Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Tiere lernen schlägt das Herz anders

05.01.2004


Wenn Tiere lernen schlägt das Herz anders




In Dummerstorf nahe Rostock geht im Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) eine Gruppe Zwergziegen ihrem Tagesgeschäft nach: ruhen, fressen, kämpfen. Ab und an geht ein Tier trinken. Dazu muss es einen "Lernstand" aufsuchen. Über der Tränke flimmert ein Computermonitor. Auf dem Bildschirm sind vier einfache geometrische Figuren angeordnet, neben jeder befindet sich ein Druckschalter, der mit einem Nasenstups ausgelöst werden kann. Um eine Portion Wasser zu erhalten, muss die Ziege lernen, den Schalter für das richtige Symbol zu drücken. Nach jedem Versuch ändert sich die Anordnung der Zeichen auf dem Monitor und die Ziege kann erneut wählen. Der Brustgurt, den die Ziege trägt hat währenddessen ihren Herzschlag aufgezeichnet.

... mehr zu:
»FBN »Herzfrequenz »Lernverhalten »Stress »Ziege


Im Forschungsbereich Verhaltensphysiologie des FBN in Dummerstorf wird untersucht, wie gut Zwergziegen es lernen können, optische Muster zu unterscheiden. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie Nutztiere am besten mit der steigenden Automatisierung ihrer Haltungsumwelten zurecht kommen; unaufhaltsam sind in unseren Ställen Melkroboter und Futterautomaten auf dem Vormarsch. Von besonderem Interesse ist dabei, wie schnell Tiere neue Reizkombinationen erlernen, wie flexibel ihr Lernverhalten ist und wie sicher einmal Gelerntes auch unter veränderten Haltungsbedingungen angewendet werden kann.

Um herauszufinden, ob Lernen Stress für die Tiere bedeutet und wie sie langfristig mit diesem Stress umgehen, misst der Biologe Dr. Jan Langbein nicht nur die Herzfrequenz seiner Schützlinge, sondern auch die Abstände aufeinanderfolgender Herzschläge, die sogenannte Herzratenvariabilität. "Während die Herzfrequenz Stress eher unspezifisch abbildet, kann man anhand von Änderungen der Herzratenvariabilität genauer auf den Aktivierungsgrad der beiden Zweige des autonomen Nervensystems schließen", erklärt er. "Wir haben herausgefunden, dass die gleichzeitige Analyse beider Parameter einander ergänzende Rückschlüsse hinsichtlich der Belastung der Tiere in den Lernversuchen zulässt."

Ergebnisse der Dummerstorfer Forscher zeigen, dass die Tiere unterschiedliche Figuren sehr gut unterscheiden können und schnell auf neue Muster umlernen. Allerdings führen neue Lernaufgaben anfangs sowohl zu geringem Erfolg als auch zu spezifischen Änderungen der Herzschlagaktivität, die auf eine gewisse Frustration der Tiere hindeuten. Kennen die Ziegen die Art von Lernaufgabe bereits, dann zeigen sie von Beginn an intensives Lernverhalten und besonders bei hohem Erfolg am Ende der Versuche Anzeichen von Entspannung. Die Dummerstorfer Ergebnisse weisen darauf hin, dass die erfolgreiche Bewältigung kognitiver Herausforderungen und damit die aktive Kontrolle ihrer Haltungsumwelt für die Tiere keine Belastung darstellt, sondern ihnen Sicherheit gibt und Langeweile reduziert.

Das FBN gehört zur Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von 80 außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär und sind von überregionaler Bedeutung. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Norbert K. Borowy | idw
Weitere Informationen:
http://fbn-dummerstorf.de

Weitere Berichte zu: FBN Herzfrequenz Lernverhalten Stress Ziege

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics