Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentechnik erhöht Erträge und Lebensstandard von Kleinbauern

03.07.2012
Forscher der Universität Göttingen belegen positive Auswirkungen des Anbaus von Genpflanzen

In einer Langzeitstudie hat der Göttinger Agrarökonom Prof. Dr. Matin Qaim mit seinem Team die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte von Gentechnik in Entwicklungsländern untersucht. Die Wissenschaftler der Universität Göttingen haben dabei unter anderem erforscht, welche Effekte der Anbau von gentechnisch veränderter Baumwolle (sogenannter Bt-Baumwolle) in Indien auf die lokale ländliche Bevölkerung hat.

In Indien wird Baumwolle überwiegend von Kleinbauern auf Flächen von weniger als zwei Hektar angebaut. Die Bt-Technologie macht die Pflanze resistent gegen bestimmte Schadinsekten. Die Göttinger Wissenschaftler fanden heraus, dass die Technologie den Kleinbauern erheblich nützt und sich positiv auf deren Erträge und Einkommen auswirkt. Die Ergebnisse der Studie wurden in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Anders als frühere Studien zum Thema, die fast alle auf nur ein- oder zweijährigen Daten beruhten, wurden von Prof. Qaims Team repräsentative Daten von indischen Bauern über einen Zeitraum von sieben Jahren erhoben und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Bt-Baumwolle den Einsatz chemischer Insektizide deutlich reduziert hat. Außerdem sind die Erträge im Vergleich zu konventioneller Baumwolle um durchschnittlich 24 Prozent höher. Trotz des teureren Saatguts erzielen die Baumwollbauern mit der Bt-Technologie um 50 Prozent höhere Gewinne.
„Anders als vielfach vermutet sind diese Vorteile im Zeitablauf sogar tendenziell weiter angestiegen“, sagt Jonas Kathage, Erstautor der Studie. „Befürchtungen von Kritikern, die Gentechnik würde eine zunehmende Ausbeutung der Bauern durch Großkonzerne zur Folge haben, können wir mit unseren langjährigen und umfangreichen Daten widerlegen.“ Im Verlauf der Studie sind zahlreiche neue und weiter verbesserte Bt-Sorten auf den Markt gebracht worden, die auf unterschiedliche Bedingungen zugeschnitten sind. „Resistenzen gegen die Bt-Technologie in Schädlingspopulationen sind in Indien bisher nicht nennenswert aufgetreten“, so Kathage.

Die Bt-Technologie hat für die Kleinbauernhaushalte auch zu einer Erhöhung des Lebensstandards beigetragen. Hierfür wurden von den Göttinger Wissenschaftlern umfangreiche Konsumdaten ausgewertet. Inzwischen sind laut Studie über sieben Millionen Kleinbauern in Indien auf die neue Technologie umgestiegen. Bt-Sorten wurden 2011 auf rund 90 Prozent der gesamten indischen Baumwollfläche angebaut. „Diese Ergebnisse sind nicht ohne weiteres auf andere gentechnisch veränderte Pflanzen und Länder übertragbar“, sagt Prof. Qaim, Leiter der Studie vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung. „Trotzdem unterstreichen sie die großen Potenziale der Gentechnik für nachhaltige ländliche Entwicklung. Die meisten Vorurteile gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft haben sich bisher nicht bestätigt.“

Originalveröffentlichung: Kathage, J., Qaim, M. (2012): Economic impacts and impact dynamics of Bt (Bacillus thuringiensis) cotton in India. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). Doi: 10.1073/pnas.1203647109 (published online)

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Matin Qaim
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-4806
E-Mail: mqaim@uni-goettingen.de

Thomas Richter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/42360.html
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4225

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Algorithmen und Sensoren für eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft
22.01.2020 | Technische Universität München

nachricht Gene gegen die Trockenheit
06.12.2019 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnellster hochpräziser 3D-Drucker

3D-Drucker, die im Millimeterbereich und größer drucken, finden derzeit Eingang in die unterschiedlichsten industriellen Produktionsprozesse. Viele Anwendungen benötigen jedoch einen präzisen Druck im Mikrometermaßstab und eine deutlich höhere Druckgeschwindigkeit. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein System entwickelt, mit dem sich in bisher noch nicht erreichter Geschwindigkeit hochpräzise, zentimetergroße Objekte mit submikrometergroßen Details drucken lassen. Dieses System präsentieren sie in einem Sonderband der Zeitschrift Advanced Functional Materials. (DOI: 10.1002/adfm.201907795).

Um nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Zuverlässigkeit ihres Aufbaus zu demonstrieren, haben die Forscherinnen und Forscher eine 60 Kubikmillimeter...

Im Focus: Wie man ein Bild von einem Lichtpuls macht

Um die Form von Lichtpulsen zu messen, brauchte man bisher komplizierte Messanlagen. Ein Team von MPI Garching, LMU München und TU Wien schafft das nun viel einfacher.

Mit modernen Lasern lassen sich heute extrem kurze Lichtpulse erzeugen, mit denen man dann Materialien untersuchen oder sogar medizinische Diagnosen erstellen...

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lichtgetriebene Nanomotoren - Erfolgreich gekoppelt

28.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Warum Gesunde für Kranke so wichtig sind! – Vergleichsstudie geht Fibromyalgie-Syndrom auf den Grund

28.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kiss and Run: Wie Zellen ihre Bestandteile trennen und recyceln

28.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics