Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheit für den Verkehr – Belastung für die Umwelt

14.12.2010
Einsatz von Streusalz ökologisch und ökonomisch problematisch

Der Winter 2009 ist noch in bester Erinnerung, da schlägt das Winterwetter in diesem Jahr erneut zu. Glatte Straßen werden mit Mengen an Streusalz befahrbar gehalten. Aber was bedeutet der enorme Streusalzeinsatz für die Umwelt?

Pünktlich zur Weihnachtszeit 2009 kam die große Kälte und brachte jede Menge Schnee und Eis mit sich. Dauer und Intensität des Schneefalls führten dazu, dass nahezu sämtliche Vorräte an Streusalz in den Städten erschöpft waren. Autofahrer waren froh über jedes Gramm, das verteilt werden konnte. Erhöhte das Salz doch die Chance, sein Ziel unversehrt zu erreichen.

Für die Umwelt jedoch bedeutet die Verwendung von Streusalz eine starke Belastung – besonders für Pflanzen und Bäume. Durch den salzhaltigen Sprühnebel im Autoverkehr kommt es nicht nur zu Verätzungen am Blattwerk. Das Salz wird auch über das Wurzelwerk aufgenommen, reichert sich in den Blättern an und führt dort zu nachhaltigen Schäden.

Die Schäden an den Pflanzen werden zumeist im Spätsommer sichtbar. Betroffen sind vorwiegend Bäume im unmittelbaren Straßenrandbereich. „Auffällig sind die Folgewirkungen des Streusalzes insbesondere bei Kastanien, Linden und Ahornen“, erläutert Dr. Helmut Meuser, Professor für Bodenschutz und Bodensanierung an der Hochschule Osnabrück. „Viele Blätter sind bereits im August abgestorben oder weisen Gelbfärbungen – so genannte Chlorosen auf – die vornehmlich bei Nährstoffungleichgewichten entstehen. Oftmals können die Pflanzen durch den hohen Salzgehalt im Boden nur unzureichend Wasser und Nährstoffe aufnehmen“, so Meuser weiter. Das Resultat ist die typische Dreifarbenfolge Braun-Gelb-Grün an den Blättern, die auf Salzschädigungen hinweisen. Problematisch ist, dass insbesondere jene Baumarten den Straßenrand und Alleen säumen, die nur eine sehr geringe Salztoleranz aufweisen und somit besonders anfällig für Schädigungen sind.

Für die Streuung verwendet wird fast ausschließlich Kochsalz (Natriumchlorid). Das Streusalz bewirke, dass essentielle Nährstoffe wie Magnesium und Kalium durch das Natrium ausgetauscht werden und für die Pflanzen nicht mehr verfügbar sind. Zudem wird das sogenannte osmotische Potential, das für die Aufnahme von Wasser aus dem Boden wichtig ist, durcheinander gebracht. Die Pflanze kann im Extremfall sogar verdursten.

Doch nicht nur ökologische Schäden werden durch das Streusalz verursacht. Auch ökonomisch sorgt es für Probleme. Das Natrium im Streusalz beispielsweise bewirkt, dass das Bodengefüge gelockert wird, was zu gefährlichen Bodenabtragungen bzw. Böschungsschäden führen kann. Besonders sichtbar ist dies bei Landstraßen und solchen Verkehrswegen, die auf Böschungen liegen. „Das salzhaltige Wasser fließt hier im Randbereich ab und versickert in den Boden. Dort wird er gelöst und es können bereits nach zwei Jahren erhebliche Straßenschäden auftreten“, unterstreicht der Bodenwissenschaftler. Darüber hinaus wirkt das Salz korrosiv, denn es greift Autos und sämtliche Einrichtungen im Straßenrandbereich an, auch Beton. Hinzu kommen pflegerische und verkehrssichernde Maßnahmen, um das durch Übersalzung entstandene Totholz zu entfernen.

In Deutschland wird seit den 1950er Jahren mit Salz gestreut. Die Schädigungen, die dadurch hervorgerufen wurden, haben zwischenzeitlich eine Umkehr in Richtung Splitt bewirkt. Der Druck der Versicherungswirtschaft, höhere Kosten und eine angeblich vergleichbar schlechte Ökobilanz des Rollsplitts haben in den letzten Jahren allerdings zu einer Renaissance des Einsatzes von Streusalz in deutschen Kommunen geführt. Jährlich werden rund 2 Mio. Tonnen Salz auf deutschen Straßen verteilt.

„Letztendlich sind die ökonomischen Schäden, die durch Streusalz bewirkt werden, nur schwer zu ermessen. Wo möglich empfiehlt es sich daher, das Salz erheblich zu reduzieren und stattdessen auf Rollsplitt oder Sand zurückzugreifen. Dass das Salz ökologisch weitaus bedenklicher ist und nachhaltigere Schäden hervorruft als das Splitt ist hingegen eindeutig. “, ergänzt Prof. Meuser.

Das Splitt löst den Schnee zwar nicht auf, sorgt aber ebenso gut dafür, dass man wohlbehalten sein Ziel erreicht.

Ralf Garten | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-osnabrueck.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics