt Aminosäuren gefunden worden.
Die Oldenburger WissenschaftlerInnen nehmen an, dass die Aminosäuren mit Metall-Verbindungen so genannte Metall-Aminoacidate gebildet haben. Im Labor konnten aus einfachen Ausgangsverbindungen wie Zinkoxid oder Calciumhydroxid durch Umsetzungen mit der jeweiligen Aminosäure in heißer wässriger Lösung zahlreiche neue Zink- und Calcium-Aminoacidate gewonnen werden. Die Produkte wurden als Kristalle isoliert. Die eingesetzten Aminosäuren waren racemisch, d. h. sie bestanden aus gleichen Teilen links- und rechtshändiger Moleküle. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass bestimmte Metall-Aminoacidate tatsächlich auf der Urerde existiert haben könnten.
Wahrscheinlich waren die Metall-Aminoacidate auf der Urerde zumindest lokal hohen Temperaturen ausgesetzt. Deshalb untersuchten die ChemikerInnen die thermische Zersetzung dieser Stoffe. Dazu wurde jeweils kristallines Material einige Stunden im Stickstoffstrom bei 320°C gehalten. Es stellte sich heraus, dass die Aminoacidate dabei nicht nur in kleinere Bruchstücke zerlegt werden, sondern es entstehen in erheblichem Umfang auch größere Moleküle, die zu gänzlich anderen Verbindungsklassen gehören als die Aminosäuren.
Zwar wurden keine Verbindungen gefunden, die den chemischen Bausteinen heutiger Lebewesen nahe kommen, doch konnte bisher erst ein geringer Teil der zahlreichen Produkte identifiziert werden. Die Ergebnisse stützen aber die Vermutung, dass thermische Umwandlungen von Metall-Aminoacidaten zu dem präbiotischen chemischen Inventar auf der jungen Erde gehörten. Insofern sei es denkbar, so Prof. Strasdeit, dass Aminosäuren die "Ursubstanz" des Lebens bildeten.
Kontakt: Prof. Dr. Henry Strasdeit, Tel.: 0441/798-3677, Fax: -3329, E-Mail: henry.strasdeit@uni-oldenburg.de

Gerhard Harms | idw

Weitere Berichte zu: Aminosäure Metall-Aminoacidate Molekül Urerde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Darmbakterien das Herzinfarktrisiko beeinflussen
10.12.2018 | Berliner Institut für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH)

nachricht Neues über ein Pflanzenhormon
07.12.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode verpasst Mikroskop einen Auflösungsschub

Verspiegelte Objektträger ermöglichen jetzt deutlich schärfere Bilder / 20fach bessere Auflösung als ein gewöhnliches Lichtmikroskop - Zwei Forschungsteams der Universität Würzburg haben dem Hochleistungs-Lichtmikroskop einen Auflösungsschub verpasst. Dazu bedampften sie den Glasträger, auf dem das beobachtete Objekt liegt, mit maßgeschneiderten biokompatiblen Nanoschichten, die einen „Spiegeleffekt“ bewirken. Mit dieser einfachen Methode konnten sie die Bildauflösung signifikant erhöhen und einzelne Molekülkomplexe auflösen, die sich mit einem normalen Lichtmikroskop nicht abbilden lassen. Die Studie wurde in der NATURE Zeitschrift „Light: Science and Applications“ veröffentlicht.

Die Schärfe von Lichtmikroskopen ist aus physikalischen Gründen begrenzt: Strukturen, die näher beieinander liegen als 0,2 tausendstel Millimeter, verschwimmen...

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Im Focus: Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. Drei große Nervenzellen in jeder Hälfte des Fliegenhirns reichen jedoch aus, um die Fliege mit Hilfe visueller Signale wieder auf Kurs zu bringen.

Bewegen wir uns vorwärts, zieht die Umwelt in die entgegengesetzte Richtung an unseren Augen vorbei. Drehen wir uns, verschiebt sich das Bild der Umwelt im...

Im Focus: Researchers develop method to transfer entire 2D circuits to any smooth surface

What if a sensor sensing a thing could be part of the thing itself? Rice University engineers believe they have a two-dimensional solution to do just that.

Rice engineers led by materials scientists Pulickel Ajayan and Jun Lou have developed a method to make atom-flat sensors that seamlessly integrate with devices...

Im Focus: Drei Komponenten auf einem Chip

Wissenschaftlern der Universität Stuttgart und des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT gelingt wichtige Weiterentwicklung auf dem Weg zum Quantencomputer

Quantencomputer sollen bestimmte Rechenprobleme einmal sehr viel schneller lösen können als ein klassischer Computer. Einer der vielversprechendsten Ansätze...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

Fachforum über intelligente Datenanalyse

10.12.2018 | Veranstaltungen

Plastics Economy Investor Forum: Treffpunkt für Innovationen

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff

10.12.2018 | Studien Analysen

Ungesundes Sitzen vermeiden: Stuhl erkennt Sitzposition und motiviert zur Änderung der Körperhaltung

10.12.2018 | Energie und Elektrotechnik

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics