Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sender können Tiere vor Wilderei schützen

07.08.2015

Der Fall Cecil zeigt: Mit Sendern können Forscher Todesursachen von Tieren fast in Echtzeit aufklären

Die Tötung des Löwen Cecil durch einen Großwildjäger in Simbabwe hat weltweit Empörung ausgelöst. Forscher der Universität Oxford hatten das Tier mit einem Senderhalsband ausgestattet, um so sein Verhalten besser beobachten zu können. Nur dank dieses Senders konnte der Tod Cecils aufgeklärt werden.


Löwen-Männchen Cecil im Hwange-Nationalpark in Simbabwe.

© WildCRU/Andrew Loveridge


Mit einem fünf Gramm leichten Minisender auf dem Rücken sendet ein Kuckuck seine Daten alle zwei Tage für zehn Stunden an einen Satelliten.

© Natural History Museum of Denmark/M. Willemoes

Am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell verfolgen Wissenschaftler ebenfalls mit Sendern das Verhalten unterschiedlichster Tierarten. Die dabei gewonnen Daten sind so exakt, dass sie getötete Tiere schnell ausfindig machen und die Todesursache aufklären können.

Ab 2016 wird darüber hinaus das satellitengestützte System Icarus globale Bewegungsmuster von Tieren erfassen. Icarus wird dadurch den Schutz bedrohter Arten nochmal deutlich verbessern.

Der erste Tötungsversuch mit einer Armbrust misslang dem amerikanischen Großwildjäger. Erst nach einer Verfolgungsjagd und mit Unterstützung lokaler Führer konnte er den Löwen schließlich erlegen. Dass es sich bei dem Löwen nicht um irgendein Tier handelte, davon ahnte der Hobbyjäger seinen Angaben nach nichts.

Das Tier wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Oxford in Großbritannien beobachtet, das die Wildtierbestände schützen soll. Cecil trug deshalb ein Halsband, das seine Bewegungen aufzeichnete und das die Wildhüter schließlich auf die Spur des Jägers brachte.

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie untersuchen ebenfalls mit Sendern das Verhalten von Tieren. Sie lernen damit viel über die Wanderungsbewegungen und die Lebensräume bedrohter Arten. Sie erfassen aber auch den Tod eines Tiers.

Dina Dechmann beispielsweise verfolgt die Flugrouten von Tauben. Sie kann mithilfe der Sender erkennen, wo und wann diese Raubvögeln zum Opfer fallen. „Bei Gefahr verlassen scheue Individuen als erstes den Schwarm, um zu flüchten. Das macht sie zu einem leichten Ziel. Dass in einem Fall die Vögel einem Raubvogel zum Opfer gefallen und nicht durch einen Jäger geschossen worden sind, haben uns ihre Sender verraten, die wir später rund um einen Falkenhorst entdeckt haben“, berichtet Dechmann.

Ähnliches gilt für Untersuchungen an Waldrappen. Naturschützer wollen diesen früher in Europa heimischen Zugvogel in österreichischen und italienischen Wäldern wieder ansiedeln. Ähnlich wie beim Löwen Cecil konnten Wissenschaftler anhand der Bewegungsaufzeichnung eines Vogels einen Jäger identifizieren, der ein solches Exemplar verbotenerweise geschossen hatte.

Auch wo und wodurch Zugvögel wie Singvögel oder Störche auf ihren jährlichen Reisen ums Leben kommen, können die Wissenschaftler auf diese Weise herausfinden. Für den Artenschutz sind das entscheidende Informationen.

„Die Signale der Sender sind so präzise, dass wir sogar den Absturz einer geschossenen Stockente schon registrieren konnten. Bislang ist dies aber nur ein Nebenprodukt unserer Forschung“, sagt Dechmann. Denn die Positionsaufzeichnungen dienen vorrangig dazu, das Verhalten der Tiere und ihre Bewegungsmuster zu entschlüsseln. Für die Todesursachen interessieren sich Forscher bislang vor allem, um Populationsschwankungen zu verstehen. „Die Sender könnten jedoch auch gezielt dazu eingesetzt werden, die Jagd auf bedrohte Tiere einzudämmen“, so Dechmann.

Die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie werden bald noch mehr Möglichkeiten haben, Tiere mittels Sendern zu verfolgen. Unter der Leitung von Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck Institut in Radolfzell, wird das internationale Konsortium Icarus (International Cooperation for Animal Research Using Space) ab 2016 global die Bewegungen vieler Tiere gleichzeitig erfassen. Solarbetriebene GPS-Minisender schicken dabei ihre Daten an die Internationale Raumstation ISS und von dort an Forschungsgruppen weltweit.

Icarus wird mit seinen Sendern aber nicht nur potenzielle Wilderer abschrecken, sondern auch auf andere Weise Wildtiere zum Schutz der Tiere beitragen. Denn viele Daten werden frei zugänglich sein. Und über die App Animal Tracker kann sich jeder an dem Projekt beteiligen, eigene Tierbeobachtungen hochladen und so den Forschern zur Verfügung stellen. „Dank Icarus können wir das Leben der Tiere quasi vom Sofa aus verfolgen. Es stärkt unsere Verbindung mit ihnen und hoffentlich auch die Wertschätzung für unsere Mitgeschöpfe“, sagt Wikelski.

Für Cecil käme dieses neue Selbstverständnis zwar zu spät, aber für viele andere bedrohte Tiere besteht noch Hoffnung. „Über die Daten der Icarus-Sender können die Menschen eine persönliche Beziehung zu Wildtieren aufbauen, ähnlich wie zu Cecil. Ich bin mir sicher, dass diese globale Aufmerksamkeit viele Tiere vor illegaler Jagd schützen wird“, so Wikelski.

Ansprechpartner

Dr. Dina Dechmann
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, Radolfzell
Telefon: +49 7732 150-173

E-Mail: ddechmann@orn.mpg.de

Dr. Dina Dechmann | Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, Radolfzell
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/9353840/cecil-sender-icarus

Weitere Berichte zu: Animal Research Arten Jäger Max-Planck-Institut Ornithologie Sender Wilderei

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Gebietsfremde Arten weltweit auf dem Vormarsch
15.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten