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Wege zu neuen Stadtlandschaften

05.07.2002


Neues Forschungsprogramm zur Regionalplanung in dem Ladenburger Kolleg "Lebensperspektiven in der Zwischenstadt" - ein Förderschwerpunkt der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung.

Allen Appellen für ein Ende der Stadtflucht zum Trotz: Der Trend ins Umland der großen Städte hält unvermindert an. In den letzten fünfzig Jahren haben sich Wohnsiedlungen, Handelszentren und Industriegebiete, aber auch Freizeitanlagen in ungeordneten Flickenteppichen um Städte wie Hamburg, München oder Frankfurt am Main gelegt. Etwa 70 Prozent der deutschen Bevölkerung lebt mittlerweile in derartigen verstädterten Landschaften, die man auch als verlandschaftete Städte verstehen kann. Bei den Bewohnern durchaus beliebt, stehen sie unter harter Kritik der Stadtplaner: Flächenfraß, Zersiedelung und Hässlichkeit sind die häufigsten Vorwürfe.

Die ehemaligen Vororte haben sich von den Kernstädten emanzipiert und stehen mit eigenen zentralen Einrichtungen und Arbeitsstätten mit ihrer "Mutterstadt" in funktionaler Wechselwirkung. Sie sind weder Städte mit "Wall und Graben" noch Dörfer im herkömmlichen Sinn. "Zwischenstadt" ist ein neuer, aber inzwischen in der Fachdiskussion gebräuchlicher Begriff für diese verstädterte Landschaft. Geprägt hat ihn der Architekt Thomas Sieverts, zwischen 1971 und 1999 Professor für Städtebau an der Technischen Universität Darmstadt. Er leitet jetzt eine neu gebildete Forschungsgruppe, die sich in einem Ladenburger Kolleg mit dem Leben und den Lebensperspektiven in der Zwischenstadt auseinandersetzt. Das Kolleg ist ein Förderschwerpunkt der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung.

Ziel des Ladenburger Kollegs "Lebensperspektiven in der Zwischenstadt" ist, Grundlagen für eine gestaltende Regionalplanung zu erarbeiten. In dem dreijährigen Forschungsprogramm werden theoretische Fragen, empirische Untersuchungen und gezeichnete Modelle in der Rhein-Main-Region miteinander verzahnt. Städteplaner und Architekten, Landschaftsökologen und Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen und Kulturwissenschaftler arbeiten in dem Kolleg zusammen.

"Das Kolleg beschäftigt sich auch mit den von der Planung bisher nur geringfügig beeinflussbaren, in der Gesellschaft aber tief verankerten Kräfte, die zu diesem Stadtstrukturtyp geführt haben und strebt eine realistische Sicht der ’Zwischenstadt’ an", so der Kollegleiter Thomas Sieverts. Ungeachtet ihrer Mängel sollen die besonderen Qualitäten untersucht werden, die die Zwischenstadt für Bewohner und Unternehmen so attraktiv machen. Auf diese Weise lassen sich Möglichkeiten zur Verbesserung der Stadt- und Regionalstruktur erkunden. Hierin sieht das Kolleg eine der großen Aufgaben des Städtebaus des 21. Jahrhunderts.

Methodisch wird das Kolleg praxisbezogene Wege gehen, die bisher in der Stadtforschung unüblich waren: Forschungsprojekte untersuchen die ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ausgangs- und Rahmenbedingungen der neuen Städte. Eine besondere Rolle hierbei spielt der Vergleich mit der Entwicklung in anderen europäischen Ländern und den USA. Diese theoretischen Arbeiten werden eng verbunden mit Interviews mit Bewohnern, Unternehmern und Arbeitnehmern im Rhein-Main-Gebiet sowie mit Modellen für typische Problemgebiete. Die Arbeiten sollen in einen gemeinsamen Entwurf für neue Leitlinien der Raum- und Regionalplanung münden. Der Entwurf und die wissenschaftliche Reflektion werden sich sowohl auf die bebauten Siedlungsflächen und die Infrastruktur als auch auf Landwirtschaft und Wälder beziehen. Eine Gruppe von Praktikern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft wird das Forschungs- und Entwicklungsprojekt kritisch begleiten.

Für das Kolleg stellt die Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung ein Gesamtbudget von circa 800.000 EUR bereit. Das Büro für die Untersuchung im Rhein-Main-Gebiet ist beim Planungsverband Frankfurt untergebracht: Aus dem Dialog versprechen sich beide Partner - die Mitarbeiter des Planungsverbands und die Mitglieder des Ladenburger Kollegs - gegenseitige Anregungen.

Thomas Schmitt | idw
Weitere Informationen:
http://www.daimler-benz-stiftung.de/

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