Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel: Versauernde Seen entwaffnen Wasserflöhe

05.09.2012
Steigende CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre können Gewässer versauern lassen. Wasserflöhe stellt dies vor ernsthafte Probleme, wie eine neue Studie zeigt: Bei niedrigen Calciumkonzentrationen versagt ihre Verteidigung gegen Angreifer.

Der anthropogen bedingte weltweite Klimawandel ist unter anderem durch steigende CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre gekennzeichnet. Diese können zu einem sinkenden pH-Wert führen, Gewässer also saurer machen. Dabei sinkt die Konzentration an frei verfügbaren Carbonat-Ionen was wiederum die Bildung von Calciumcarbonat einschränkt.

Die langfristigen ökologischen Auswirkungen auf schalenbildende Organismen in Binnenseen untersuchte nun ein Team um den LMU-Biologen Christian Laforsch in Zusammenarbeit mit kanadischen und amerikanischen Wissenschaftlern.

Das Kalkeinlagerungsvermögen schalenbildender Arten hängt vom pH-Wert des Wassers ab. „Für im Meer lebende Arten konnte in den letzten Jahren gezeigt werden, dass viele Arten auf erhöhte CO2-Level mit einer reduzierten Kalkbildung sowie einer geringeren Wachstumsrate reagieren“, sagt Laforsch, „in Binnengewässern allerdings war dies bisher nur wenig untersucht“.
Veränderungen der Gewässerchemie durch zunehmende Versauerung kommen vor allem in sogenannten Weichwasserseen zum Tragen, die ohnehin wenig Calcium enthalten. „Wir konnten erstmals zeigen, dass geringe Calciumkonzentrationen von weniger als 1,5 mg/L, wie sie weltweit bereits in vielen Weichwasserseen zu finden sind, Wasserflöhe bei der Verteidigung gegen Räuber behindern“, berichtet Laforsch, der nun als Leiter des Lehrstuhls für Tierökologie I an die Universität Bayreuth wechseln wird.

Saures Wasser weicht Schutzpanzer auf

Wasserflöhe der Art Daphnia pulex werden vor allem von Larven der Büschelmücke Chaoborus americanus gefressen. Sie reagieren auf die Bedrohung mit einer Zunahme der Körpergröße, mit der Bildung sogenannter „Nackenzähne“ in der Kopfregion, und indem sie einen härteren Panzer entwickeln. Gerade der schützende Panzer wird bei sinkenden Calciumkonzentrationen allerdings dünner und weniger stabil, wie der Doktorand Max Rabus mithilfe eines sogenannten Rasterkraftmikroskops in enger Zusammenarbeit mit Hauke Clausen-Schaumann am Zentrum für NanoScience zeigen konnte.
Diese umweltbedingte Entwaffnung führt zu einer enorm erhöhten Anfälligkeit gegen Fressfeinde, was zum einen das geringe Vorkommen von Wasserflöhen in Seen mit niedrigen Calciumkonzentrationen erklärt und zum anderen vermutlich auch eine deutlich rückläufige Daphnien-Fauna in versauernden Gewässern bedingt - die Konsequenz könnte somit ein massiver Verlust an Biodiversität sein. (PNAS, September 2012) göd

Publikation
Changes in water chemistry can disable plankton prey defenses
H. P. Riessen, R. Dallas Linley, I. Altshuler, M. Rabus, T. Söllrad, H. Clausen-Schaumann, C. Laforsch and N. D. Yan
PNAS Early Edition, September 2012
doi: 10.1073/pnas.1209938109
Kontakt:
Professor Dr. Christian Laforsch
Department Biologie II der LMU
Tel.: 089 / 2180 – 74252
Fax: 089 / 2180 – 74204
E-Mail: laforsch@bio.lmu.de

Luise Dirscherl | Uni München
Weitere Informationen:
http://www.lmu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor
23.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wenn Korallen Plastik fressen
23.05.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics