Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ultraschall schützt Schweinswale vor Stellnetzen

28.12.2016

Akustisches Warngerät PAL „spricht“ mit den Tieren

Immer wieder kommt es vor, dass sich Schweinswale in der Ostsee in Stellnetzen von Fischern verfangen und ertrinken. Ein neues Warngerät hat jetzt nach mehrjährigen Versuchsreihen sehr vielversprechende Ergebnisse geliefert: Die Schweinswal-Beifänge ließen sich in der westlichen Ostsee mithilfe dieses Geräts um mehr als 80 % verringern.


Schweinswal auf Kollisionskurs mit einem Netz

(Foto: Boris Culik)


Bei der Entwicklung des PAL (links im Bild) wurden die Erfahrungen von Fischern mit Pingern verschiedener Hersteller berücksichtigt und das Gerät weiter optimiert.

(Foto: Boris Culik)

Im Dezember 2016 stellte das Entwicklungs- und Erprobungsteam der Firma F3 (Heikendorf) gemeinsam mit TB Conrad (Schwedeneck) und dem Thünen-Institut für Ostseefischerei (Rostock) die Ergebnisse im Schleswig-Holsteinischen Umweltministerium (MELUR) in Kiel vor.

Das Problem: Schweinswale müssen als Meeressäuger regelmäßig zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen. Weil sie Stellnetze mit ihrem akustischen Orientierungssinn oft nicht rechtzeitig wahrnehmen, können sie sich darin verfangen und ertrinken dann.

Insgesamt sollte diese Todesursache nicht mehr als maximal 1 % der Population betreffen, um den langfristigen Erhalt der Art nicht zu gefährden. Nach verschiedenen Schätzungen sterben jedoch zwischen 1,8 und 18 % der Tiere auf diese Weise.

Das neu entwickelte, programmierbare Warngerät PAL („Porpoise ALert“) kann hier Abhilfe schaffen. Es erzeugt naturgetreue Kommunikationssignale und regt die Echoortung der Tiere an. Das unterscheidet PAL von bislang eingesetzten akustischen Vergrämern, sog. Pingern, die störende Geräusche aussenden. Pinger können Schweinswale weiträumig von ihren natürlichen Lebens- und Nahrungsgründen fernhalten.

Die schreckhaften Tiere verringern außerdem die Intensität ihrer Echoortung, wenn sie Pinger hören, was den Beifang in benachbarten Netzen erhöhen kann. Viele Pingertypen weisen zudem aufgrund von Form, Gewicht, geringer Haltbarkeit und Sendeleistung sowie schneller Batterieerschöpfung große Nachteile beim Einsatz in der kommerziellen Fischerei auf.

PAL hingegen imitiert die Warnlaute der Tiere auf der Frequenz von 133 kHz. Das ist die Tonhöhe, welche Schweinswale für Ultraschallorientierung und Kommunikation nutzen. Freilandversuche zeigen, dass die Kleinwale darauf mit einer verstärkten Echoortungsaktivität reagieren. Dies ermöglicht es den Tieren, die gefährlichen Netze rechtzeitig wahrzunehmen. Dabei erhöhen sie den Mindestabstand zur Schallquelle nur um rund 20 Meter – sie werden also nicht aus ihrem Lebensraum vertrieben. Im Gegensatz dazu können Seehunde und Kegelrobben das Signal nicht hören und werden daher auch nicht davon angelockt.

Die PAL-Geräte wurden seit 2014 in der professionellen dänischen und deutschen Stellnetzfischerei in der westlichen Ostsee getestet und konnten bereits dabei erfolgreich zur Beifangverringerung beitragen. Bei jedem Versuch wurden gleichzeitig jeweils zwei gleich lange Netze ausgebracht. Nur eines war mit PAL ausgerüstet, das andere, herkömmliche Netz diente als Kontrolle. Insgesamt wurden in mehr als 900 Einsätzen 21 Schweinswale beigefangen: nur 3 in PAL-Netzen, aber 18 in den Kontrollnetzen. Die Ergebnisse zeigen, dass PAL in der Ostsee erfolgreich zur Minimierung des Schweinswalbeifangs eingesetzt werden kann.

Mit Hilfe des PAL ließe sich die Kontroverse zwischen Fischereiwirtschaft und Naturschutz lösen. Naturschutzvertreter fordern eine Ausdehnung von Schutzgebieten und Schonzeiten ohne Fischerei. Das würde jedoch die Fischerei stark beeinträchtigen. Zudem ist die Stellnetzfischerei, bezogen auf die Zielarten, hochselektiv und nachhaltig. Das neu entwickelte akustische Warngerät ist daher eine wichtige Sofortmaßnahme, um den Schweinswalbeifang zu verringern.

Kontakt:

Prof. Dr. Boris Culik
F3: Forschung . Fakten . Fantasie
Am Reff 1, 24226 Heikendorf
E-Mail: bculik@fh3.de

Dr. Christian von Dorrien
Thünen-Institut für Ostseefischerei
Alter Hafen Süd 2, 18069 Rostock
E-Mail: christian.dorrien@thuenen.de

Dr. Michael Welling | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wenn Seen ins Schwitzen kommen: Aktuelles IGB Dossier erläutert die Folgen des Klimawandels
26.04.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Bestände des invasiven Kalikokrebses reduzieren und heimische Arten schützen
24.04.2018 | Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics