Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorgebackene Aluminiumsoufflés

09.09.2004


© Fraunhofer IFAM - Mit bis zu einem Zehntel der Dichte von kompaktem Aluminium könnten die geschlossenporigen Hohlkugeln locker auf Milch schwimmen. Ein Beispiel für daraus gefertigte Leichtbauteile ist die mehrlagige Sandwich-Struktur.



Geschäumte Metalle sind im Leichtbau ein wachsender Trend. Doch gelingen "Backwaren" dieser Art nicht ohne weiteres. Selbst unerfahrene Metallbäcker erhalten dank einer neuen, zweistufigen Technologie mit vorgeschäumten Metallkugeln bessere Produkte.


Die Kunst, ein möglichst luftiges Soufflé zuzubereiten, besteht unter anderem darin, die richtige Ofentemperatur zu wählen. Ist sie zu hoch, verfestigt sich das Eiweiß zu schnell - das schaumige Gebilde wird nicht ordentlich aufgeblasen (französisch: soufflé). Ist sie zu niedrig, dehnen sich die eingeschlagenen Luftbläschen nicht genügend aus und das Eiweiß gerinnt zu langsam. Der schlimmste Fall tritt jedoch ein, wenn das zarte Dessert in sich zusammenfällt. Mit verwandten Phänomenen müssen sich auch Metallschäumer herumschlagen. Sie setzen Metallpulvern zunächst ein bestimmtes Quantum Treibmittel zu. Ähnlich wie Backpulver spalten diese oberhalb der Zersetzungstemperatur Gase ab - das schmelzende Metall schäumt auf. Wird die Temperatur zu lange über dem Schmelzpunkt des Metalls gehalten, vereinigen sich die Blasen allmählich und das Gas entweicht.

"Wie in der haute cuisine bedarf es einiger Erfahrung, um Metallschäume mit der gewünschten Porenstruktur zu fertigen", weiß Karsten Stöbener von der Abteilung Leichtbaustruktur des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen. "Mit unserer APM-Technologie bieten wir Bauteilherstellern einfach und flexibel handhabbare Schäume der zweiten Generation - wenn man so will: vorgefertigte Rohlinge für Metallsoufflés!" Dank der Advanced Pore Morphology müssen Anwender viele Schwierigkeiten der hohen Kunst nicht mehr fürchten; sie verwenden nun die in einer ersten Stufe unter optimalen Bedingungen vorgeschäumten kugeligen Granulate mit Durchmessern von typischerweise zwei bis zwanzig Millimetern. Beschichtet sind sie je nach Anwendungsfall mit einem Kleber oder Lot.


Der Kunde befüllt seine hohlen Bauteile mit den Kugeln und lässt sie bei niedriger Temperatur durch einen Ofen laufen. Am Ende der zweiten Stufe sind die Kugeln fest verbacken. "Solche einfachen Fügeoperationen am laufenden Band sind in der Industrie etabliert", betont Stöbener. "Für den Anwender ergeben sich weitere Vorteile - etwa den, alle automatischen Prozesse, die mit Schüttgütern arbeiten, weiterhin einsetzen zu können. Kostengünstige Aluminiumgranulate können wir bereits säckeweise liefern." Bauteilhersteller, die auch die erste Stufe selbst durchführen möchten, können auf das Know-how der Forscher zählen. Dies gilt ebenso für Details, die etwa beim Bau eines Stoßabsorbers erforderlich sind. Eine Gelegenheit für Kontakte besteht auf der "Aluminium" in Halle 4. Die weltweit bedeutendste Messe für das Leichtmetall findet vom 22. bis 24. September in Essen statt.

Dipl.-Ing. Karsten Stöbener
Telefon: 04 21 / 22 46-1 17
Fax: 04 21 / 22 46-3 00
sk@ifam.fraunhofer.de

Dipl.-Phys. Joachim Baumeister
Telefon: 04 21 / 22 46-1 81
bt@ifam.fraunhofer.de

Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM
Bereich Formgebung und Funktionswerkstoffe
Wiener Straße 12
28359 Bremen

Beate Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifam.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Fertigungstechnik Materialforschung Metall Temperatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Staubarmes Recycling wertvoller Rohstoffe aus Elektronikschrott
16.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mikrostrukturen mit dem Laser ätzen
25.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie