Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Südeuropas Waldbrände sind hausgemacht

30.07.2009
Folgen des Klimawandels und ökologischer Katastrophen

Nur einer von 20 Waldbränden ist nicht vom Menschen verursacht. Das belegt eine Studie der Umweltorganisation WWF.

Fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung ist der Auslöser der meisten Waldbrände, die durch die steigende Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten an Intensität und Häufigkeit zunehmen. Die derzeit in Spanien, Korsika, Kroatien und Griechenland wütenden Waldfeuer spiegeln diesen Anstieg wider.

Der Erhebung zufolge hat sich die jährlich betroffene Fläche im Mittelmeerraum seit den 1960er Jahren vervierfacht, in Spanien allein stieg die Zahl der Waldbrände sogar um das Zehnfache. Für den südlichen Mittelmeerraum prognostiziert der WWF eine Ausdehnung der Waldbrandsaison auf das ganze Jahr bis 2050. US-amerikanische Forscher erwarten zudem eine Verschlechterung der Luftqualität in den betroffenen Regionen.

Die Zunahme der Brände im Mittelmeerraum hat regional sehr unterschiedliche Hintergründe. "In Griechenland etwa führt die Landflucht der Jugend dazu, dass ganze Landstriche ungepflegt bleiben und mehr trockene Biomasse als Zunder bereitsteht", erklärt WWF-Waldexperte Markus Radday im pressetext-Interview. Die ältere Bevölkerung sei bei Bränden auf die Hilfe der Feuerwehr angewiesen, was die registrierten Fälle zusätzlich steigen ließe.

In Portugal seien Brände, wie etwa im Vorjahr in besonderer Intensität, hausgemacht durch die Umwandlung von Korkeichen-Wäldern zu Plantagen der Zellstoff-Lieferanten Eukalyptus und Kiefer. "Während dickborkige Korkeichen feuerresistent waren, trocknen die neuen Monokultur-Pflanzen die Böden aus, lassen den schützenden Humus verschwinden und haben hohen Anteil an ätherischen, leicht brennbaren Ölen." Fehlende Umweltverträglichkeitsprüfungen und falsche Versprechen der Investoren hätten Schuld an der ökologischen Katastrophe, so Radday.

Maßnahmen zur Brandbekämpfung wie Feuerwehren oder Löschflugzeuge gebe es im Mittelmeerraum genug, betont der WWF-Experte. Es liege daher an der richtigen Vorsorge, um das Ausbrechen von Waldbränden zu verhindern. Zwar könne man Pyromanen nicht einmal durch strenge Ahndung von einer Brandstiftung abhalten, politische Maßnahmen seien allgemein jedoch zielführend. "Verbesserte Bebauungspläne in Südfrankreich sollten etwa verhindern, dass der mediterrane Busch zu Baugründen von Villen wird. In Italien wäre die striktere Befolgung bestehender Gesetze die wichtigste Maßnahme zur Brandvermeidung." Zum Schutz vor Spekulanten dürfen hier Grundstücke nicht zu Bauland umgewidmet werden, wenn sie innerhalb der zehn vorhergehenden Jahren abgebrannt sind. Viele Gemeinden melden derzeit jedoch Brände nicht im Kataster.

Viel stärker als der Mittelmeerraum sind jedoch Australien und Indonesien von Waldbränden betroffen. "Während Spanien eine brandgefährdete Waldfläche von insgesamt 700 Quadratkilometern besitzt, liegt diese allein auf den Inseln Sumatra und Borneo im Zehntausend-Quadratkilometer-Bereich", so Radday. Die alle sieben bis zehn Jahre wiederkehrende Umkehr der Meeresströmung "El Niño" bereite speziell Indonesien starke Trockenperioden, was die traditionelle Praxis des Brandrodung-Wanderfeldbaus gefährlich mache. "Das Feuer kann sich bei Trockenheit durch die dicken Torfschichten auch unterirdisch fortsetzen und gerät über vertrocknete Lianen bis in die Baumkronen des Regenwaldes." Besonders problematisch sei in dieser Region jedoch die trotz Verbotes weit verbreitete Verbrennung von nicht verwertbaren Holzresten durch Firmen, die Regenwald für Palmölplantagen abholzen.

Dass die Häufung von Waldbränden in die Galerie der Klimawandel-Folgen zu ordnen ist, bestätigen auch Wissenschaftler der Harvard Universität http://www.seas.harvard.edu . Im Journal of Geophysical Research zeigen sie ausgehend von Brandstatistiken und meteorologischen Daten der südwestlichen USA, dass eine Entwicklung gemäß bisherigen Klimaszenarien die Waldbrand-Gefahr steigen lassen wird. "Die höheren Temperaturen trocknen das Unterholz aus und verstärken die Feuersbrunst, sobald ein Brand durch Blitzschlag oder menschliches Einwirken ausgelöst wurde", so die Atmosphärenforscherin Jennifer Logan. Bis 2050 steige in den westlichen Bundesstaaten der USA die brandgefährdete Fläche um 50 Prozent. Gleichzeitig steige der Anteil organischer Kohlenstoff-Aerosole, einer spezieller Form von Rauchpartikeln, in der Luft laut Prognose in der Region bis 2050 um 40 Prozent, was vor allem Menschen mit Asthma und chronischer Bronchitis belasten wird. "Waldbrände sorgen auch für den Abbau von Humus und durch das Löschen für die Verschärfung von Wasserknappheiten", ergänzt Radday. Um sich vollständig zu erholen, brauchen abgebrannte Wälder durchschnittlich vier Jahrzehnte.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://wwf.de

Weitere Berichte zu: Brandstiftung Brände Humus Mittelmeerraum Regenwald Trockenheit WWF Waldbrand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften