Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanopartikel und Medikamentenrückstände im Wasser – Wie gefährlich ist diese Kombination?

14.04.2014

Forscher der Universität des Saarlandes und des KIST Europe (Korea Institute of Science and Technology) untersuchen in einer Studie, wie gefährlich die Kombination von Arzneimitteln, Kosmetika und Nanopartikeln in Gewässern für die Umwelt und den Menschen ist.

Zudem möchten die Forscher mit Bioinformatikern Computermodelle erstellen, die voraussagen, wie giftig unterschiedliche Wirkstoffcocktails sind. Damit könnten Behörden oder Chemiekonzerne die Bevölkerung zum Beispiel schneller vor möglichen Risiken warnen.


Die Saarbrücker Forscher untersuchen, wie gefährlich die Kombination von Nanopartikeln, Arzneimitteln und Kosmetik ist. Dazu nutzen sie unter anderem Fischeier (im Bild).

Foto: KIST

Jeden Tag gelangen unzählige Reste von Arzneimitteln oder winzige Nanopartikel aus Duschgel und Zahnpasta in unser Abwasser. Die Kläranlagen sind nicht in der Lage, diese winzigen Substanzen herauszufiltern. Die Folge: Sie gelangen in Flüsse, Seen oder ins Meer – und letztlich über die Nahrungskette als Wirkstoffcocktail zum Menschen.

Wie gefährlich diese Mischung für uns und die Umwelt ist, ist bislang unklar. Forscher des KIST Europe und der Saar-Uni untersuchen dies nun in einer Studie. Ihre Arbeit hat dabei einen aktuellen Bezug: „Ab 2015 wird die Gesetzgebung für Chemikalien in der Europäischen Union neu geregelt“, erklärt Chang-Beom Park, Wissenschaftler am KIST Europe. „Ziel ist es, die Verschmutzung der Gewässer zu reduzieren beziehungsweise ganz zu verhindern.“

Die Saarbrücker Wissenschaftler gehen in ihrer Arbeit der Frage nach, wie sich die Kombination unterschiedlicher Stoffe auf bestimmte Wasserorganismen (Algen und kleine Krebstierchen) auswirkt. Im Fokus stehen dabei zum Beispiel Nanopartikel wie Titan oder Rückstände von Medikamenten und Kosmetik. Seit Kurzem nutzen sie – als erste Forschergruppe im Saarland – für ihre Studie auch Zebrafische. Genauer gesagt: Sie interessieren sich für die Fischeier, an denen sie die Wirkstoffcocktails testen können.

„Die Schale der Eier ist sehr transparent, sodass wir schnell sehen, wie bestimmte Stoffe die Entwicklung des Embryos beeinflussen“, sagt Park weiter. „Außerdem können wir anhand der Tiere auch Rückschlüsse auf Risiken für den Menschen ziehen.“ Darüber hinaus vergleichen die Wissenschaftler die Reaktion der unterschiedlichen Organismen miteinander. „Für die Algen kann eine andere Substanz giftiger sein als für den Zebrafisch“, sagt Sang Hun Kim, Leiter der Abteilung „Umwelt und Biologie“ am KIST Europe.

In einem weiteren Schritt möchten die Forscher zusammen mit Saarbrücker Bioinformatikern ein Computermodell erstellen. Es soll voraussagen, wie giftig die Kombination verschiedener Substanzen für die Umwelt und den Menschen ist. Behörden oder Chemiekonzerne könnten es nutzen, um zum Beispiel die Bevölkerung schneller zu warnen, wenn mehrere Giftstoffe ins Wasser gelangt sind oder um im Vorfeld das Zusammenspiel der Stoffe vorherzusagen.

„Die Saar-Uni und das KIST Europe arbeiten schon auf vielen Gebieten eng zusammen“, sagt Professor Andreas Manz, Forschungsdirektor des KIST und Honorarprofessor für Mikrosysteme für Lebenswissenschaften an der Saar-Uni. „Mit dieser Studie möchten wir die Kooperation künftig noch weiter ausbauen.“

Das KIST Europe auf dem Saarbrücker Campus ist die einzige Außenstelle des Korea Institute of Science and Technology. Die Wissenschaftler des Instituts untersuchen unter anderem den Einfluss von Chemikalien und Nanomaterialien auf die Umwelt. Sie arbeiten hierzu auch eng mit Forschern der Saar-Uni und des Leibniz-Institut für Neue Materialien zusammen.

Fragen beantwortet:
Dr. Changbeom Park
KIST Europe, „Environment and Energy Center”
E-Mail: cb.park(at)kist-europe.de
Tel.: 0681 9382-365

Oliver Weiß
KIST Europe, „Environment and Energy Center”
E-Mail: o.weiss(at)kist-europe.de
Tel.: 0681 9382-511

Gemeinsame Pressemeldung der Universität des Saarlandes und des KIST Europe (Korea Institute of Science and Technology)

Melanie Löw | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Rasante Evolution einer Kalkalge
14.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Insektensterben: Auch häufige Arten werden selten
01.02.2018 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics