Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moorraupe der Universität Greifswald erntet erstmals Biomasse im Peenetal

13.10.2011
In diesem Herbst konnte zum ersten Mal Biomasse aus wiedervernässten Mooren im Naturschutzgebiet „Peenetal-Moor“ geerntet und abtransportiert werden. Dabei wurde eine umgebaute Moorraupe der Universität Greifswald eingesetzt.

Die Schilf- und Seggenbiomasse von 45 Hektar Niedermoor, die flächenmäßig etwa der Hälfte der Greifswalder Innenstadt entsprechen, werden nun der Energiegewinnung dienen. Die Flächen wurden im Rahmen eines deutsch-polnischen EU-Life-Projektes und des BMBF-Forschungsprojektes „VIP – Vorpommern Initiative Paludikultur“ zusammen mit dem Förderverein „Naturschutz im Peenetal e. V.“ und der Bioenergie Neu Kosenow GmbH & Co. KG bewirtschaftet.


Ernte von Moor-Biomasse mit der Moorraupe der Universität Greifswald. Foto: Christian Schröder

Das Peenetal-Moor wurde bis weit ins 20. Jahrhundert als Streuwiese genutzt. Um die Flächen intensiv und auch mit schwerer Landtechnik zu bewirtschaften, wurden sie – wie die meisten Moore in Mecklenburg-Vorpommern – entwässert. Dies führte zu einem Rückgang der Artenvielfalt. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Peenetal-Landschaft“ konnten seit den 1990er Jahren des vergangenen Jahrhunderts viele Flächen wiedervernässt werden. Inzwischen breitet sich dort Schilf aus.

Mit der Raupe der Universität Greifswald konnte nun dieses Schilf (Biomasse) erstmals wieder von den Flächen geerntet werden. Dies ist möglich, da die Raupe mit ihren breiten Gummiketten über die nassen Flächen fahren und auch Biomasse transportieren kann, ohne einzusinken. Die dichten Schilf- und Seggenriede werden zunächst gemäht und in einem zweiten Arbeitsgang wird das Mahdgut gehäckselt und auf den Ladewagen hinter der Raupe geworfen. Anschließend wird die Biomasse zur Peene transportiert und auf das Landungsboot „Gustav“ verladen.

Durch die Bewirtschaftung wird nicht nur Biomasse für die weitere Verwertung in einer Biogasanlage geerntet. Es entstehen auch wieder Lebensräume für bedrohte Pflanzen und Tiere, die früher zahlreich in den Mooren heimisch waren. Ein Beispiel hierfür ist der heute in Mecklenburg-Vorpommern ausgestorbene Seggenrohrsänger, ein unscheinbarer brauner Vogel mit äußerst kräftigem und melodiösem Gesang. Durch die Wiederherstellung seines ursprünglichen Lebensraumes besteht nun Hoffnung, dass sich diese einzig global gefährdete Vogelart Kontinentaleuropas wieder im Peenetal ansiedelt.

Die Moorraupe ist Teil des im Herbst 2010 gestarteten Projektes „VIP – Vorpommern Initiative Paludikultur“. Als Paludikultur wird die standortgerechte Bewirtschaftung bezeichnet, die im Vergleich zur Bewirtschaftung entwässerter Moore umweltfreundlicher und nachhaltiger ist. Entwässerte Moore haben einen hohen Anteil an den klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Durch die intensive Entwässerung werden die über Jahrtausende gebildeten Torfe belüftet und von Mikroben zersetzt. Dadurch entweichen jedes Jahr 20 bis 25 Tonnen CO2 je Hektar entwässertem Moorgrünland. Dies entspricht der Menge an Treibhausgasen, die ein Mensch auf 30 Flügen von Berlin nach Mallorca und zurück verursacht. Im moorreichen Mecklenburg-Vorpommern entweichen somit jährlich mehr als sechs Millionen Tonnen CO2 aus entwässerten Moorböden. Das entspricht einem Drittel der gesamten Emissionen des Landes.

Um den Ausstoß von CO2 zu reduzieren, ist es daher notwendig, die Moore wieder zu vernässen. Damit diese Flächen aber auch in Zukunft landwirtschaftlich genutzt werden können, werden in dem Projekt bis 2013 neue Wege der nassen Bewirtschaftung von Moorstandorten praktisch erprobt, wissenschaftlich untersucht und neue Produkte mit der Biomasse aus Mooren entwickelt. Die gewonnenen Ergebnisse sollen direkt großflächig umgesetzt werden, sodass sich Vorpommern zu einer weltweiten Modellregion der nachhaltigen Moorbewirtschaftung entwickelt.

Der Biomassetransport auf der Peene wurde unterstützt vom BMBF-Forschungsprojekt „Vorpommern Initiative Paludikultur“, Förderverein „Naturschutz im Peenetal e. V.“, Zweckverband „Peenetal-Landschaft“, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern, der Manfred-Hermsen-Stiftung, Bioenergie Neu Kosenow GmbH & Co. KG sowie der Robert Krebs GmbH & Co. KG (Eigner der „Gustav“).

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Christian Schröder
Institut für Botanik und Landschaftsökologie
Grimmer Straße 88, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-4183
christian.schroeder@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser
27.04.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie