Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiges Messsystem kann Pflanzenzellaktivitäten erfassen

28.01.2004


Weltweit einmalig ist ein neuartiges Messsystem, das Leipziger Pflanzenzellphysiologen gemeinsam mit Bruker Optics Leipzig entwickelten. Über die Aktivität einer einzelnen Zelle lassen sich Rückschlüsse auf ganze Pflanzen oder Gewebe ziehen. Damit kann z.B. die Gewässerqualität ermittelt werden.


Im Rahmen des mit rund 450 000 Euro dotierten DFG-Vorhabens "Photophysiologische Fitness und Primärproduktion" entwickelten die Pflanzenphysiologen am Institut für Botanik der Universität Leipzig, ein einzigartiges Messsystem, mit dem die physiologische Aktivität von Pflanzenzellen ermittelt werden kann. Aus einem Gemisch können gleichartige Zellen erkannt, sortiert und weiter auf ihre Photosynthese-Aktivität, ihre Farbstoffe und auf wichtige Inhaltsstoffe untersucht werden. "Der Clou ist" erklärt Prof. Christian Wilhelm, Leiter der Forschergruppe, "dass man eine Zelle untersucht und alles versteht." Das will heißen, dass die Physiologie einer Zelle den Stoffwechsel auf allen Ebenen offenbart. "Man kann also Millionen von Zellen durchschauen, ohne diese züchten zu müssen", so Wilhelm.

Die Leipziger Wissenschaftler nutzen das Messsystem u.a., um sogenanntes Phytoplankton näher zu untersuchen. Das sind mikroskopisch kleine Wasserpflanzen, die die Grundlage der Nahrungskette im Gewässer sind und deren Vorkommen in den Weltmeeren Rückschlüsse auf die klimatischen Verhältnisse zulässt. Der neuartige Ansatz erlaubt, physiologische Prozesse des Phytoplanktons nicht nur summarisch, sondern für die einzelnen Verwandtschaftsgruppen oder für einzelne Arten getrennt zu untersuchen. So kann z.B. durch die Isolierung einer einzelnen Zelle deren toxischer Zustand festgestellt werden. Daraus lassen sich Schlussfolgerungen für den Zustand des Plankton-Areals ableiten und Prognosen für das Gefährdungspotential aufstellen, bevor solche Algen in Massen auftreten. Das Verfahren kann in Zukunft auch helfen, die Klimavoraussagen zu verbessern, indem der Einfluss des Ozeans auf die globale Klimaerwärmung besser abgeschätzt werden kann.


Die entwickelte Methodik erlaubt außerdem, die Wechselwirkungen zwischen Organismen auf neue Wissensgrundlagen zu stellen. Dadurch sind z.B. ganz neue Einblicke in das Verhältnis von Pilzen und Pflanzenwurzeln möglich.

Schließlich kann die neue Technik in der pflanzlichen Biotechnologie breite Verwendung finden. So können genetisch veränderte Pflanzenzellen schon physiologisch untersucht werden, bevor sie wieder zu ganzen Pflanzen oder Geweben regeneriert wurden.

Jetzt wollen die Wissenschaftler erforschen, inwieweit das neue Verfahren zur Untersuchung des Phytoplanktons für die Renaturierung von Gewässern genutzt werden kann, z.B. für die Neutralisierung von sauren Seen. Dies soll in Gewässern erfolgen, die für die Leipziger Region von Bedeutung sind: der Auensee, der Cospudener See und die Mulde bei Grimma.

weitere Informationen:

Prof. Dr. Christian Wilhelm
Telefon: 0-341-9736870
E-Mail: cwilhelm@rz.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~pflaphys/index.htm

Weitere Berichte zu: Gewässer Messsystem Phytoplankton Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Was wir von Ameisen und Amöben über Koordination und Zusammenarbeit lernen können
13.08.2018 | Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

nachricht Die künstliche Plazenta im Labor
13.08.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Im Focus: The “TRiC” to folding actin

Proteins must be folded correctly to fulfill their molecular functions in cells. Molecular assistants called chaperones help proteins exploit their inbuilt folding potential and reach the correct three-dimensional structure. Researchers at the Max Planck Institute of Biochemistry (MPIB) have demonstrated that actin, the most abundant protein in higher developed cells, does not have the inbuilt potential to fold and instead requires special assistance to fold into its active state. The chaperone TRiC uses a previously undescribed mechanism to perform actin folding. The study was recently published in the journal Cell.

Actin is the most abundant protein in highly developed cells and has diverse functions in processes like cell stabilization, cell division and muscle...

Im Focus: Arctic Ocean 2018 - Forscher untersuchen Wolken und Meereis in der Arktis

"Arctic Ocean 2018": So heißt die diesjährige Forschungsexpedition des schwedischen Eisbrechers ODEN in der Arktis, an der auch ein Wissenschaftler der Universität Leipzig beteiligt ist. Noch bis zum 25. September wollen die etwa 40 Forscher an Bord vor allem das mikrobiologische Leben im Ozean und im Meereis untersuchen und wie es mit der Wolkenbildung in der Arktis zusammenhängt.

Während der Fahrt durch die Arktis, die Ende Juli gestartet ist, sollen im Rahmen der Kampagne MOCCHA 2018 (Microbiology-Ocean-Cloud-Coupling in the Hight...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

Herausforderung China – Wissenschaftler aus der ganzen Welt diskutieren miteinander auf UW/H-Tagung

03.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltkleinster Transistor schaltet Strom mit einzelnem Atom in festem Elektrolyten

13.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Your Smartphone is Watching You: Gefährliche Sicherheitslücken in Tracker-Apps

13.08.2018 | Informationstechnologie

Was wir von Ameisen und Amöben über Koordination und Zusammenarbeit lernen können

13.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics