Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tierarzneimittelforschung: Weniger Antibiotika in der Umwelt?

08.04.2014

Pellets statt Pulver: Für Tierhaltung umweltfreundlichere Arzneimittel?  

DBU gibt 420.000 Euro

In Deutschland wurden 2012 rund 1.600 Tonnen Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt. 60 bis 80 Prozent der antibakteriellen Wirkstoffe scheiden die Tiere in unveränderter Form wieder aus. Sie gelangen mit Gülle und Gärsubstraten in den Boden, ins Oberflächen- und Grundwasser.

Nur schwer abbaubar können sie dort ihre – nun ungewollte – Wirkung auf den Stoffwechsel von Lebewesen entfalten. Ebenso problematisch für Mensch und Tier: Krankheitserreger und Bakterien werden zunehmend widerstandsfähig gegen Antibiotika, die Medikamente wirkungslos.

Laut Umweltbundesamt muss man an den Ursachen des Problems ansetzen, beim Entwickeln der Medikamente und ihrem Einsatz. In einem mit rund 420.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojekt wurde gezeigt, dass durch Pellet- statt Pulverfütterung und besser abbaubare Substanzen weniger Tierarzneimittel in die Umwelt gelangen.

„Die Wirkstoffgruppe der Sulfonamide, die wir untersucht haben, sind antibakteriell wirkende Substanzen, die als Breitbandantibiotika gegen eine Vielzahl verschiedener Bakterien in der Human- und Tiermedizin eingesetzt werden“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Gerd Hamscher vom Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Um den Tierarzneimitteleintrag in die Umwelt zu verringern, seien die Substanzen gezielt an Schweinen und in Laborversuchen getestet worden. „Wir haben erstmalig den Einfluss des Verabreichens von Arzneimitteln an Schweinen auf das Rückstandsverhalten gezielt untersucht, ihr Verhalten in der Umwelt, ihre Gefährlichkeit für das Grundwasser sowie ihre Abbaubarkeit unter Sonnenlicht und unter Bedingungen, die in Biogasanlagen herrschen“, so Hamscher.

Mit den Tests seien Eigenschaften der für die Tiermedizin besonders wichtigen Sulfonamide identifiziert worden, die beim Herstellen neuer, umweltfreundlicher Wirkstoffe helfen können. „Wir haben sehr viel über ihr Verhalten in der Umwelt herausgefunden und dabei große Unterschiede festgestellt, obwohl es sich um eine Wirkstoffgruppe handelt“, betont der Projektpartner Prof. Dr. Manfred Kietzmann vom Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

„Deshalb gibt es auch nicht nur einen einzigen ‚Öko-Wirkstoff‘ als ‚Patentlösung‘, sondern verschiedene Substanzen, die je nach Umgebung – unter ultraviolettem Licht oder in der Fermentation – unterschiedlich schnell abgebaut werden können“. Gleichwohl seien die Ergebnisse eine gute Grundlage für das Herstellen umweltfreundlicherer Antibiotika, sagt Prof. Dr. Klaus Kümmerer vom Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie an der Leuphana Universität Lüneburg.

Eine weitere wichtige Erkenntnis gewannen die Forscher über das Verabreichen der Arzneimittel. Bisher bekämen Schweine die Arzneimittel oft über das Futter in Pulverform. Kietzmann: „In den Ställen gibt es aber eine hohe Staubentwicklung. Über die Luft und Lüftungsanlagen verteilen sich die Wirkstoffe im gesamten Stall, so dass auch die nicht behandelten Schweine sowie Landwirte und Tierärzte Antibiotika aufnehmen und die Wirkstoffe nach draußen in die Stallumgebung gelangen. Die Lösung für dieses Problem sei beispielsweise die Fütterung von Pellets oder Granulat. „Allerdings ist diese Form der Fütterung auch teurer“, bemerkt Kietzmann.

DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann betonte bei der Ergebnispräsentation in der DBU-Geschäftsstelle die wegweisende Bedeutung der Resultate: „Es konnten zwei wichtige Etappen auf dem Weg zum Eindämmen der Umweltbelastung durch Arzneimittel in der Tierhaltung erreicht werden: sowohl qualitativ durch eine gezielte Auswahl schneller abbaubarer Substanzen als auch quantitativ durch eine verbesserte Verabreichungsform.“

Gleichwohl müsse ein verantwortungsvoller und sparsamer Umgang insbesondere mit Antibiotika, die oft in großen Mengen verabreicht würden, oberste Priorität haben. „Wir benötigen praxistaugliche Ansätze, um die Anwendung von Antibiotika und ihren Eintrag in die Umwelt zu minimieren“, so Bottermann. An dem Projekt waren außerdem die Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte (Garbsen) und Dr. Heinrich Höper vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover beteiligt.

Weitere Informationen:

http://www.dbu.de/123artikel35293_335.html

Franz-Georg Elpers | DBU

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ausdehnung von Ackerflächen reduziert CO2-Aufnahme
20.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Luftreiniger und Schmutzpumpe: der indische Monsun
15.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics