Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel und Landnutzung

14.12.2009
o Klimaschonende und naturverträgliche Landnutzungen stärker fördern
o Nationalen Waldnaturschutzfonds etablieren

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) wird künftig auch in Deutschland die Land- und Forstwirtschaft durch die sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen und die notwendigen Reaktionen der Politik darauf - z.B. hinsichtlich Fördermaßnahmen - beeinflusst werden.

Mit einem Anteil von ca. 80 % an der Gesamtfläche Deutschlands haben Land- und Forstwirtschaft einen großen Einfluss auf den Schutz und die Entwicklung der biologischen Vielfalt und sind gleichzeitig mit am stärksten vom Klimawandel betroffen. Zudem können Landnutzung und Landnutzungsänderungen als Quellen für Treibhausgase selbst wesentlich zum Klimawandel beitragen.

Hier sind vor allem die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren, der Umbruch von Grünland und die Intensivtierhaltung kritisch zu sehen. Wälder und Landwirtschaftsflächen können aber auch als Treibhausgas-(THG)-senken ihrerseits den Klimawandel mildern. "Zur Lösung der Probleme wird es entscheidend darauf ankommen, schlüssige Konzepte für klimaschonende und naturverträgliche Landnutzungsformen zu entwickeln und umzusetzen. Diese müssen nicht nur unsere Nahrungsmittelversorgung und eine nachhaltige Holzproduktion bzw. Rohstoffversorgung sichern, sondern sollten zugleich so ausgestaltet und optimiert werden, dass sie zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel anlässlich der Klimakonferenz in Kopenhagen.

Sowohl der ökologische Landbau als auch die naturverträgliche Waldwirtschaft böten hier gute Lösungsansätze und seien durch geeignete Fördermaßnahmen verstärkt zu unterstützen und auszubauen. "Nur mit einer naturverträglichen Land- und Forstwirtschaft werden wir die internationalen Ziele zu Klimaschutz und Biologischer Vielfalt erreichen können", sagte Jessel.

"Denn mit einem weiteren Waldumbau z.B. in standortheimische, naturnahe Wälder oder einer standortangepassten Erhöhung von Holzvorräten und Totholzanteilen können wir ihre Senkenwirkung für Treibhausgase wie auch ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel stärken. Damit könnten sowohl Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) als auch der deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) erreicht werden", so die BfN-Präsidentin. Mit Blick auf die derzeitige Klimakonferenz in Kopenhagen fordert das BfN zudem, die Klima- und Biodiversitätspolitik nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene stärker zu verzahnen.

Hintergrund:

Erwartete Klimaänderungen und Auswirkung auf Landnutzungen
Bei einem mittleren Emissionsszenario prognostizieren die derzeit verfügbaren regionalen Klimamodelle für Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung um ca. 2-3,5 °C. Die Erwärmung wird insbesondere in den Wintermonaten zu spüren sein. Die Niederschläge werden sich sowohl regional als auch je nach Jahreszeit deutlich unterscheiden. Im Sommer muss mit regional bis zu 40 % weniger Regen gerechnet werden. Besonders betroffen wären dabei der Südwesten und der Nordosten Deutschlands. In Regionen, in denen eine geringe Wasserverfügbarkeit während der Vegetationsperiode bereits heute zu Problemen in der Landnutzung führt, wird sich die Situation verschärfen, zumal sich mit den steigenden Temperaturen auch der Wasserbedarf erhöht und sich nach längeren Trockenperioden die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden verringert. Dies könnte insbesondere weite Teile Ostdeutschlands betreffen. Der extreme Hitzesommer von 2003 kann als Beispiel für die möglichen Bedingungen dienen, auf die sich zukünftige Landnutzungen einstellen müssen.

Im Winter wird eine regional unterschiedliche Zunahme der Niederschlagsmengen erwartet. In den am stärksten betroffenen Regionen würden zwischen 40 und 70 % mehr Winterniederschläge fallen. Die Zunahme der Winterniederschläge könnte zu steigenden Schäden durch Überflutung und Staunässe sowie zu vermehrter Erosion und Auswaschung von Nähr- und Schadstoffen führen.

Erste Analysen zur Häufigkeit von Extremereignissen lassen darüber hinaus eine Zunahme von Starkniederschlägen erwarten. Insgesamt wird mit einer erhöhten Variabilität des Klimas gerechnet.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Eine Zunahme der Klimavariabilität erhöht die Wahrscheinlichkeit von Ertragseinbußen und erschwert eine Anpassung durch geeignete Kulturpflanzen in ganz Deutschland. Die möglichen negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft umfassen Ertragseinbußen durch Einschränkungen in der Wasserversorgung und durch zu hohe Temperaturen. So kann es bei Pflanzen mit niedrigerem Temperaturoptimum wie beispielweise Winterweizen zu Ertragseinbußen kommen. In Brandenburg wurde ein Rückgang der mittleren Erträge von Winterweizen um ca. 17 % bis zum Jahr 2050 modelliert. Bei extremen Temperaturen können Pflanzen dauerhaft geschädigt werden. Besonders in Gebieten, die bereits heute eine ungünstige klimatische Wasserbilanz aufweisen, wie z. B. Brandenburg, wird sich das Problem der Wasserverfügbarkeit durch eine Abnahme der Sommerniederschläge noch verschärfen.
Auswirkungen auf den Wald
Auch auf die vorhandenen Forstflächen werden sich die prognostizierten Klimaänderungen mit Temperaturanstieg, Stürmen und Niederschlagsänderungen negativ auswirken. Vor allem nicht standortgerechte Wälder und unter ihnen die historisch bedingt weit verbreiteten i.d.R. künstlich angelegten Fichtenforste werden durch den Hitze- und Trockenstress beeinträchtigt und dadurch auch anfälliger für Insektenkalamitäten

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise