Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aussichtsreicher Wirkstoff gegen Tuberkulose steht vor klinischer Erprobung

22.03.2018

Ein Verbund aus Forschern und Unternehmern kämpft gegen eine der gefährlichsten bakteriellen Infektionskrankheiten

Weltweit fordert Tuberkulose circa 1,5 Millionen Opfer pro Jahr. Sie gehört damit zu den gefährlichsten durch Bakterien ausgelösten Krankheiten. Besorgniserregend ist vor allem die zunehmende Verbreitung multiresistenter Erregerstämme. Ein Verbund aus Forschern und Unternehmern entwickelt derzeit mit öffentlicher Finanzierung ein Antibiotikum, das auch gegen resistente Stämme wirkt.


Der Chemiker, Dr. Florian Kloß, leitet die Transfergruppe Antiinfektiva.

Leibniz-Institut für Infektionsbiologie und Naturstoff-Forschung

Am 24. März 1882 verkündete Robert Koch die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers. Ihm ist es zu verdanken, dass die Krankheit sowohl diagnostizierbar als auch behandelbar wurde. Der 24. März wurde deshalb zum Welttuberkulosetag ausgerufen. Gerade heute ist es wichtig, über die gefährliche Infektionskrankheit aufzuklären, denn 136 Jahre nach Kochs Durchbruch sehen wir uns erneut einer großen Bedrohung durch Tuberkulose ausgesetzt.

Besorgniserregend sind vor allem multiresistente Erreger, gegen die kaum noch ein Therapeutikum wirkt. Über den hochfrequentierten Flugverkehr verbreiten sie sich aus armen Regionen wie Indien, Afrika oder auch Osteuropa über den gesamten Erdball.

Deutschlandweit einmaliges Projekt macht Hoffnung

Trotz steigender Infektionszahlen stagniert die Entwicklung neuer Antibiotika, da sich Pharmaunternehmen weitgehend aus diesem Sektor zurückgezogen haben. Deshalb besteht ein zunehmender Bedarf an neuen antiinfektiven Medikamenten zur Behandlung gefährlicher Infektionen wie der Tuberkulose.

Ein Team aus Wissenschaftlern und Unternehmern versucht nun, diese Lücke zu schließen: Ein Prüfmedikament eines aussichtsreichen Wirkstoffs gegen Tuberkulose mit der Bezeichnung BTZ043 steht kurz vor einer klinischen Studie, die am Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt wird. Sie soll die Verträglichkeit für den Menschen sicherstellen. Am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (HKI) wurde die Substanz entdeckt, die auch gegen hochresistente Tuberkulosestämme wirkt.

„BTZ043 greift so gezielt und effektiv in den Aufbauprozess der Zellwand des Bakteriums ein, sodass der Wirkstoff nur den Erreger bekämpft und nicht etwa wichtige Darmbakterien“, erklärt Florian Kloß die Eigenschaften der Substanz. Der Chemiker leitet die pharmakologischen Studien, die nur durch die gemeinsame Finanzierung aus öffentlicher und privater Hand zustande kam. Insbesondere die beiden Forschungsverbünde InfectControl 2020 und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung sowie der Freistaat Thüringen unterstützen die Wirkstoff-Entwicklung.

Kloß und seine Kollegen fordern jedoch zusätzlich das gemeinsame Engagement von Unternehmen, Wissenschaft, Politik, Ärzten und Kostenträgern. „Alle Akteure müssen gemeinschaftlich handeln, um den verantwortungsvollen Gebrauch vorhandener Antibiotika zu fördern und zugleich den Antibiotika-Markt für Unternehmen attraktiver zu gestalten“, führt der Jenaer Wissenschaftler weiter aus. Nicht nur die schlechten Gewinnaussichten für Pharmaunternehmen und ein hohes Ausfallrisiko der getesteten Moleküle hemmen die Entwicklung neuer Antibiotika. Mittlerweile besteht auch ein Mangel an Experten sowie an neuartigen Molekülstrukturen.

Die beteiligten Partner etablierten deshalb mit öffentlicher Förderung ein neues Entwicklungsmodell für Arzneimittel, das deutschlandweit seinesgleichen sucht und das beispielhaft für die Antibiotikaentwicklung der Zukunft sein könnte.

Über InfectControl 2020

Das BTZ-Projekt ist Teil des deutschlandweit agierenden Konsortiums InfectControl 2020. In diesem Forschungsverbund haben sich Wissenschaft und Wirtschaft zusammengeschlossen, um Infektionskrankheiten langfristig zu vermeiden, schneller zu erkennen und konsequent zu bekämpfen. InfectControl 2020 wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Ansprechpartner

Dr. Florian Kloß
Leiter Transfergruppe Antiinfektiva
+49 3641 5321356
florian.kloss@leibniz-hki.de

Dr. Hanna Heidel-Fischer
Strategieentwicklung InfectControl 2020
+49 3641 5321549
hanna.heidel-fischer@leibniz-hki.de

Weiterführende Informationen zum Projekt sowie Interviews zum Thema finden Sie im folgenden:
https://www.infectcontrol.de/de/anzeigen/aussichtsreicher-wirkstoff-gegen-tuberk...

Dr. Michael Ramm | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.hki-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Parasit tarnt sich durch Umstrukturierung
18.10.2018 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Was macht Graphen in der Lunge?
18.10.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nanodiamanten als Photokatalysatoren

18.10.2018 | Materialwissenschaften

Schichten aus Braunschweig auf dem Weg zum Merkur

18.10.2018 | Physik Astronomie

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics