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Wie eine historische Dachkonstruktion zukunftsfähig wird

02.11.2016

HTWK Leipzig präsentiert modernisiertes Zollingerdach auf der Denkmal-Messe in Leipzig

Mit einem maßstäblich verkleinerten Nachbau eines historischen Zollingerdaches sowie Bauaufnahmen historischer Bauwerke aus dem Großraum Leipzig präsentiert sich die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) auf der diesjährigen „denkmal“, der Europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, in Leipzig.


Erster Aufbau des modernisierten Zollinger-Bogens in der Bauversuchshalle der HTWK Leipzig.

Foto: Marius Zwigart


Durch die Brettrippenkonstruktion benötigt das Zollinger-Dach weniger Material als vergleichbare Dachkonstruktionen.

Foto: Marius Zwigart

Vom 10. bis 12. November 2016 erleben die Messebesucher, wie die speziell gefertigte Dachkonstruktion aus über 200 individuell gefertigten Einzelteilen vor Ort aufgebaut wird. Gleichzeitig kommen sie mit Professoren, jungen Forschern und Studenten zum Zukunftspotenzial historischer Konstruktionsweisen und zur Bewahrung kulturellen Erbes durch adäquate Sanierung ins Gespräch.

Einst entwickelt durch den Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger, wies das nach ihm benannte Dach bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber der herkömmlichen Bauweise zahlreiche Vorteile auf. Geringerer Materialbedarf, bessere Raumausnutzung und ein sehr einfacher Aufbau sind die wesentlichen Merkmale der lamellenartigen Holzkonstruktion.

Dennoch konnte die Bauweise sich nicht durchsetzen. Denn das Errichten der kleinteiligen Konstruktion war ausgesprochen zeitaufwendig und somit teuer. Hinzu kommt, dass die anspruchsvolle statische Berechnung des Zollingerdaches – zu Zeiten ohne Computer eine große Hürde.

Doch Wissenschaftler der HTWK Leipzig arbeiten auf eine Renaissance der Bauweise hin. „Die Vorteile des Zollingerdaches, vor allem der geringe Materialbedarf bei hoher Traglast und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs Holz, sind unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit heute wichtiger denn je“, so Alexander Stahr, Professor für Tragwerkslehre an der HTWK Leipzig.

„Wir haben deshalb mit einem interdisziplinären Team aus Bauingenieur- und Architektur-Studenten erforscht, wie die Konstruktion mit heutigen Erkenntnissen und Herstellungsverfahren verbessert und den aktuellen Anforderungen angepasst werden kann.“ Das Ergebnis überraschte. Moderne, rechnergesteuerte Maschinen zur Holzbearbeitung können das Holz millimetergenau zuschneiden. Die höhere Präzision verbessert merklich die Statik. Weiterhin können moderne Maschinen die Bauteile bereits so stapeln, dass alle Teile in der richtigen Reihenfolge sortiert sind – eine enorme Zeitersparnis beim Aufbau der Konstruktion. Stahr:

„Nachdem wir den Planungsvorgang verstanden hatten, haben wir uns entschlossen, den entwickelten Entwurf real anzufertigen. Das fertige Produkt werden wir auf der diesjährigen „denkmal“ präsentieren und zeigen, wie einfach sich die Konstruktion aufbauen lässt.“ Dank der Ausmaße von fünf Metern Länge, drei Metern Breite und zwei Metern Höhe erleben die Messebesucher am Stand der HTWK Leipzig (Halle 2, Stand I 21) ein komplettes Zollingerdach im kleinen Format. Daneben berichtet Prof. Alexander Stahr im Vortrag „ZoLinkR – Neue Chancen für ein altes Konstruktionsprinzip?“ (11.11.2016, 13.30 Uhr, denkmal-FORUM) vom Planungs- und Konstruktionsvorgang des Zollingerdaches.

Am Messestand werden außerdem Bauaufnahmen historischer Gebäude aus dem Großraum Leipzig gezeigt, darunter beispielsweise die Fahrradkirche Zöbigker. Diese 1942 abgebrannte Dorfkirche am Cospudener See soll in den nächsten Jahren wiederbelebt und saniert werden. Als Grundlage für den Wiederaufbau der stark beschädigten Ruine untersuchten Bauingenieurstudenten den Zustand der noch stehenden Gemäuer. Die Ergebnisse sind in Fotos, Plänen und Analysen ausgestellt.

Fachlich flankiert wird dieser Teil des Messestandes vom Forum Bauwerksinformation unter Leitung von Prof. Ulrich Weferling, welches am Nachmittag des 10. November im Congress Center Leipzig, Vortragsraum 11, stattfindet. In Vorträgen und Diskussionen stehen hier aktuelle Entwicklungen bei der Dokumentation historischer Bauwerke, insbesondere eine neue österreichische Norm zur Bauaufnahme, im Fokus.

Seit 2010 findet parallel zur denkmal in der gleichen Messehalle die Internationale Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik MUTEC statt. Die HTWK Leipzig präsentiert hier den Studiengang Museologie sowie den neuen Masterstudiengang Museumspädagogik (Halle 2, Stand I 22).

Weitere Informationen:

http://bauwerksinformation.htwk-leipzig.de – Mehr Informationen zum Forum Bauwerksinformation
http://www.denkmal-leipzig.de/ – denkmal 2016
http://www.mutec.de/ – MUTEC 2016

Rebecca Schweier | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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