Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Todesfalle Strommast: Letzte Uhus in Gefahr

30.09.2010
Der Uhu ist in der Schweiz akut vom Aussterben bedroht, weil viele Tiere durch Stromschlag an Freileitungsmasten umkommen. Dies zeigt eine Studie der Universität Bern im Wallis. Die Forschenden verlangen die umgehende Sanierung der gefährlichen Strommasten, um die einzigartige Eulenart langfristig zu schützen.

Der Uhu ist die grösste Eulenart Europas. Während seine Bestände in weiten Teilen Europas leicht ansteigen, stagnieren sie in der Schweiz oder sind gar rückläufig. So auch im Wallis, das eine kleine Population von etwa zehn Brutpaaren beherbergt. Während der letzten 20 Jahre blieb diese Population mehr oder weniger konstant.

Die vorliegende Studie unter der Leitung von Raphaël Arlettaz, Adrian Aebischer und Michael Schaub vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern, die in der renommierten Zeitschrift «Biological Conservation» publiziert worden ist, zeichnet jetzt aber ein erschreckendes Bild: Nur etwa 10 Prozent der Uhus im Wallis überleben das erste Jahr. Ein Viertel der Tiere stirbt durch Stromschlag an veralteten Freileitungsmasten, welche den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechen.

Zuwanderung kompensiert hohe Sterblichkeit

Die Forschenden der Universität Bern und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach markierten junge Uhus mit Sendern und verfolgten sie nach dem Ausfliegen mittels Satellitentelemetrie. In einem zweiten Schritt entwickelten sie ein demographisches Modell, in dem die Telemetriedaten, Informationen zur Populationsentwicklung und zum Bruterfolg sowie zum Alter von tot gefundenen Individuen einflossen. Mit diesem innovativen Modell konnten alle demographischen Parameter geschätzt werden. Es zeigte sich, dass der Bruterfolg kaum vom Bruterfolg in anderen Uhupopulationen abweicht.

Hingegen ist die Sterblichkeitsrate der Jung-, wie auch der Altvögel extrem hoch – rund 40 Prozent pro Jahr. Die Population bleibt nur konstant, weil sie massive Zuwanderung aus Frankreich und Italien erhält. Ginge die Zahl der Immigranten auch nur leicht zurück, so würde die Walliser Uhupopulation in kurzer Zeit aussterben. Das Modell offenbarte weiter, dass die Uhupopulation jährlich um rund 17 Prozent zunähme, wenn alle gefährlichen Freileitungsmasten saniert würden. Theoretisch könnte sich die Uhupopulation unter diesen Bedingungen innerhalb von rund acht Jahren verdreifachen.

Aufruf an Elektrizitätsunternehmen

Das Wissen, wie elektrische Leitungen vogelsicher saniert werden können, ist schon lange vorhanden. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat einen aktuellen Katalog der gefährlichen Freileitungsmasten sowie der wichtigsten Sanierungsmassnahmen publiziert. Im Wallis und im Berner Seeland sind schon einzelne Sanierungsmassnahmen eingeleitet worden. Momentan befinden sich aber noch mehrere Tausend gefährlicher Masten in der ganzen Schweiz.

Die vorliegende Studie zeigt eindrücklich, welche Effekte auf gefährdete einheimische Vogelpopulationen zu erwarten wären, wenn grossflächige Sanierungen der Freileitungsmasten durchgeführt würden. «Die Elektrofirmen haben eine grosse Verantwortung gegenüber dem Schutz und dem langfristigen Überleben des Uhus und anderer gefährdeter Vogelarten. Sie sind gebeten, diese elektrischen Fallen umgehend zu sanieren – sowohl um die rechtlichen Richtlinien zu erfüllen als auch um ein Ökolabel zu verdienen», sagt Raphaël Arlettaz. Es steht das Überleben des Uhus auf dem Spiel.

Quellenangabe:

Michael Schaub, Adrian Aebischer, Olivier Gimenez, Silvia Berger, Raphaël Arlettaz: Massive immigration balances high anthropogenic mortality in a stable eagle owl population: Lessons for conservation. Biological Conservation, 2010, doi:10.1016/j.biocon.2010.04.047

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise