Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Klima verändert die Höhenverteilung von Pflanzen und Tieren

09.01.2014
Die Pflanzen, Schmetterlinge und Vögel in den Schweizer Tieflagen sind im Zeitraum 2003–2010 zwischen 8 und 42 Meter die Hügel hinaufgewandert. Das berichten Forscher der Universität Basel im Online-Fachmagazin «Plos One».

Der Klimawandel verändert weltweit die Verbreitung von Pflanzen und Tieren. So wurde kürzlich gezeigt, dass die europäischen Vogel- und Schmetterlingsarten in den letzten zwei Jahrzehnten durchschnittlich um 37 bzw. 114 Kilometer nach Norden gewandert sind.


Aufgrund von steigenden Temperaturen stossen Pflanzen in höhere Regionen vor. Im Bild: Clusius-Gämswurz (Doronicum clusii).

(Foto: Jörg Schmill)

Die Biologen Dr. Tobias Roth und PD Dr. Valentin Amrhein von der Universität Basel berichten nun, dass zwischen 2003 und 2010 die Schweizer Pflanzen, Schmetterlinge und Vögel auch die Hügel hinauf gewandert sind. Auf Höhe des Schweizer Mittellandes sind die Pflanzenarten im Durchschnitt 8 Meter nach oben gewandert, Schmetterlinge 38 Meter und Vögel 42 Meter. Die Ergebnisse beruhen auf Daten des Schweizer Biodiversitäts-Monitoring, in dem auf landesweit verteilten Flächen Pflanzen und Tiere bis in eine Höhe von etwa 3000 Metern gezählt werden.

«Durchschnittlich acht Meter Höhenunterschied in acht Jahren und über alle Pflanzenarten, das ist für die meist nicht besonders mobilen Pflanzengesellschaften recht viel», sagt Valentin Amrhein. «Die Resultate zeigen, dass die biologischen Auswirkungen des Klimawandels nicht erst langfristig sichtbar werden. Die Tiere und Pflanzen der Schweiz reagieren bereits heute und mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf die steigenden Temperaturen.»

Andere Trends oberhalb der Waldgrenze

Während Vögel auch in höheren Lagen nach oben wanderten, zeigten die Pflanzen und Schmetterlinge über der Waldgrenze allerdings keine signifikanten Höhenänderungen. Im Gegensatz zur Entwicklung in tieferen Lagen war sogar eine leichte Tendenz für eine Abwärtsbewegung von Pflanzen und Schmetterlingen zu finden. Die Gründe dafür sind noch unklar.

«Möglicherweise wirken Änderungen der Lebensräume an der Waldgrenze den Einflüssen des Klimawandels entgegen, zum Beispiel der Umstand, dass viele Alpweiden nicht mehr bewirtschaftet werden», so Tobias Roth. «Eine andere Möglichkeit ist, dass alpine Pflanzen aufgrund des sehr vielfältig strukturierten Reliefs vor den Folgen des Klimawandels besser geschützt sind.»

Dass sich die Höhenverteilung von Pflanzen- und Schmetterlingsarten gegenwärtig im Tiefland und in den Hochlagen unterschiedlich ändert, ist jedenfalls nicht mit unterschiedlichen Temperaturentwicklungen auf den verschiedenen Höhenstufen erklärbar. Die Forscher haben auch Messdaten der Lufttemperatur von 14 meteorologischen Stationen untersucht: Während der 16 Jahre von 1995 bis 2010 stiegen in der Schweiz die Sommertemperaturen auf allen Höhenstufen um etwa 0,07 °C pro Jahr.

Originalbeitrag
Tobias Roth, Matthias Plattner & Valentin Amrhein
Plants, birds and butterflies: short-term responses of species communities to climate warming vary by taxon and with altitude

Plos One, published January 8th, 2014 | doi: 10.1371/journal.pone.0082490

Weitere Auskünfte
• PD Dr. Valentin Amrhein, Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Fachbereich Zoologie, Tel. +41 79 848 99 33, E-Mail: v.amrhein@unibas.ch

• Dr. Tobias Roth, Hintermann & Weber AG, 4153 Reinach, Tel. +41 61 717 88 62, E-Mail: roth@hintermannweber.ch

Olivia Poisson | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.unibas.ch/index.cfm?uuid=C261442790D4E1652C2B62C86D07CD2C&type=search&show_long=1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik stimuliert Bakterien im Meer
17.04.2018 | Universität Wien

nachricht Wälder beeinflussen den globalen Quecksilber-Kreislauf maßgeblich
13.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics