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Meeresschwämme füttern ganzes Korallenriff

26.11.2009
Forscher kommen Riff-Paradoxon näher

Einem Wissenschaftsteam vom Niederländischen Institut für Meeresforschung ist es gelungen, mehr über den Energiekreislauf in Korallenriffen herauszufinden. Der Meeresforscher Jasper De Goeij hat mit seinem Kollegen Fleur Van Duyl entdeckt, dass einige Schwämme täglich große Mengen von gelöstem Kohlenstoff aus dem Wasser filtern. Das Besondere daran war, dass die Schwämme aber nicht gewachsen sind.

Die Forscher wollten daher herausfinden, was die Schwämme mit den großen Mengen an Kohlenstoff machen und haben in Aquarienversuchen entdeckt, dass sie in kurzer Zeit große Mengen neuer Zellen bilden und die alten Zellen zum Großteil abstoßen. Für die in der Umgebung lebenden Tiere sind die abgestoßenen Zellen ein "gefundenes Fressen", denn sie ernähren sich in der sonst sehr nährstoffarmen Umgebung davon, berichten die Forscher im "Journal of Experimental Biology".

Erklärung des Riff-Paradoxons

"In dieser Studie stellen niederländische Kollegen einen weiteren Ansatz zur Erklärung des so genannten Riff-Paradoxons vor", so der Korallenexperte Christian Wild, Leiter der Coral Reef Ecology Arbeitsgruppe am GeoBio-Center München, im pressetext-Interview. "Dieser Widerspruch zwischen sehr hoher Produktivität und extrem geringen Nährstoffkonzentrationen in Korallenriffökosystemen fasziniert Korallenriffforscher seit vielen Jahrzehnten." Der Artikel im Fachmagazin sei ein sehr wichtiger Beitrag, um das Funktionieren von Korallenriffökosystemen besser zu verstehen.

"Bestimmte Schwämme, die in dunklen Riffhöhlen leben, scheinen dabei eine besondere Rolle zu spielen, indem sie jeden Tag zirka die Hälfte ihres eigenen Gewichts an organischen Substanzen, die im Wasser gelöst sind, aufnehmen", erklärt Wild. "Diese wertvollen gelösten Stoffe, vor allem Zucker und Aminosäuren, können von den meisten Rifforganismen nicht verwendet werden und wären ohne die Schwämme daher großteils verloren für das Ökosystem Korallenriff."

Schwämme verfügen über schnellste Zellteilungsraten überhaupt

"Die Schwämme allerdings benutzen diese Nahrung offensichtlich nicht um zu wachsen, sondern um große Mengen spezieller Zellen zu bilden", so Wild. Dies laufe mit Zellteilungsraten von zirka fünf Stunden ab. "Damit gehören sie zu den schnellsten überhaupt beschriebenen Zellteilungsraten." Diese Geschwindigkeit werde noch nicht einmal von den meisten Bakterien erreicht.

"Die dabei entstehenden Kragengeißel-Zellhäufen werden dann aber nicht in den Schwammkörper eingebaut, sondern nach außen abgegeben, wo sie von verschiedenen Rifforganismen wie etwa Krebsen, Schnecken und Fischen konsumiert werden", so Wild. "Im Endeffekt verwandeln diese Schwämme also eine unsichtbare, sehr kleine und kaum aufzunehmende Nahrung in Futterbrocken, die von vielen Konsumenten im Riff genutzt werden können", führt der Experte aus.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nioz.nl
http://www.palmuc.de/core

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