Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Projekt KLIMAGRAD: Wie beeinflussen Klimawandel und Tourismus das Ökosystem der Alpen?

08.05.2013
Die Alpen sind stark vom Klimawandel betroffen. Im weltweiten Vergleich ist hier die mittlere Jahrestemperatur um mehr als das Doppelte (1,5 °C) gestiegen.

Da sich alpine Tier- und Pflanzenarten perfekt an die unwirtlichen Bedingungen der Hochlagen angepasst haben, reagieren sie äußerst empfindlich auf Störungen.


Der Einfluss des Menschen beschränkt sich nicht nur auf seinen Siedlungsraum (Klimastation mit Blick ins besiedelte Tal). Christina Schuster/TUM

Das Projekt KLIMAGRAD hat untersucht, wie sich menschliche und klimatische Einflüsse im Werdenfelser Land auswirken – zum Beispiel Luftschadstoffe oder Wandertourismus auf der Zugspitze. Das Ergebnis der Studie ist ein Referenzsystem, mit dem sich Veränderungen künftig im Detail dokumentieren lassen.

Die Studie unter der Leitung der Technischen Universität München (TUM) untersuchte unter anderem die Vegetationszeiten, den Einfluss von Tourismus und Beweidung sowie von Luftschadstoffen auf ein alpines Ökosystem. Ziel von KLIMAGRAD war es, die Auswirkungen dieser Faktoren auf die Alpenregion Werdenfelser Land zu dokumentieren. Damit können die Wissenschaftler in den nächsten Jahren verfolgen, ob und wie Klimawandel und andere „menschengemachte“ Einflüsse dieses Ökosystem beeinträchtigen.

„Besondere Bedeutung erhält unsere Studie, da sie sich umfassend mit verschiedenen Veränderungen, ausgelöst durch Klima, Mensch und Tier, befasst“, erklärt Prof. Annette Menzel vom Fachgebiet für Ökoklimatologie an der TUM, die das Projekt leitete.
Längere Vegetationszeiten

Wie schlägt sich Klimaerwärmung auf die Vegetationsperiode im Alpenraum nieder? Dieser Frage ging das Fachgebiet für Ökoklimatologie an der TUM nach. Die Geoökologin Christina Schuster untersuchte Eintrittszeitpunkte von Blüte, Blattentfaltung und -fall (Phänologie) und bestimmte den Einfluss der Temperatur auf die Phänologie im Bergmischwald. Das Ergebnis: Bei einer Erwärmung von einem Grad verlängert sich die Vegetationszeit um zwei Wochen. Die zeitliche Verschiebung kann zum Beispiel zu Problemen bei der Bestäubung durch Insekten oder zu einer Zunahme des Spätfrostrisikos führen.

Zusätzlich erforschte die Wissenschaftlerin das Stammwachstum von Buche und Fichte. Wie erwartet nahm der Stammzuwachs mit zunehmender Höhenlage ab. Bei den Laubbäumen beeinflusst die Verlängerung der Vegetationszeit auch die Dauer des Stammwachstums. Dadurch profitieren sie mehr von steigenden Temperaturen als Nadelbäume – eine Erkenntnis, die für die Forstwirtschaft von Interesse sein könnte.

Luftschadstoffen auf der Spur

Stickstoff im Boden belastet insbesondere Bergwälder. Eine Arbeitsgruppe am Helmholtz Zentrum München untersuchte daher Stickstoff-Einlagerungen in Fichtenwäldern. Die alarmierende Erkenntnis der Forscher: Durch Schadstoffemissionen, zum Beispiel aus dem Autoverkehr oder der Landwirtschaft, liegt der Stickstoff-Gehalt bei bis zu 30 Kilogramm pro Hektar und Jahr – eine Menge, die bereits über dem kritischen Wert für Waldschäden liegt und unter anderem zu einer geringeren Artenvielfalt und übersäuerten Böden führen kann.

Dr. Michael Leuchner vom TUM-Fachgebiet Ökoklimatologie befasste sich mit organischen Kohlenwasserstoff-Verbindungen (VOC), die bei der Entstehung von bodennahem Ozon mitwirken. Als Reizgas ist Ozon schädlich für Mensch, Tier und Pflanze; als klimaaktives Gas trägt es zum Treibhauseffekt bei. Die wichtigste VOC-Quelle ist die unvollständige Verbrennung von organischen Substanzen. Die höchsten Konzentrationen wurden im Tal in der Nähe von Siedlungen und Straßen gemessen. Weiter oben sanken die Werte, stiegen aber am höher gelegenen Kreuzeck durch den Seilbahnbetrieb wieder an.
Mensch und Tier beeinträchtigen Ökosysteme

Wie beeinflussen Mensch und Tier die Vegetation im hochalpinen Raum? Wissenschaftler der Universität Augsburg erstellten eine detaillierte Vegetationskarte des Zugspitzplatts. Die Auswirkungen des Tourismus zeigten sich insbesondere an den größeren Berghütten: Die umliegenden Flächen sind nahezu vegetationsfrei. Auch entlang der Skipisten und Wanderwege ist der Bewuchs durch mechanische Belastung deutlich zurückgegangen. Die Beweidung durch mehrere hundert Schafe blieb ebenfalls nicht folgenlos: Die Wissenschaftler stellten Kahlfraß sowie einen erhöhten Stickstoffgehalt im Boden fest.
Das Projekt KLIMAGRAD

Die KLIMAGRAD-Studie wurde nach dreijähriger Laufzeit Ende Januar 2013 abgeschlossen. Das Gemeinschaftsprojekt von TUM (Projektleitung), LMU, Universität Augsburg, Helmholtz Zentrum München und dem Botanischen Garten München wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit finanziert. Basis des KLIMAGRAD-Projekts ist ein groß angelegtes Netzwerk von Messstationen entlang von vier Höhengradienten im Werdenfelser Land, die sich von 700 bis auf 1800 Metern erstrecken.
Kontakt:
Prof. Dr. Annette Menzel (Projektkoordination)
Technische Universität München
Fachgebiet für Ökoklimatologie
T: +49.8161.71.4740
E: amenzel@wzw.tum.de

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.oekoklimatologie.wzw.tum.de
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/30831/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie