Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3D-Druck wird auch in Glas möglich

25.09.2009
Großes Potenzial für Prototypenherstellung in der Architektur

Ein Team von Ingenieuren und Künstlern am Solheim Rapid Manufacturing Laboratory der University of Washington (UW) hat ein Verfahren entwickelt, mit dem mittels eines herkömmlichen 3D-Druckers auch gläserne Objekte hergestellt werden können.

Dabei setzen sie auf eine spezielle Mischung aus Glaspulver und Bindemittel, um Glasgegenstände zu erhalten, die gebrannt werden. "Wenn nach diesem Brennprozess wirklich transparente Glasobjekte entstehen können, hätte das echtes Anwendungspotenzial", kommentiert Andrzej Grzesiak, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Generative Fertigung, im Gespräch mit pressetext. Denkbar ist der Einsatz zur schnellen Herstellung von Prototypen in der Architektur oder auch der Automobilindustrie, aber auch für künstlerische Zwecke.

Beim 3D-Druck kommt in der Regel ein Materialpulver zum Einsatz, das mit einem flüssigen Bindemittel behandelt wird, um das Material in der gewünschten Form zu halten. Das Team hatte bereits im Frühjahr ein Verfahren vorgestellt, das einen 3D-Druck mit herkömmlichem Keramikmaterial erlaubt. Darauf baut das jetzt entwickelte Glas-Druckverfahren auf. "Uns wurde klar, dass wir so ziemlich alles drucken können, wenn wir ein Material nur in Pulverform mit etwa 20 Mikrometern bringen können", meint Mark Ganter, Professor für Maschinenbau an der UW. Allerdings waren gegenüber dem Keramik-Druck deutliche Änderungen nötig, da Glaspulver Flüssigkeit kaum aufnimmt. "Wenn wir mit unserem normalen Prozess Objekte aus Glaspulver gedruckt haben, erhielten wir Gelatine-artige Teile", erklärt Grant Marchelli, UW-Doktorand und Leiter der Experimente. Daher wurde das Mischungsverhältnis von Pulver und Bindemittel so angepasst, dass beim Druckvorgang relativ feste Teile entstehen und das Material bei einem anschließenden Brennvorgang wirklich verschmilzt.

Wie die UW betont, ist Glas ein Material, das sowohl undurchsichtig als auch transparent sein kann und dessen Druck interessante Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. "3D-Druck in Glas hat gewaltiges Potenzial, die Denkweise über die Anwendungen von Glas in der Architektur zu verändern", meint Ronald Rael, Assistenzprofessor für Architektur an der University of California in Berkeley http://berkeley.edu , der mit UW-Hilfe ein eigenes 3D-Drucksystem aufgebaut hat. Er betont, dass es bisher keine sinnvolle Möglichkeit zum schnellen Prototypenbau (Rapid Prototyping) mit Glas gegeben hatte. Sofern die an der UW entwickelte Methode hält, was sie verspricht, könnte sie daher auch auf großes Interesse aus der Industrie stoßen, bestätigt Grzesiak. Wenn transparente Glasobjekte in geeigneter Größe gedruckt werden könnten, sei das beispielsweise auch für die Automobilbranche attraktiv.

Wie schon im Falle gedruckter Keramik will das Solheim Laboratory auch die Methode zum 3D-Druck in Glas frei zugänglich machen. Damit soll auch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Material gefördert werden. Abgesehen von Testformen waren die ersten an der UW gedruckten Glasobjekte Arbeiten der Kunst-Doktorandin Meghan Trainor. "Gebrannte Glasobjekte aus digitalen Modellen herzustellen gibt meinen Ideen eine sofortige materielle Permanenz, was ein Schlüsselfaktor für meine Auseinandersetzung mit digitalen Kunstformen ist", meint sie. Durch den schnellen Übergang von Idee zu Design und physischem Objekt entstehe ein fesselnder iterativer Prozess, in dem das gläserne Objekt Teil einer taktilen Feedback-Schleife wird.

Thomas Pichler | pressetext.deuschland
Weitere Informationen:
http://www.washington.edu
http://www.generativ.fraunhofer.de
http://www.berkeley.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Elektrodenmaterialien aus der Mikrowelle
18.10.2017 | Technische Universität München

nachricht Metallisches Fused Filament Fabrication - Neues Verfahren zum metallischen 3D-Druck
12.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie