Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fitnesstraining für die Produktion - Kostensenken durch Ressourceneffizienz

03.08.2007
Wie können neue variantenreiche Produkte auf den vorhandenen Anlagen möglichst kostengünstig produziert werden? Vor dem Hintergrund volatiler Märkte, wechselnder Kundenbedürfnisse und kurzer Innovationszyklen ist dies eine Frage, die viele Unternehmen beschäftigt.

Ein neues Regelungsinstrument, das am Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Universität Stuttgart entwickelt wurde, bringt Einsparungen um etwa 40 Prozent.

Kostengünstig produzieren trotz hoher Produktvarianz: Wissenschaftler des Instituts für Industrielle Fertigung (IFF) der Universität Stuttgart haben sich dieses Problems angenommen. Mithilfe eines Reglers soll das Produktionssystem trotz unterschiedlicher Aufträge, Bauteile oder Durchlaufzeiten immer am optimalen Betriebspunkt gefahren werden können. Ressourceneffizienz ist hier das Stichwort. Ein standardisierter Prozess wertet Daten der Produktionsplanung und der Nachkalkulation aus. Hier gehen Aufträge, Lieferzeiten aber auch Wartungszeiten und Personalpläne ein -- kurz alles was an der Produktion beteiligt ist oder sie beeinflusst. Dabei nimmt der Regler das gegenwärtige Produktionssystem als Basis, anhand der er verschiedene Verbesserungsmaßnahmen wie z.B. Neuinvestitionen, Umrüstungen oder Personalveränderungen simuliert.

Mit der Simulation bewertet der Regler verschiedene Szenarien und wählt das für das Gesamtsystem ressourceneffizienteste und damit kostengünstigste aus. Nachdem die ausgewählten Maßnahmen umgesetzt sind, geht das geänderte Produktionssystem wieder als Basis für neue Simulationen in den Regler ein. Damit ist gewährleistet, dass kontinuierlich überprüft wird, ob das System noch auf wirtschaftlichstem Niveau arbeitet. Denn schon kleine Änderungen - wie z.B. eine Erhöhung der Stückzahlen eines Produktes - können zur Verschiebung des optimalen Betriebspunkt führen.

Notwendige Vorrausetzung für das Funktionieren des Reglers ist es, immer das Gesamtsystem zu betrachten. "Viele Optimierungsmaßnahmen zielen auf die Verbesserung eines Teilsystems, also z.B. einer Anlage oder eines Fertigungs-schrittes. Es nützt jedoch gesamtwirtschaftlich nichts, an einer Stelle kürzere Durchlaufzeiten zu erzielen, wenn die zügige Weiterverarbeitung nicht gewährleistet ist oder andere Produkte deshalb warten müssen", kritisiert Dr. Jörg Niemann, Gruppenleiter am IFF, die bisher gängigen Verfahren. Nur wenn alle Anlagen, Fertigungsschritte und Aufträge im Ganzen berücksichtigt werden, kann die effizienteste Ressourcennutzung für das Gesamtsystem gefunden werden.

Dieser Ansatz der synchronisierten Produktion bringt viele Vorteile. Auch bei zahlreichen Produktvarianten und veränderlichen Kundenwünschen wird die Produktion schnell und kostengünstig angepasst, um den wechselnden Anforde-rungen gerecht zu werden. Kostenintensive Neuinvestitionen oder Lieferverzögerungen aufgrund mangelnder Ressourcenauslastung oder zu hoher Durchlaufzeiten gehören damit der Vergangenheit an.

"Der Regler ist auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen sofort ein-setzbar, da er Daten aus der inzwischen gängigen digitalen Planung integriert. Damit führt er den Gedanken der Digitalen Fabrik konsequent fort, bestätigt Prof. Engelbert Westkämper, Leiter des IFF und des Fraunhofer IPA. Auf diese Weise kann auch bei kurzlebigen Produkten die Lebensdauer einer Fabrik erheblich verlängert werden. Der größte Vorteil liegt allerdings in der Kostensenkung: Bei den bisherigen Anwendungen des Reglers kam es zu Einsparungen von rund 40 Prozent.

Kontakt, Bilder und weitere Infos::
Dipl.-Wirt. Ing. Jörg Niemann
Tel: +49 (711) 970-1165; Fax: +49 (711) 970-1220; Mail: jon@iff.uni-stuttgart.de
Publikation:
Niemann, Jörg: Eine Methodik zum dynamischen Life Cycle Controlling von Produktionssystemen. Heimsheim: Jost Jetter Verlag, 2007.

ISBN(10) 3-939890-13-8

Hubert Grosser | idw
Weitere Informationen:
http://www.iff.uni-stuttgart.de/forschung/fabrikbetrieb/lifecyclecontrolling/
http://www.iff.uni-stuttgart.de/forschung/fabrikbetrieb/lifecyclecosting/
http://www.iff.uni-stuttgart.de/forschung/fabrikbetrieb/produktlcm/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Projekt CeGlaFlex: Hauchdünne, bruchsichere und biegsame Keramik und Gläser
24.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Löschbare Tinte für den 3-D-Druck
24.04.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie

Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser

27.04.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie