Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flaschen füllen nach dem Fledermausprinzip

26.03.2002


Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT zeigen vom 15. bis 20. April auf der Hannover Messe eine neue Methode zur Füllstandsmessung in Abfüllanlagen. Die Messung erfolgt berührungsfrei per Ultraschall und ist deshalb besonders hygienisch. Erstmals lassen sich damit auch kohlensäurehaltige Flüssigkeiten exakt abfüllen.

Bis heute ist das philosophische Problem, ob ein Glas halbvoll oder halbleer ist, nicht endgültig entschieden. Wissenschaftler und Techniker dagegen finden es schier unmöglich, sich mit ungelösten Fragen zufrieden zu geben. Sie wollen ganz genau wissen, wie voll, halbleer oder halbvoll der Behälter denn nun wirklich ist. Speziell für diesen Zweck wurden deshalb eine ganze Reihe von verschiedenen Methoden zur Füllstandsmessung entwickelt. Sie sind vor allem dann gefragt, wenn keine Zeit für lange Diskussionen bleibt - zum Beispiel in den vollautomatischen Abfüllanlagen der Getränkeindustrie. Auf der Hannover Messe vom 15. bis 20. April zeigen Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, wie man Füllzustände in großem Stil berührungslos und auf den Millimeter messen kann: mit dem Prinzip Fledermaus.

Fledermäuse stoßen zu ihrer räumlichen Orientierung für uns nicht hörbare Schreie aus, die von der Umgebung reflektiert werden. Je näher ein Baum oder eine Wand ist, desto schneller kommt das Signal zum Sender - der Fledermaus - zurück. Auch Wale nutzen das Echolotprinzip, um sich im Wasser fortzubewegen. Moderne Fangschiffe bedienen sich heute dieser Technik, um Fischschwärme zu orten, Autos, um beim Einparken nicht anzuecken.

Nun haben Wissenschaftler die Tricks der Natur auch für die Getränkeindustrie nutzbar gemacht. »Hier müssen in einer Schicht Tausende von Flaschen befüllt werden«, weiß Marc Schmieger, Projektleiter am IBMT. »Da bleiben für eine gerade mal ein paar Sekunden Zeit.« Bisher messen die Techniker meist mit optischen oder akustischen Methoden, wieviel Flüssigkeit in eine Flasche gehört. Je nach Beschaffenheit des Behältnisses sind dabei unterschiedliche Füllstandshöhen möglich. Für einen Abfüllanlagenhersteller haben die Wissenschaftler in St. Ingbert nun eine neue Messmethode entwickelt, mit der die Füllstandshöhe in den Flaschen nach dem Fledermausprinzip per Ultraschall auf den Millimeter genau eingestellt werden kann. »Wir schicken beim Abfüllen ein Ultraschallsignal jenseits des hörbaren Bereichs in die leeren Behälter. Das Mess-Signal tritt dabei von oben in die Flasche ein, geht bis zum Boden und wird von hier wieder zurück zum Messgerät reflektiert. Die Flüssigkeitszufuhr wird sofort gestoppt, wenn die Echozeit einen bestimmten Wert erreicht hat«, erklärt Schmieger das neue Prinzip. Und er stellt auch gleich die Vorzüge des Ultraschallverfahrens heraus: Die Messung erfolgt berührungsfrei und ist deshalb besonders hygienisch. Und sie kann erstmals auch dann in Abfüllanlagen benutzt werden, wenn kohlensäurehaltige Flüssigkeiten in Flaschen gefüllt werden müssen. Denn bisher konnte Bier, Limo, Mineralwasser oder Cola im großen Stil mit dem Ultraschallverfahren nicht exakt dosiert werden. Der Grund: Die Kohlensäure setzt Kohlendioxid frei. Das Gas dämpft den Schall ähnlich wie Nebel weit stärker als Luft und verfälscht das Ergebnis. Die Forscher aus St. Ingbert haben jetzt eine Methode

gefunden, auch kohlensäurehaltige Getränke in großen Anlagen mit dem Prinzip Fledermaus in Flaschen abzufüllen. Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil: Die neue Technik arbeitet so genau, dass die Füllstandshöhe in den Flaschen maximal um einen Millimeter variiert.

Bevor nun Abfüllanlagen serienmäßig mit dem Ultraschallverfahren ausgestattet werden, testen die Wissenschaftler die neue Technik zunächst mit einem Demonstrator. Schon in wenigen Monaten - so der IBMT-Experte, wird der Hersteller das Fledermausprinzip in einer neuen Anlage einsetzen können.

Auf der Hannover-Messe können Sie den Demonstrator in Halle 17, Stand F14 bei der Arbeit beobachten.

Dipl.-Ing. Marc Schmieger | Presseinformation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Staubarmes Recycling wertvoller Rohstoffe aus Elektronikschrott
16.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mikrostrukturen mit dem Laser ätzen
25.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops