Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wiederkäuer könnten entscheidend zum Klimaschutz beitragen

20.12.2013
Diskussionen über Klimaschutz konzentrieren sich meist auf Optionen zur Reduktion von CO2-Emissionen. Treibhausgasen, die bei der Haltung von Nutztieren entstehen, wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, wie ein internationales Forscherteam gezeigt hat.

Um den Klimawandel verlangsamen zu können, müssen nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch andere Treibhausgase reduziert werden, so die Wissenschaftler. Der verminderte Ausstoß von Methan und Distickstoffoxid - zwei Gase, die pro Kilogramm stärker zur Erderwärmung beitragen als CO2 - muss genauso in Betracht gezogen werden, wie die Reduktion von fossilen Brennstoffen.

Die Analyse „Ruminants, climate change, and climate policy“ („Wiederkäuer, Klimawandel und Klimapolitik“) ist heute als Kommentar in Nature Climate Change, einem renommierten Fachjournal, erschienen. William Ripple, Forscher an der Fakultät für Forstwirtschaft an der Oregon State University sowie Co-Autoren aus Schottland, Australien, den USA sowie von der Alpen-Adria Universität (Institut für Soziale Ökologie in Wien) stützen ihre Schlussfolgerungen auf den aktuellen Wissensstand über Treibhausgase, den Klimawandel sowie Nahrungsmittel- und Umweltfragen.

Sie haben eine Vielfalt von Quellen herangezogen, unter anderem die Food and Agricultural Organization, die United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) und aktuelle Fachpublikationen.

„Da sich das Klima der Erde an einem entscheidenden Wendepunkt befindet, benötigen wir mehrere Ansätze zur Abschwächung des bevorstehenden Klimawandels“, so Ripple. „Wir müssen den Einsatz von fossilen Brennstoffen deutlich reduzieren, um CO2-Emssionen zu verringern. Aber das löst nur einen Teil des Problems. Darüber hinaus müssen wir auch andere Treibhausgase als CO2 vermindern, um diese kritische klimatische Schwelle nicht zu überqueren.“

Methan ist weltweit das zweitwichtigste Treibhausgas. Ein kürzlich erschienener Bericht schätzt, dass der Methanausstoß in den USA viel höher ist als gedacht. Der größte Teil der durch menschliche Aktivitäten verursachten Methanemissionen stammt von Wiederkäuern (Rinder, Schafe, Ziegen und Büffel) sowie aus der Nutzung fossiler Brennstoffe. Folglich bestünde einer der effektivsten Wege zur Verminderung des Methanausstoßes darin, die weltweite Zahl der Wiederkäuer, insbesondere Rinder, zu verringern. Bei einer Analyse der neuesten Schätzungen der Treibhausgasemissionen in der Lebensmittelproduktion fanden die Forscher heraus, dass die Emissionen bei Rind- und Schafprodukten pro Kilogramm Lebensmittel um 19 bis 48 Mal höher sind (als bei proteinreichen pflanzlichen Lebensmitteln wie Bohnen, Getreide oder Sojaprodukten.

Wiederkäuer produzieren im Gegensatz zu nicht-wiederkäuenden Tieren wie Schweinen und Hühnern große Mengen an Methan in ihrem Verdauungstrakt. Obwohl CO2 das mengenmäßig wichtigste Treibhausgas ist, könnte man die Ursachen der globalen Erwärmung, so die Autoren, durch weniger Wiederkäuer und einen damit verbundenen geringeren Methanausstoß rascher bekämpfen als nur durch eine reine CO2-Reduktion.

Die Wissenschaftler heben außerdem hervor, dass die Haltung von Wiederkäuern global gesehen einen wachsenden Einfluss auf die Umwelt hat.
• Weltweit hat die Zahl der Wiederkäuer in den vergangenen 50 Jahren um 50 Prozent zugenommen, derzeit gibt es rund 3,6 Milliarden Wiederkäuer.
• Mehr als ein Viertel der Landflächen auf der Erde werden als Weideland genutzt, vor allem für Rinder, Schafe und Ziegen.

• Ein Drittel der weltweiten Ackerfläche wird für den Anbau von Futterpflanzen genutzt.

Wird die Zahl der wiederkäuenden Tiere reduziert, verringern sich nicht nur die direkten Methanemissionen sondern auch die Treibhausgase, die beim Anbau von Futterpflanzen entstehen, fügen die Autoren hinzu.

„Die Nachfrage nach Fleischprodukten zu senken, würde helfen, beträchtliche Treibhausgasreduktionen in naher Zukunft zu erzielen“, betont Co-Autor Helmut Haberl, der am Institut für Soziale Ökologie an der Alpen-Adria-Universität forscht. Und er fügt hinzu: „Die Nachfrage zu verändern, stellt eine beachtliche politische Herausforderung dar.“ Eine sinkende Nachfrage nach Fleisch von Wiederkäuern bietet mehr Potential, Treibhausgase zu minimieren als zum Beispiel die Fütterung bei Nutztieren oder den Ernteertrag pro Feld effizienter zu machen. Der beste Weg, um schnelle und nachhaltige Klimaverbesserungen zu erreichen, ist die Kombination aus beidem -Reduktion von Methanemissionen und der Nachfrage nach Fleisch.

Pete Smith, Co-Autor von der University of Aberdeen in Schottland, fügt hinzu: „Eine sinkende Zahl an Wiederkäuern würde auch andere Vorteile in Bezug auf Nahrungssicherheit, Gesundheit und Umweltschutz – zum Beispiel in punkto Wasserqualität, Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt und Artenvielfalt - mit sich bringen.“

Die Autoren betonen, dass internationale Klimadiskussionen wie die United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) der Reduktion von Treibhausgasen bei Wiederkäuern nicht genug Aufmerksamkeit schenken. Das Kyoto-Protokoll beispielsweise beschäftigt sich nicht mit diesen tierischen Emissionen in Entwicklungsländern, die jedoch zu den am schnellsten wachsenden Nutztierproduzenten zählen.

Weitere Co-Autoren sind Stephen A. Montzka von der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, Clive McAlpine von der University of Queensland in Australien und Douglas Boucher von der Union of Concerned Scientists in Washington D.C.

Katharina Banfield-Mumb | idw
Weitere Informationen:
http://www.aau.at/sec

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie Brände die Tundra langfristig verändern
12.12.2017 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

nachricht Mit Drohnen Wildschweinschäden schätzen
12.12.2017 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften