Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Apfelsinengroße Tausendfüßler entdeckt

20.09.2004


Sie sind älter als Dinosaurier und sorgen im Regenwald für nährstoffreiche Böden: so genannte Riesenkugler, eine Art von Tausendfüßlern, die im zusammengerollten Zustand so groß wie eine Apfelsine sind. Fünf bisher völlig unbekannte Arten hat der Bochumer Zoologe Thomas Wesener bei einer Expedition auf Madagaskar entdeckt. Sie sind Teil der einzigartigen Fauna der Tropeninsel und durch die Abholzung der Wälder vom Aussterben bedroht. Wesener hat die Arten in seiner Diplomarbeit am Lehrstuhl für Spezielle Zoologie der RUB bei Prof. Dr. Johann Wolfgang Wägele bestimmt und erforscht sie nun weiter in einer Dissertation.


Zoosphaerium sp. Andranomay: Eine noch unbeschriebene Riesenkuglerart aus dem Bergregenwald von Andranomay im nord-östlichen Madagaskar etwa 1300 Meter hoch gelegen.


Zoosphaerium sp. Ando6: Ein Jungtier einer ebenfalls unbeschriebenen Riesenkuglerart. Diese Art kommt nur im Bergregenwald von Andohahela im Südosten Madagaskars vor und ist auf Lagen über 1000 Meter beschränkt.



Ein ursprünglicher, perfekter Organismus



Die Riesenkugler, wissenschaftlich "Sphaerotheriiden", waren seit über 100 Jahren nicht mehr Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen - trotz ihrer beeindruckenden Größe. Die Tiere sind sehr ursprünglich gebaut und vermutlich bereits vor den Dinosauriern entstanden. Sie können sich zu einer perfekten Kugel einrollen, die sämtliche Beine, die Bauchseite und den Kopf vollständig in sich birgt - dadurch sind sie für viele Feinde unangreifbar. Als besonderes Kennzeichen besitzen die madagassischen Arten in beiden Geschlechtern Zirporgane, mit denen sie Töne erzeugen, die bei der Paarung eine Rolle spielen. Außerdem zeichnen sie sich einmalig durch eine besondere Farbenpracht und durch Riesenwuchs aus. Während einheimische Kuglerarten maximal die Größe einer Erbse erreichen, sind die größten Arten auf Madagaskar eingekugelt etwa so groß wie eine Orange, was den Tieren ihren Namen einbrachte.

Der Riesenkugler: ökologisch wertvoll

Die Riesenkugler haben eine große ökologische Bedeutung: Die Tiere ernähren sich nach dem heutigen Kenntnisstand ausschließlich von altem Laub und vermoderndem Holz. Daher spielen gerade Riesenkugler in ihren Verbreitungsgebieten eine zentrale, unverzichtbare Rolle bei der Zersetzung von Laub, ähnlich wie in unseren Breiten die Regenwürmer.

Als "Streuabbauer" zerkleinern sie totes Pflanzenmaterial, so dass Mikroorganismen dieses leichter zersetzen können und die Hauptnährstoffe den Pflanzen wieder zur Verfügung stehen. Zudem durchmischen die Riesenkugler durch Ihre Grabtätigkeiten den Boden und lockern ihn auf. Besonders die Böden in Plantagen sind in Gebieten mit Riesenkuglern deutlich nährstoffreicher als dort, wo diese Tiergruppe nicht mehr auftritt.

Lebensfeindliche Steppenlandschaften drohen

Gefunden hat Thomas Wesener die Riesenkugler im Küstenregenwald Madagaskars. Drei der Arten kamen nur in jeweils einem der verbliebenen Regenwaldgebiete vor, sie sind hier "endemisch". Ein Großteil der Wälder, die einst fast die gesamte Insel bedeckten, ist bereits verschwunden. Einmal abgeholzt, wird die dünne Humusschicht binnen kürzester Zeit weggeschwemmt und eine lebensfeindliche Steppenlandschaft tritt an ihre Stelle. Die Vernichtung des Restwaldes hätte große Auswirkungen: Die gerade erst entdeckten Arten würden unwiederbringlich aussterben - mit unüberschaubaren Kaskadeneffekten auf das gesamte Ökosystem. Umso bedeutender sind die laufenden Erfassungen und taxonomischen Arbeiten an den Tausendfüßlern. Eine große Anzahl von Tierarten würde in den nächsten Jahren, nicht nur auf Madagaskar, aussterben, ohne dass die Menschheit überhaupt je Kenntnis von ihnen hatte.

Weitere Informationen

Dipl.-Biol. Thomas Wesener, Lehrstuhl für Spezielle Zoologie, Fakultät für Biologie der RUB, Tel. 0234/32-22370, Thomas.Wesener@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de

Weitere Berichte zu: Madagaskar Riesenkugler Steppenlandschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

nachricht Einbahnstraße für das Salz
21.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

Gesundheitstipps und ein virtueller Tauchgang zu Korallenriffen

20.09.2018 | Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neues, umweltschonendes Laserbeschichtungsverfahren senkt Herstellungskosten elektrischer Kontakte

21.09.2018 | Verfahrenstechnologie

Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei

21.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer ISE mit mehr als 60 Beiträgen auf der European PV Solar Energy Conference and Exhibition

21.09.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics