Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spielen erhöht Erkrankungsrisiko junger Schimpansen

18.06.2008
Alle drei Jahre erreicht Kindersterblichkeit ihren Höhepunkt

Jungen Schimpansen können soziale Interaktionen und Spielen offenbar leicht zum Verhängnis werden. Denn durch den engen Kontakt zu anderen Tiere verbreiten sich eingeschleppte Atemwegserkrankungen schneller und führen dazu, dass alle drei Jahre ein Höhepunkt bei der Kindersterblichkeit erreicht wird.

Das berichten Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Evolutionsanthropologie im Wissenschaftsmagazin PloS One. Das Team hatte Daten über Krankheit und Sterblichkeit von Schimpansen im Tai National Park der Elfenbeinküste ausgewertet. "Bei diesen Zyklen ist besonders faszinierend, dass sie selbst-organisiert scheinen", erklärt Hjalmar Kühl, Erstautor der Studie.

"Das heißt sie werden nicht von äußerlichen Umweltzyklen beeinflusst, sondern entstehen aufgrund der Demographie und des Sozialverhalten bei den Schimpansen." So seien die Affen in einen steten Kreislauf von Reproduktion und Erkrankung geraten.

Wenn die Affen ihre Nachkommen verlieren, vermehren sich die Weibchen innerhalb kurzer Zeit wieder. Die Leipziger Wissenschaftler vermuten, dass ein vergangener Krankheitsausbruch einen Großteil der Jungtiere getötet haben muss, sodass viele erwachsene Schimpansen sich zur gleichen Zeit fortgepflanzt haben und eine Gruppe gleichaltriger Nachkommen entstand.

Der dreijährige Zyklus resultiere aus der Entwicklung der Verspieltheit bei den Affenkindern. Während Neugeborene nicht sehr bindungsfreudig sind und die meiste Zeit bei ihrer Mutter verbringen, werden die Heranwachsenden ausgelassener. Der Höhepunkt seit mit rund zwei Jahren erreicht. Dann haben die Jungtiere im Vergleich mit anderen Gruppenmitgliedern den meisten körperlichen Kontakt. Dabei werden auch andere Tiere mit einbezogen, was eine ideale Bedingung für die Ausbreitung von Krankheiten sei.

Zwar würden die Atemwegserkrankungen, deren Auslöser stark menschlichen Atemwegsviren ähneln, die jungen Schimpansen nicht zwangsläufig töten, sie würden dadurch aber noch anfälliger für andere Krankheiten. "Die Tiere sind körperlich häufig sehr geschwächt, haben starken Husten und können im Endstadium der Krankheit häufig nicht mehr auf Bäume klettern", berichtet Forscherin Yasmin Möbius im Gespräch mit pressetext. Dadurch entsteht wiederum eine Generation kinderloser Weibchen und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Auch für den Schutz der Schimpansen würden sich daraus Konsequenzen ergeben, meinen die Forscher. "Diese vom Menschen übertragenen Atemwegserkrankungen bilden schon eine gewisse Gefahr für die Tiere, die von Ökotouristen und Forschern beobachtet werden", sagt Möbius. Zudem habe man auch in anderen Schimpansengruppe ähnliche Zusammenhänge zwischen sozialer Aktivität und Sterblichkeitsrate feststellen können. Zwar ist der Affen- und Ökotourismus eine wertvolle Einnahmequelle für Regierungen und Gemeinden. Dringt der Mensch aber zu tief in das Habitat der Affen ein, sei eine Übertragungsgefahr für Krankheiten durchaus gegeben. "Schimpansengruppen, die viele kleine Kinder haben, sollten daher überhaupt nicht in Kontakt mit Touristen kommen", fügt Möbius an. Zudem sollten stärkere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Die deutschen Primatologen verwenden deshalb selbst immer Gesichtsmasken, wenn sie sich den Affen nähern. "Ist der Kreislauf allerdings einmal eingetreten, ist seine Unterbrechung eine schwierige Aufgabe. Ein mögliches Mittel stellen aber Impfstoffe dar, die über die Muttermilch weitergegeben werden können", so Möbius abschließend.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.eva.mpg.de

Weitere Berichte zu: Atemwegserkrankung Kindersterblichkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Biological signalling processes in intelligent materials
18.07.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff
17.07.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics