Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bierbrauen ohne Rückstände

04.09.2002


Ein Verfahren, um Braurückstände vollständig recyceln zu können, entwickelte die österreichische Montanuniversität Leoben zusammen mit der Puntigamer und Gösser Brauerei. Das rückstandslose und energiesparende Bierbrauen stößt bereits auf internationales Interesse.

Mit einem innovativen Verfahren konnte das Institut für Verfahrenstechnik des Industriellen Umweltschutzes an der österreichischen Montanuniversität Leoben das Bierbrauen in Göss in einen rückstandslosen Produktionsprozess verwandeln und damit sogar die Hälfte des Erdgas-Bedarfes einsparen.

Beim Herstellen von Bier fallen sogenannte Biertreber, bislang nicht weiter verwertbare Rückstände, im Ausmaß von 10 Dekagramm pro Krügerl Bier an. Wegen des hohen Eiweißgehaltes konnten es die Brauereien zum Teil als pflanzliches Rinderfutter an Bauern verkaufen. Die Rinderbestand geht jedoch zurück - und damit der Bedarf nach diesem "Futter". Deponieren ist daher die einzige Alternative. Nach der ab dem Jahr 2004 in Österreich geltenden Deponieverordnung müssten Biertreber jedoch als Sondermüll endgelagert werden. Für die Gösser Brauerei würde das Kosten von ungefähr 10 Prozent der Produktionskosten verursachen.

Die Brauerei wandte sich daher mit diesem Problem an die Montanuniversität Leoben mit dem Ziel, Biertreber zu marktfähigen Produkten zu machen oder intern weiter zu verwerten. "Eine Verbrennung der Biertreber", so Institutsvorstand Prof. Dr. Werner Kepplinger, "war aufgrund des hohen Wassergehaltes von 80 Prozent nicht möglich". So hatten die Wissenschaftler des Institutes für Verfahrenstechnik die Idee, eine mechanische Vortrocknung durchzuführen. Mithilfe einer modifizierten Siebband-Presse gelang die Reduktion des Wasseranteils auf unter 60 Prozent und damit auf jenen Wert, der das Verbrennen ermöglicht.

Energiegewinn durch thermische Verwertung

Die Gösser Brauerei errichtet zur Zeit eine Pilot-Analge, die Ende dieses Jahres in Betrieb gehen soll. "Damit kann in dieser Brauerei", prognostiziert Kepplinger, "mehr als die Hälfte des Erdgas-Verbrauches für die Dampferzeugung eingespart werden". Die Anlage werde sich daher in drei bis vier Jahren amortisiert haben. Sogar die Verbrennungsrückstande können, da sie einen hohen Phosphatgehalt aufweisen, als Beimengung für Dünger verwendet werden. "Mit dieser Anlage erreichen wir", so Verfahrenstechniker Kepplinger, "eine hundertprozentige Wiederverwertung der Biertreber." Das neue Verfahren hat bereits internationales Echo hervorgerufen. Der Heineken-Konzern möchte diese Innovation in einer Brauerei in Afrika umsetzen. Das Institut für Verfahrenstechnik des Industriellen Umweltschutzes konnte mit diesem Verfahren ein weiteres umwelttechnisches Problem lösen.

Andere Projekte beschäftigten sich mit der Reinigung von Großöltanks, der Rauchgasentschwefelung oder der Verbesserung von Elektroschachtöfen. Auf diese Weise finanzieren Drittmittel-Einnahmen mehr als die Hälfte der 18 Institutsmitarbeiter.

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Werner Kepplinger, Institut für Verfahrenstechnik des Industriellen Umweltschutzes der Montanuniversität Leoben, Tel. 03842 46103-30, E-Mail: vtiu@unileoben.ac.at

Mag. Thomas Winkler | idw

Weitere Berichte zu: Bierbrauen Biertreber Brauerei Verfahrenstechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Umweltfreundliche Alternative zum verbotenen Hartverchromen mit Chrom(VI)
10.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Automatisierte Lackierung von Einzelstücken
01.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie