Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wertstoffe aus Hüttenhalden reduzieren Rohstoffimporte

27.03.2013
Hüttenhalden bergen wichtige Rohstoffe wie Metalle und Mineralien, die oft noch ungenutzt sind. Der Grund: Es fehlen umfassende Daten über die genauen Wertstoffpotenziale der Halden. Um diese Lücken zu schließen, koordiniert Fraunhofer UMSICHT das Forschungsprojekt »REStrateGIS«. Ziel ist es, ein multiskalares Ressourcenkatasters für Hüttenhalden zu entwickeln.

Deutschland ist in hohem Maße von Rohstoffimporten insbesondere für Hochtechnologieprodukte abhängig. Dabei gibt es noch viele nicht genutzte anthropogene Lagerstätten für Metalle und Mineralien. Hierzu gehören Hüttenhalden für Reststoffe wie Stäube, Schlämme, nicht verwertete Schlacken und anderen Hüttenschutt aus der Roheisen- und Stahlerzeugung. Diese werden viel zu selten genutzt, weil erstens Datengrundlagen über die konkret enthaltenen Wertstoffpotenziale fehlen. Zweitens sind neue Konzepte zur Rückgewinnung der Wertstoffe notwendig.

Hier setzt das Verbundprojekt »REStrateGIS«, gefördert im BMBF-Programm »r³: Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Strategische Metalle und Mineralien«, an. Die Arbeiten werden über drei Jahre in einem inter- und transdisziplinären Ansatz von vier Partnern (Universität Halle-Wittenberg, EFTAS GmbH, FEhS e.V. und UMSICHT) durchgeführt und von einem Project Advisory Board (PAB) – bestehend aus Vertretern von Industrie, Politik, Wissenschaft und Verbänden - begleitet.

Halden mittels Fernerkundungsdaten detektieren

Um die Datenlücken über Wertstoffpotenziale in Halden durch das multiskalare Kataster zu schließen, sichtet das Team Archivdaten, wendet Methoden der Fernerkundung und innovative Labormethoden prototypisch an. Außerdem werden basierend auf chemischen und pyrometallurgischen Laborversuchen Konzepte zur Rückgewinnung von Wertstoffen entwickelt, die dann in Kombination mit einer Hemmnisanalyse in Verwertungsstrategien einfließen.

Das multiskalare Kataster bildet drei räumliche Ebenen ab. Die räumliche und inhaltliche Auflösung und Detailtiefe steigt von Ebene zu Ebene. Die oberste Ebene umfasst die Konzeption und Entwicklung eines deutschlandweiten Übersichtskatasters, das online zur Verfügung gestellt wird. In dem Kataster werden Daten aus unterschiedlichen Quellen über existierende Halden in Deutschland überblicksartig dargestellt. Das Kataster besitzt eine räumliche Komponente – die Halden werden als Objekte in einer interaktiven Kartenanwendung präsentiert.

Neue Verfahren zur Wertstoffrückgewinnung

Neben der Recherche in behördlichen Archiven zählt auch die Fernerkundung zum Mittel der Wahl. Hier wird, angewendet in zwei Testregionen, eine Methodik entwickelt, um Halden mittels Fernerkundungsdaten zu detektieren. Auf der zweiten Ebene wird die Auflösung erhöht. In einer Region mit hoher Haldendichte werden Informationen zur Lage, Größe und Herkunftsbereiche der abgelagerten Materialen in einem Geoinformationssystem (GIS) modelliert. Die dritte Ebene mit der höchsten räumlichen Auflösung beschreibt einen Haldenkörper im Detail. Hierzu wird in einem GIS ein dreidimensionales Abbild der Halde erstellt.

Weiterhin untersuchen die Forscher das abgelagerte Material der Halde. Zu diesen Untersuchungen gehören neben Laboranalysen auch Methoden der terrestrischen Reflexionsspektrometrie. Abgerundet werden die Untersuchungen durch eine flugzeuggestützte Hyperspektralbefliegung. Die Ergebnisse der Untersuchungen und Befliegung werden mit dem 3D-Modell der Halde im GIS verknüpft. Die erfassten Daten und abgeleiteten Informationen stellen die Grundlage für die Entwicklung von Verfahren zur Wertstoffrückgewinnung dar.

Iris Kumpmann | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ressourcenkataster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Staubarmes Recycling wertvoller Rohstoffe aus Elektronikschrott
16.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mikrostrukturen mit dem Laser ätzen
25.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops