Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stechlinsee: klares Wasser mit trüben Aussichten?

10.09.2012
Mit seinem Naturreichtum, seiner Tiefe und hervorragender Sicht wurde der Stechlinsee zum „Lebendigen See des Jahres“ in Deutschland gewählt. Der Zustand des Sees ist aber besorgniserregend. Das ist ein Ergebnis des Treffens von 16 lokalen Akteuren sowie 10 Experten aus ganz Deutschland.

Bürgermeister und Gemeindevertreter, Politiker auf der Landesebene, Naturschutzexperten, Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Landestauchsportverband Brandenburg e.V., Fischer sowie Vertreter der Tourismusbranche lud der Global Nature Fund am 7. September zu einer Diskussion über die Zukunft des Stechlinsees ein.


Stechlinsee
GNF-Archiv

Laut Messungen des IGB und Beobachtungen der Sporttaucher sind die Phosphorwerte im Tiefenwasser in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Was sind die Ursachen einer voranschreitenden Verschlechterung? Wie geht es weiter? Diese und viele anderen Fragen stellten sich die Teilnehmer des Runden Tisches in der Tauchbasis Stechlin.

Der Stechlinsee ist ein Teil des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land und beherbergt eine unzählige Vielfalt an Unterwasserfauna und -flora, insbesondere die ausgedehnten Bestände der seltenen Armleuchteralgenarten finden hier ideale Lebensbedingungen. Allerdings verlor der See in den letzten Jahrzehnten 100 Hektar seiner wertvollen Unterwasserpflanzengesellschaften, was ca. 60 % des besiedelbaren Gebietes auf dem Seengrund beträgt. Die Entwicklung verschiedener Planktonarten nahm massenhaft zu. Noch sind nicht alle Faktoren, die für diese Veränderungen verantwortlich sind, ausreichend analysiert.

Sünden der Vergangenheit
Zwischen 1966 und 1990 war der Stechlinsee Bestandteil des äußeren Kühlkreislaufs des Atomkraftwerkes Rheinsberg. Täglich wurden fast 300.000 Kubikmeter um bis zu 10°C erwärmtes und durch Kraftwerksabwässer verunreinigtes Wasser in den Stechlin gepumpt. 1990 wurde das Atomkraftwerk abgeschaltet und wird seit dem zurückgebaut.

Mit dem Ortsteil Neuglobsow der Gemeinde Stechlin befindet sich nur eine Siedlung am Ufer des Stechlinsees. Diese war aber in der DDR vom Massentourismus stark geprägt. Allein im Jahr 1977 wurden 21.300 Kur- und Feriengäste mit 317.000 Übernachtungen bei unzureichender Abwasserreinigung gezählt. Auch häusliche Abwässer und intensive Enten- und Karpfenmast in den 70-er Jahren im Dagowsee, der in den Stechlin entwässert, wurden zu weiteren negativen Einflussfaktor für das Seeökosystem. Die Zufuhr von Nährstoffen aus unterschiedlichen Quellen hat starke und zum Teil langfristige negative Auswirkungen auf den Stechlinsee.

Was tun?
Im Laufe des Runden Tisches am Stechlinsee sind die Teilnehmer zum Konsens gekommen, dass die möglichen, bereits geplanten Maßnahmen, zeitnah umgesetzt werden müssen. Es darf nicht, wie in der jüngsten Vergangenheit, große Mengen nährstoffreiches Wasser aus dem Dagowsee direkt in den Stechlinsee fließen. Es muss für den Dagowsee ein Wasserstand festgelegt werden, der den Stechlinsee entlastet.

Es wurde als hilfreich erachtet, eine Liste der dringenden Forschungsfragen zusammen zu stellen, die beim investigativen Monitoring durch das IGB eingesetzt werden kann. Zunächst muss aber eine Untersuchung der aktuellen Situation im Stechlin und Dagowsee erfolgen um zu verifizieren, welche Maßnahmen ökologisch relevant ist.

Das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg soll sich bereit erklären, auf ein verbessertes Fischereimanagement hinzuwirken, sowie die Frage des illegalen Fischbesatzes und den gesetzlichen Rahmen dafür zu überprüfen.

Es besteht ein großer Informationsbedarf zur Wasserqualität in der Gemeinde und unter den Besuchern der Region. Die Öffentlichkeit soll darauf hingewiesen werden, dass der See nicht mehr oligotroph ist, sondern schwach mesotroph. Das Ziel am See soll sein, den Zustand auf einem möglichst hohen Niveau zu halten.

Eine langjährige Beobachtung, die am See stattfand, ist wichtig um die Situation zu überwachen. Diese bildet die Voraussetzung um mit diesen Erfahrungen Lösungen zu finden. Und die Akteure vor Ort sollten aus fachlichen Gründen und Überzeugung dahinter stehen.

Die Partner im Netzwerk Lebendige Seen Deutschland fordern eine nachhaltige Zukunft für den Stechlinsee und rufen die zuständigen Behörden zu einem verantwortungsvollen und zukunftsorientierten Blick auf ihre wertvollen Naturschätze auf.

Hintergrund
Der Global Nature Fund nimmt den Weltwassertag am 22. März zum Anlass, jährlich einen „Lebendigen See“ in Deutschland zu küren. Diese Aktion soll auf unsere Seen als wertvolle Ökosysteme und einzigartige Naturschätze aufmerksam machen. Die Initiative beruht auf den langjährigen, erfolgreichen Erfahrungen der internationalen Aktion „Bedrohter See des Jahres“ und soll zur Lösung von drängenden Problemen an Feuchtgebieten und Seen beitragen. Mit der Ernennung des Stechlinsees zum Lebendigen See des Jahres wollen die Partner eine Entwicklung fördern, die die ökologische Bedeutung des Gewässers in den Mittelpunkt stellt. Mehr zum Stechlinsee, seinen Besonderheiten und Problemen sowie aktuellen Entwicklungen am und rund um den See erfahren Sie unter www.globalnature.org/LebendigerSee2012.

Das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland
Der Stechlinsee ist Mitglied im Seennetzwerk Lebendige Seen Deutschland, das vom Global Nature Fund ins Leben gerufen wurde. Das Netzwerk ist verknüpft mit der erfolgreichen weltweiten Umweltinitiative „Living Lakes“, die in Deutschland durch den Global Nature Fund koordiniert wird. Im Mittelpunkt des Netzwerks stehen die dauerhafte und nachhaltige Entwicklung von Seen und Feuchtgebieten. Das Netzwerk schafft eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen, die vor Ort für den Schutz der Gewässer aktiv sind. Unterstützt wird das Seennetzwerk Deutschland von der Anton & Petra Ehrmann-Stiftung.
Mehr Informationen unter: www.globalnature.org/Netzwerk-Deutschland

Der Global Nature Fund
Der Global Nature Fund (GNF) ist eine internationale Stiftung für Umwelt und Natur. Die Stiftung ist staatlich unabhängig und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Eine zentrale, von der Stiftung Global Nature Fund gestartete Initiative, ist das im Jahr 1998 gegründete internationale Seennetzwerk „Living Lakes - Lebendige Seen", das sich weltweit für den Schutz von Seen und Feuchtgebieten einsetzt.


Kontakt

Katja Weickmann
Global Nature Fund (GNF)
Hackescher Markt 4
10178 Berlin
Tel.: 030 2400 867-32
Fax: 030 2400 867-19
weickmann@globalnature.org
www.globalnature.org
Tom Kirschey
NABU Brandenburg
Lindenstraße 34
14467 Potsdam
Tel.: 0331 20 155 7-0
Fax: 0331 20 155 7-7
info@NABU-Brandenburg.de
www.brandenburg.nabu.de
Dr. Thorsten Grospietsch
Landestauchsportverband Brandenburg e.V. (LTSVB)
Kopernikusstr.7
14482 Potsdam – Babelsberg
Tel.: 0331 7147 03
info@ltsv-brandenburg.de
www.ltsv-brandenburg.de
PD Dr. Ralph O. Schill
Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST)
Berlinerstraße 312
63067 Offenbach
Tel.: 069 981902-5
umwelt@vdst.de
www.vdst.de

Katja Weickmann | Global Nature Fund
Weitere Informationen:
http://www.globalnature.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie