Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wir mehr aus unseren Wäldern herausholen können

22.11.2018

Die meisten europäischen Wälder dienen vor allem der Holzproduktion. Der Wald bietet aber auch Erholungsraum und speichert Kohlendioxid, aber es ist nicht klar, wie Wälder für diese vielfältigen Vorteile bewirtschaftet werden können. Eine neue Studie unter der Leitung der Universität Bern zeigt nun, was die Forstwirtschaft verbessern kann, so dass Waldflächen möglichst viele Funktionen erfüllen.

Die Holzproduktion ist in der Regel das Hauptziel der Forstwirtschaft in Europa. Deshalb bestehen unsere Wälder meist aus wenigen wirtschaftlich wertvollen Baumarten in einheitlichen Beständen, deren Bäume alle ungefähr gleich alt sind.


Buchenwald (Fagus sylvatica). Buchenwälder, gerade nicht bewirtschaftete, haben meist grosse Laubdächer und eine hohe strukturelle Heterogenität (vertikal und horizontal).

© Springer Nature, Bild: Peter Manning


Fichtenwald (Picea abies). Nadelwälder werden häufig zur Holzproduktion genutzt und haben eine niedrige strukturelle Hererogenität (vertikal und horizontal).

© Springer Nature, Bild: Peter Manning

Andere Wälder sind auf Funktionen wie Lebensraumerhaltung oder Erholungsgebiet ausgelegt. Allen diesen Wäldern ist gemeinsam: sie erfüllen ihren Hauptzweck, könnten aber noch viele andere Funktionen weit besser erledigen.

Der Wald reguliert beispielweise auch unser Klima und speichert Kohlendioxid. Bisher war unklar, welche Art der Waldbewirtschaftung am meisten unterschiedliche Vorteile erbringen würde.

Um zu sehen, wie die Forstwirtschaft verbessert werden kann, damit der Wald mehrere Ökosystemleistungen erbringt, untersuchte eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung der Universität Bern verschiedene Waldmerkmale auf 14 Ökosystemleistungen in mitteleuropäischen Wäldern.

Dem Forschungskonsortium gehören insgesamt 21 Forschungseinrichtungen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich an. Die Studie wurde in Nature Communications veröffentlicht.

Alte Bäume und viele Sträucher

Frühere Studien unter der Leitung der Universität Bern zeigen, dass es durchaus Wälder gibt, die mehrere Ökosystemleistungen gleichzeitig erbringen. Jedoch wusste man nicht, was diese Waldflächen auszeichnet.

Die neue Studie untersuchte viele verschiedene Waldattribute wie die Anzahl der Baum- und Straucharten im Wald, die Variabilität der Waldstruktur oder das Alter der Bäume.

Die Forscherinnen und Forscher identifizierten dann, welche dieser Attribute bestimmte Dienstleistungen fördern. Die Studie zeigt, dass Wälder mit alten Bäumen, vielen verschiedenen Straucharten und einer heterogenen Struktur mit Lichtungen am besten geeignet sind, um viele verschiedene – aber nicht alle möglichen – Dienstleistungen zu erbringen.

Diese Studie liefert Handlungsmöglichkeiten für die Praxis in der Forstwirtschaft und stützt die jüngsten Schritte in Richtung Förderung von multifunktionalen Wäldern. Die Hauptautorin der Studie, María Felipe-Lucia vom Institut für Pflanzenwissenschaften (IPS) der Universität Bern, sagt: «Wir konnten zeigen, dass vielfältige und alte Wälder im Allgemeinen die Besten waren. Je nachdem, welche Dienstleistungen sie fördern wollen, sollten sich Försterinnen und Förster aber auf bestimmte Waldattribute konzentrieren.»

Den «perfekten Wald» gibt es nicht

«In unserer Studie verwendeten wir einen neuen Ansatz, um zu identifizieren, welche Faktoren andere Faktoren positiv oder negativ beeinflussen und so Synergien oder Kompromisse schaffen», erklärt María Felipe-Lucia.

Eine nützliche Synergie ergebe sich beispielweise bei zunehmendem Alter der Bäume: damit erhöhe sich die CO2-Speicherung sowie auch das Potential zur Vogelbeobachtung. Einige Kompromisse zwischen den Dienstleistungen seien unvermeidlich: «Nadelwälder produzieren zum Beispiel sehr viel Holz. Dafür ist die CO2-Speicherung weniger gut und in Nadelwäldern wachsen auch weniger kulturell wertvolle Pflanzen.»

Studien-Letztautor Eric Allan vom IPS fügt hinzu: «Unsere Ergebnisse zeigen, dass man viele Dienstleistungen erreichen kann, wenn man die richtigen Waldattribute fördert. Aber es gibt keinen Waldtyp, der alle Dienstleistungen erbringen kann, die wir uns wünschen. Wir sollten daher ein Forstsystem anstreben, in dem es eine Mischung aus verschiedenen Waldlandschaften gibt, die unterschiedliche Eigenschaften haben.»

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Eric Allan (Englisch)
Institut für Pflanzenwissenschaften, Universität Bern
Tel. +41 31 631 49 92 / eric.allan@ips.unibe.ch

Dr. María Felipe-Lucia (Englisch)
Institut für Pflanzenwissenschaften, Universität Bern
maria.felipe@ips.unibe.ch

Originalpublikation:

Felipe-Lucia, M.R., S. Soliveres, C. Penone, P. Manning, F. van der Plas, S. Boch, D. Prati, C. Ammer, P. Schall, M.M. Gossner, J. Bauhus, F. Buscot, S. Blaser, N. Blüthgen, A. de Frutos, M. Ehbrecht, K. Frank, K. Goldmann, F. Hänsel, K. Jung, T. Kahl, T. Nauss, Y. Oelmann, R. Pena, A. Polle, S. Renner, M. Schloter, I. Schöning, M. Schrumpf, E.D. Schulze, E. Solly, E. Sorkau, B. Stempfhuber, M. Tschapka, W. Weisser, T. Wubet, M. Fischer & E. Allan. Multiple forest attributes underpin the supply of multiple ecosystem services. Nature communications, 2018. DOI: 10.1038/s41467-018-07082-4

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2018/medie...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Mikroben stärken pflanzeneigene Abwehrkräfte gegen Extremwetter
30.01.2019 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

nachricht Trickreiche Methode im Nachbarschaftsstreit: Tabakpflanzen schicken hungrige Raupen zur Konkurrenz
25.01.2019 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wasser ist homogener als gedacht

Um die bekannten Anomalien in Wasser zu erklären, gehen manche Forscher davon aus, dass Wasser auch bei Umgebungsbedingungen aus einer Mischung von zwei Phasen besteht. Neue röntgenspektroskopische Analysen an BESSY II, der ESRF und der Swiss Light Source zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Bei Raumtemperatur und normalem Druck bilden die Wassermoleküle ein fluktuierendes Netz mit durchschnittlich je 1,74 ± 2.1% Donator- und Akzeptor-Wasserstoffbrückenbindungen pro Molekül, die eine tetrahedrische Koordination zwischen nächsten Nachbarn ermöglichen.

Wasser ist das „Element“ des Lebens, die meisten biologischen Prozesse sind auf Wasser angewiesen. Dennoch gibt Wasser noch immer Rätsel auf. So dehnt es sich...

Im Focus: Licht von der Rolle – hybride OLED ermöglicht innovative funktionale Lichtoberflächen

Bislang wurden OLEDS ausschließlich als neue Beleuchtungstechnologie für den Einsatz in Leuchten und Lampen verwendet. Dabei bietet die organische Technologie viel mehr: Als Lichtoberfläche, die sich mit den unterschiedlichsten Materialien kombinieren lässt, kann sie Funktionalität und Design unzähliger Produkte verändern und revolutionieren. Beispielhaft für die vielen Anwendungsmöglichkeiten präsentiert das Fraunhofer FEP gemeinsam mit der EMDE development of light GmbH im Rahmen des EU-Projektes PI-SCALE auf der Münchner LOPEC (19. bis 21. März 2019), erstmals in Textildesign integrierte hybride OLEDs.

Als Anbieter von Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen auf dem Gebiet der organischen Elektronik setzt sich das Fraunhofer FEP schon lange mit der...

Im Focus: Light from a roll – hybrid OLED creates innovative and functional luminous surfaces

Up to now, OLEDs have been used exclusively as a novel lighting technology for use in luminaires and lamps. However, flexible organic technology can offer much more: as an active lighting surface, it can be combined with a wide variety of materials, not just to modify but to revolutionize the functionality and design of countless existing products. To exemplify this, the Fraunhofer FEP together with the company EMDE development of light GmbH will be presenting hybrid flexible OLEDs integrated into textile designs within the EU-funded project PI-SCALE for the first time at LOPEC (March 19-21, 2019 in Munich, Germany) as examples of some of the many possible applications.

The Fraunhofer FEP, a provider of research and development services in the field of organic electronics, has long been involved in the development of...

Im Focus: Laserverfahren für funktionsintegrierte Composites

Composites vereinen gewinnbringend die Vorteile artungleicher Materialien – und schöpfen damit zum Beispiel Potentiale im Leichtbau aus. Auf der JEC World 2019 im März in Paris präsentieren die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein breites Spektrum an laserbasierten Technologien für die effiziente Herstellung und Bearbeitung von Verbundmaterialien. Einblicke zu Füge- und Trennverfahren sowie zur Oberflächenstrukturierung erhalten Besucher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL, Halle 5A/D17.

Experten des Fraunhofer ILT erforschen und entwickeln Laserprozesse für das wirtschaftliche Fügen, Schneiden, Abtragen oder Bohren von Verbundmaterialien –...

Im Focus: Grüne Spintronik: Mit Spannung Superferromagnetismus erzeugen

Ein HZB-Team hat zusammen mit internationalen Partnern an der Lichtquelle BESSY II ein neues Phänomen in Eisen-Nanokörnern auf einem ferroelektrischen Substrat beobachtet: Die magnetischen Momente der Eisenkörner richten sich superferromagnetisch aus, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Der Effekt funktioniert bei Raumtemperatur und könnte zu neuen Materialien für IT-Bauelemente und Datenspeicher führen, die weniger Energie verbrauchen.

In heutigen Datenspeichern müssen magnetische Domänen mit Hilfe eines externen Magnetfeld umgeschaltet werden, welches durch elektrischen Strom erzeugt wird....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LastMileLogistics Conference in Frankfurt befasst sich mit Lieferkonzepten für Ballungsräume

19.02.2019 | Veranstaltungen

Bildung digital und multikulturell: Große Fachtagung GEBF findet an der Uni Köln statt

18.02.2019 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Thema Desinformation in Online-Medien

15.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Salzprinz“ CC1 hat wichtige Funktion in Pflanzen, auch für die Alzheimer Forschung interessant?

20.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wasser ist homogener als gedacht

20.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Von mobilen Reinräumen und personalisierten Strandschuhen

20.02.2019 | HANNOVER MESSE

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics