Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geotextilien schützen Einfamilienhäuser vor Explosion

22.03.2004


Wie gefährlich Methangasentwicklungen unter der Erde sein können, hat die jüngste Grubenexplosion in einem russischen Bergwerk bei Wladiwostok im vergangenen Oktober gezeigt. Aber auch für Einfamilienhäuser kann Methangas zu einer Zeitbombe werden: Dringt das Gas in ein Gebäude ein, kann es sich bei Kontakt mit offenem Feuer zu einer hochexplosiven Mischung entwickeln. Betroffen ist insbesondere das östliche Ruhrgebiet, wo Methangas konzentriert aus dem Boden strömt . Viele Städte ordnen daher Schutzmaßnahmen für die Bebauung betroffener Flächen an. Zu diesen oft aufwändigen Maßnahmen entwickelte Nicole Notacker, Absolventin der Technischen Fachhochschule Georg Agricola in Bochum, jetzt eine praktische Alternative.

... mehr zu:
»Geotextilien »Methangas

Methangas bildete sich einst unter Tage als natürliches Nebenprodukt bei der Entstehung Kohle. Es wurde in den Poren der Kohle gespeichert und entweicht von dort kontinuierlich durch Spalten, Klüfte und lockeres Gestein an die Erdoberfläche.

Der Bergbau im Ruhrgebiet hat diese natürliche Gasausströmung zusätzlich verstärkt: Beim Abbau von Kohle wurde der Boden aufgelockert. Als Folge strömt das Methangas in den Bergbaugebieten stärker und teilweise kanalisiert aus. Betroffen sind insbesondere die ehemaligen Bergbauflächen im östlichen Ruhrgebiet.


Werden solche Flächen bebaut, entwickelt sich das Methangas leicht zur Zeitbombe. Denn das Gebäude wirkt wie ein Deckel, der die allmähliche Ausströmung des Gases blockiert. Als Folge sammelt sich das Methangas unter dem Gebäude, um dann konzentriert durch den Boden des Gebäudes durchzubrechen - es kommt zur Explosion.

Viele Städte ordnen daher Schutzmaßnahmen für die Bebauung Methangas beeinflusster Gebiete an. So fordert die Stadt Dortmund den Einsatz von Dränagesystemen - Schichten aus Kiesschotter von rund einem halben Meter Höhe, die das Gas so leiten, dass es ungehindert am Gebäude vorbei entweichen kann.

Trotz des guten Schutzes hat diese Methode auch einige Nachteile. Denn sie ist sehr aufwändig und mit hohen Kosten verbunden. Um den Schotter in die Baugrube einzufüllen, muss zuvor Boden ausgehoben und entsorgt werden. Hinzu kommt der hohe logistische Aufwand durch den Antransport des Schotters.

Als Alternative überprüfte Nicole Notacker den Einsatz so genannter Geotextilien - wenige Zentimeter dicke Matten, die genauso sicher sind, aber einige Vorteile aufweisen. Denn um eine hundert Quadratmeter große Fläche zu schützen, könnte eine einzige Lkw-Ladung mit Geotextilien hundert Tonnen Schotter ersetzen. Damit würden die Kosten für den Antransport erheblich reduziert. Auch die Aushebung und Entsorgung des Bodens entfällt. Geotextilien sind außerdem besonders haltbar. Langzeitbeanspruchungen auf Deponien zeigen, dass die Geotextilien auch nach vierzigjährigem Einsatz keine Verwitterungsanzeichen aufweisen.

Eine abschließende Überprüfung der Wirtschaftlichkeit steht noch aus, dann könnten Geotextilien eine gute Alternative zu herkömmlichen Gasdrainagen aus Schotter bilden.

Kontakt:
Technische Fachhochschule Georg Agricola
Herner Str. 45, 44787 Bochum
Telefon (0234) 968-3334, Fax -3359

Merle Hettesheimer | idw

Weitere Berichte zu: Geotextilien Methangas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Ein Haus wird zum Internetstar
17.07.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg
16.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics