Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Wettlauf mit der Zeit

16.05.2013
Zoologe der Universität Jena dokumentiert mit Kollegen aus Dresden und Wien, wie die Abholzung des Regenwaldes die einzigartige Schmetterlingsvielfalt der Anden bedroht
Je weiter man die Anden hinaufsteigt, umso höher ist der Verwandtschaftsgrad der dort lebenden Schmetterlingsarten. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle Studie zur stammesgeschichtlichen Verwandtschaft von Arten südamerikanischer Falter, die Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit Kollegen aus Dresden und Wien erarbeitet und gerade in der Fachzeitschrift „Ecography“ veröffentlicht haben (doi: 10.1111/j.1600-0587.2013.00030.x).

„Nirgendwo auf der Welt sind die Regenwälder artenreicher als in den tropischen Anden und den angrenzenden Tieflandregenwäldern des Amazonas“, erklärt Dr. Gunnar Brehm vom Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Uni Jena. Seit 1999 bereits reist der Forscher in regelmäßigen Abständen in den Podocarpus-Nationalpark im südlichen Ecuador. Allein von der Schmetterlingsfamilie der Geometridae – zu Deutsch: Spanner – hat der Zoologe dort bislang 1.445 Arten entdeckt. Und dies auf einem Gebiet, das nur ungefähr so groß ist wie die Insel Rügen.

Die letzte Südamerika-Expedition, die Brehm und dessen Kollegin Dr. Yoko Matsumura gemeinsam mit den Studenten Katrin Friedemann und Lars Möckel unternommen haben, war erst Anfang dieses Jahres gewesen. „Jedes Mal, wenn wir dort sind, entdecken wir eine Reihe von Arten, die nie zuvor jemand gesehen oder gefangen hat“, sagt Dr. Brehm. Für die einmalige Artenvielfalt in diesem – noch – grünen Paradies stellt die rasante Zerstörung der Regenwälder aber eine existenzielle Bedrohung dar. Von ihr betroffen sei nicht nur die Umgebung des Podocarpus-Nationalparks. „Jährlich“, erläutert Brehm, „werden in Ecuador viele hundert Quadratkilometer gerodet und abgebrannt.“ Dabei würden nicht nur große Mengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt. „Auch die hohe Artenvielfalt geht buchstäblich in Rauch auf, bevor man sie wissenschaftlich erfasst hat“, stellt er fest: „Die weitere Erforschung der Fauna und Flora in den tropischen Anden gerät daher zunehmend zu einem Wettlauf mit der Zeit.“

Nur sehr wenige Forschungsergebnisse hierzu nämlich liegen bislang vor – was das Projekt der Jenaer Wissenschaftler gleichsam zu echter Pionierarbeit werden lässt. Dabei sind bereits die bis jetzt gewonnenen Erkenntnisse teilweise verblüffend. So sinkt die Artenvielfalt der Falter nicht etwa mit zunehmender Meereshöhe, wie das gängige Annahmen vermuten lassen. Vielmehr hat sich die Artenvielfalt in 1.000 bis 3.000 Metern über dem Meeresspiegel als gleichbleibend extrem hoch herausgestellt.

Dr. Gunnar Brehm von der Universität Jena beim nächtlichen Lichtfang von Nachtfaltern in Ecuador.
Foto: Gunnar Brehm/FSU

Der zudem festgestellte höhere Verwandtschaftsgrad in den hochmontanen Gebieten wiederum gibt Brehm Anlass zu der Vermutung, „dass bei der beschleunigten Auffaltung der Anden in der jüngeren Erdgeschichte nicht alle Faltergruppen gleichzeitig in der Lage gewesen waren, die hohen Lagen zu besiedeln.“ So seien beispielsweise viele Raupen an bestimmte Wirtspflanzen gebunden, die ihrerseits nur in tiefen und mittleren Lagen auftreten. „Andere Gruppen wurden hingegen bei der Besiedlung der montanen Wälder evolutiv erst richtig erfolgreich“, hat Brehm festgestellt. Als Beispiele nennt er Faltergattungen wie „Eois“ und „Eupithecia“, die nicht nur extrem artenreich, sondern untereinander genetisch sehr ähnlich sind. Für Brehm ist das ein Hinweis darauf, dass die Arten erst vor relativ kurzer Zeit entstanden sind.

Originalpublikation:
Brehm G, Strutzenberger P, Fiedler K (early view) Phylogenetic diversity of geometrid moths decreases with elevation in the tropical Andes. Ecography 36: 001–007, 2013, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1600-0587.2013.00030.x/abstract

Kontakt:
Dr. Gunnar Brehm
Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erbertstraße 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949184
E-Mail: gunnar.brehm[at]uni-jena.de

Dr. Constanze Alt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften