Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Aussterben bedrohte Waldrappe sind fit für ihre Reise in die Toskana

21.08.2015

Eines der größten Artenschutzprojekte Europas startete im Januar 2014. Ziel des Projekts: Bis 2019 soll die Zugvogelart Waldrapp in Europa wieder heimisch sein. TierärztInnen der Vetmeduni Vienna stellen sicher, dass die seltenen Tiere gesund in den Süden fliegen können. 31 handaufgezogene Waldrappe starten am kommenden Samstag Richtung Süden. Sie folgen dabei einem Ultraleichtflugzeug, das ihnen den Weg weist. Die anderen Jungtiere werden erfahrenen Altvögeln folgen.

Bis ins 17. Jahrhundert war der Waldrapp in Mitteleuropa heimisch. Der skurril aussehende Zugvogel wurde damals intensiv bejagt und verschwand um 1630 komplett aus Europa. Heute steht er laut „Zoological Society of London“ auf Platz 12 der am meisten bedrohten Vogelarten weltweit.


Am Samstag Früh beginnen die Tiere ihre Reise in Seekirchen in Salzburg und legen dann im südlicheren Mauterndorf eine erste Pause ein.

Foto: Waldrappteam

Die Vetmeduni Vienna mit ihrem Service für Ziervögel ist seit 2008 mit der medizinischen Versorgung der Waldrappe betraut. „Wir untersuchen regelmäßig den Gesundheitsstatus der Tiere. Die Jungtiere müssen für ihre Reise in den Süden fit sein“, erklärt die betreuende Vogeltierärztin Alexandra Scope.

„Dieses Jahr fliegen 48 Jungtiere erstmals in den Süden. Wir kontrollieren das Gewicht der Tiere, führen eine allgemeine klinische Untersuchung durch und überprüfen, ob es Infektionen bei den Vögeln gibt. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über Organerkrankungen liefern.

Aufzucht geschieht von Menschenhand aber auch durch Elterntiere

Einige Waldrappe werden von Menschenhand aufgezogen, andere von Elterntieren. „Dieses Jahr wurden 32 Tiere im Tiergarten Schönbrunn von Hand aufgezogen. Eines der Tiere verunglückte leider tödlich. 17 weitere Tiere wurden von ihren Eltern in Kuchl, Salzburg und in Burghausen, Bayern aufgezogen. In Seekirchen am Wallersee wurden die Waldrappe darauf trainiert, einem Ultraleichtflugzeug zu folgen.

Vergangene Woche litten einige der handaufgezogenen Tiere, vermutlich wegen der extremen Hitze, unter einer akuten Magen-Darm-Infektion. Der Start musste deshalb verschoben werden. Die Vögel wurden inzwischen erfolgreich behandelt, sind jetzt fit für den Flug und dürfen ihre Reise in die südliche Toskana beginnen.“

Auch die von den Eltern aufgezogenen Jungvögel werden bald von erwachsenen Tieren in den Süden geführt. Die älteren Tiere kennen den Weg bereits. Die WissenschafterInnen vom Waldrappteam hoffen, dass die Vögel, sobald sie geschlechtsreif sind, selbständig zwischen Alpen und Toskana migrieren. Einige Vögel tun dies bereits.

Scope fährt selbst regelmäßig in die Toskana, um die Waldrappe am Überwinterungsstandort medizinisch zu betreuen. Im kommenden Jahr wird sie dort bereits über 80 Waldrappe vorfinden. „Ein Waldrapp, der im vergangenen Jahr angeschossen und von uns behandelt wurde, ist nach einem Flügelbruch wieder voll flugfähig und zog dieses Jahr wieder Junge auf“, berichtet Scope.

Die Europäische Union fördert die Wiederansiedelung des Waldrapps

Im Rahmen eines EU Projektes LIFE+ Biodiversity mit Partnern aus Österreich, Italien und Deutschland soll der Waldrapp in Europa wieder angesiedelt werden. Der Plan lautet: Bis 2019 sollen wieder mehr als 120 Waldrappe zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren.

Das Projekt basiert auf den langjährigen Erfahrungen des Artenschutzprojektes Waldrappteam, das mit seiner Arbeit bereits 2002 begann.

Eine erste kleine Brutkolonie lebt mittlerweile in Burghausen, Bayern. Zwei weitere Brutkolonien sind in Kuchl, Salzburg und in Überlingen, Baden- Württemberg vorgesehen. Insgesamt sind mehrere sogenannte menschengeleitete Migrationen mit Flugzeug von den verschiedenen Brutgebieten in das gemeinsame Wintergebiet in der südlichen Toskana geplant.

Waldrappe sind friedliche Tiere. Daher entstehen auch selten Konflikte mit der Gesellschaft. Eine Gefährdung von Menschen oder Haustieren durch den harmlosen Vogel ist jedenfalls auszuschließen. Überall, wo Waldrappe auftreten, erregen sie durch ihr besonderes Aussehen Aufmerksamkeit. In den Brutgebieten und im Wintergebiet werden sie schnell zu Sympathieträgern.

Service:
Zur Website des Waldrapp-Projekts: http://www.waldrapp.eu
Zum Service für Ziervögel und Reptilien der Vetmeduni Vienna: http://www.vetmeduni.ac.at/interne-kleintiere/dienstleistungen/ziervoegel-wildvo...

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Alexandra Scope
Klinische Abteilung für Interne Medizin Kleintiere
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-6833
alexandra.scope@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2015/wal...

Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte